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Konflikte im Wald vorprogrammiert
Mountainbiker hoffen auf gutes Miteinander

„Schmale Trails sind tabu“, betont der Landesbetrieb Wald und Holz NRW auf seiner Homepage. So soll gewährleistet werden, dass Radfahrer an anderen Besuchern vorbeifahren können, ohne sie zu behindern.
  • „Schmale Trails sind tabu“, betont der Landesbetrieb Wald und Holz NRW auf seiner Homepage. So soll gewährleistet werden, dass Radfahrer an anderen Besuchern vorbeifahren können, ohne sie zu behindern.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

tile Siegen. In die sprichwörtliche Ruhe des Waldes mischen sich immer wieder laute Misstöne. Viele Gruppen beanspruchen das Naherholungsgebiet Nummer eins in der Region für sich: Spaziergänger (mit und ohne Hund), Wanderer, Jogger, Radfahrer, Reiter. Von Tieren ganz zu schweigen. Dazu kommen die wirtschaftlichen Interessen und Eigentumsrechte etwa von Waldgenossenschaften und die Förster und Jagdpächter mit ihrer Verantwortung und Aufgabe. Eine fragile Gemengelage, die viel Konfliktpotenzial birgt. Zuletzt entzündete sich dies an einem Vorfall in Netphen, wo ein Mountainbiker ein Reh angefahren und tödlich verletzt haben soll (die SZ berichtete). Gerade Biker, die auf Trails abseits der Wege unterwegs sind, sehen sich regelmäßig Anfeindungen ausgesetzt.

tile Siegen. In die sprichwörtliche Ruhe des Waldes mischen sich immer wieder laute Misstöne. Viele Gruppen beanspruchen das Naherholungsgebiet Nummer eins in der Region für sich: Spaziergänger (mit und ohne Hund), Wanderer, Jogger, Radfahrer, Reiter. Von Tieren ganz zu schweigen. Dazu kommen die wirtschaftlichen Interessen und Eigentumsrechte etwa von Waldgenossenschaften und die Förster und Jagdpächter mit ihrer Verantwortung und Aufgabe. Eine fragile Gemengelage, die viel Konfliktpotenzial birgt. Zuletzt entzündete sich dies an einem Vorfall in Netphen, wo ein Mountainbiker ein Reh angefahren und tödlich verletzt haben soll (die SZ berichtete). Gerade Biker, die auf Trails abseits der Wege unterwegs sind, sehen sich regelmäßig Anfeindungen ausgesetzt. Der MTB Siegerland bemüht sich seit Längerem um gute Stimmung im Wald und darum, Druck vom Kessel zu nehmen.

Flowtrail als gutes Beispiel

Dass ein gutes Miteinander funktionieren könne, zeige der Flowtrail in Siegen, sagt Sven Achenbach, Vorsitzender des Vereins. Oberhalb des Erfahrungsfelds Schön und Gut am Fischbacherberg startet die in acht Abschnitte unterteilte 3,5 Kilometer lange Abfahrt durch den Stadtwald bis hinunter in die Numbach. Angelegt wurde er nicht nur für Cracks, sondern auch für Anfänger. Erst in den beiden letzten Teilabschnitten gibt es eine alternative Streckenführung für erfahrene Fahrer. Oberstes Gebot beim Anlegen der Piste: Die Sicherheit hat Vorfahrt! Das sei eine Bedingung der Stadt gewesen, stellt der MTB-Chef klar – und zwar für Fahrer und andere Waldnutzer gleichermaßen.

Trails sind eindeutig markiert

Baulich spiegelt sich dies unter anderem in einer eindeutigen Markierung des Trails wider sowie in Querungsbereichen, die für alle, die im Wald unterwegs sind, gut einsehbar sind. Vor diesen Bereichen sei die Strecke außerdem so angelegt, dass man nie in voller Geschwindigkeit auf kreuzende Wege zufahre, beschreibt Sven Achenbach. Darüber hinaus gibt es klare Verhaltensregeln, angefangen bei den Öffnungszeiten (nur tagsüber von April bis Oktober) über das Fahrverbot bei Dauerregen bis hin zur Helm- und Handschuhpflicht. „Die Nutzer sind dazu verpflichtet, sich jederzeit so zu verhalten, dass sie andere Nutzer, insbesondere andere Erholungssuchende, nicht gefährden“, heißt es unter Punkt 11 der Bestimmungen des Flowtrails.

