Mozart, Strauß und die anderen

Philharmonie Südwestfalen lud zu gelungenem Neujahrskonzert / Weitere Konzerte in Region

gmz Siegen. Dieses Neujahrskonzert hatte alles, was ein Neujahrskonzert braucht: die Tritsch-Tratsch-Polka (mit einem hüft- und knieschwingenden Dirigenten