Wildunfall im Wald

Einigung kann gelingen

Sven Achenbach ist überzeugt: „Legale Trails sind die beste Methode, illegale Strecken zu verhindern.“ Daher wirbt der MTB Siegerland dafür, weitere von den Waldeigentümern geduldete Trails anzulegen. Eine heikle Angelegenheit, wie dem Vereinsvorsitzenden durchaus bewusst ist. Denn zur Ausübung des eigenen Hobbys fordert man konsequent nichts weniger als das Nutzungsrecht fremden Eigentums.
Für die Mountainbiker ist diese harte Position aber alternativlos, „sonst machen Gespräche für uns gar keinen Sinn, denn dann ist es nicht mehr unser Sport“. Das schreckt ab. Aber: „Wenn man das Gespräch sucht und beide Seiten offen sind, kann das zu Erfolgen führen.“ So befinde man sich trotz anfänglicher Vorbehalte mittlerweile in guten Gesprächen mit den Eiserner Waldgenossen über eine Nutzung im Bereich der Eisernhardt. Ein tragbares Arrangement sei in Aussicht. Sven Achenbach spricht von einem „Flaggschiff-Projekt“, das für die Vision des MTB Siegerland, ein kreisweites Netz legaler Trails aufzubauen, „immens wichtig“ wäre. Bis dahin ist es aber noch ein langer, ein sehr langer Weg.

Mountainbiken ist inzwischen Breitensport 

Der Vorsitzende macht keinen Hehl daraus, dass selbst durch ein flächendeckendes Trail-Netz die illegalen Strecken nicht ganz verschwinden werden. Zwar vertrete der Verein wohl die Interessen der meisten Mountainbiker, die vernünftig und respektvoll im Wald unterwegs seien, aber eben nicht die aller. In der Szene gebe es verschiedene Gruppierungen. Darunter junge Heißsporne, die tatsächlich Rampen und Bauten aus dem Boden stampften, aber in der Regel zur Raison gebracht würden. Und dann die „Alteingesessenen“, die vor 15 Jahren mit den ersten Trails Pionierarbeit leisteten – und aufgrund ihrer geringen Zahl kaum störten. Inzwischen aber ist Mountainbiken Breitensport, über den einige Puristen nur die Nase rümpfen, weiter ihr Ding durchziehen und eine Art Rebellentum kultivieren. Für diese könne der MTB Siegerland nicht sprechen, stellt Sven Achenbach klar. Aber: Unerlaubte Trails verlören überall da ihren Reiz, wo es „offizielle“ Routen gebe. „Alle illegalen Trails rund um den Flowtrail sind weg“, nimmt er die Entwicklung in Siegen als Beleg.

Hinterlistige Maßnahmen

Das Bild, das dieser (kleinere) Teil der Szene, der sich die vermeintliche Freiheit, auf eigenen Pfaden durch den Wald zu fahren, nicht nehmen lassen will, in der öffentlichen Wahrnehmung abgibt, stellt für die Biker mittlerweile ein ganz anderes, todernstes Problem dar: Neben Beleidigungen und Hass-Kommentaren in sozialen Netzwerken ließen sich vereinzelte Mountainbike-Gegner zu extremen Maßnahmen hinreißen, klagt Sven Achenbach. Zugeschüttete Trails, Barrieren und – äußerst perfide – über die Wege gespannte Seile und sogar Drähte bedrohten Leib und (im schlimmsten Fall) Leben der Fahrer. Auch in der Region. Schon deshalb sei der MTB Siegerland für jedes Gespräch offen, das den Waldfrieden sichere. Für diesen ist letztlich jeder einzelne verantwortlich.

Rechtslage: Fahrten im Gelände verboten Das nordrhein-westfälische Waldbetretungsrecht schließt u. a. Radfahrer ausdrücklich mit ein, „soweit Straßen und Wege befahren werden. Fahrten einfach im Gelände sind verboten“. Wald und Holz NRW ergänzt mit Verweis auf einen Entscheid des Verwaltungsgerichts Köln, dass Radfahrer „feste Wege“ nutzen dürften, womit allerdings nicht nur künstlich befestigte Wege gemeint sind (www.wald-und-holz.nrw.de/wald-erleben/verhalten-im-wald). Demnach zählen auch „Wege mit von Natur aus festem Untergrund, die auch aufgrund ihrer Breite für den Radverkehr im Wald geeignet sind“, dazu. Als geeignet breit ist gemeint, dass Radfahrer an anderen Besuchern vorbeifahren können, ohne sie zu behindern. „Das heißt mit ausreichend Abstand. Schmale Trails sind daher tabu.“
Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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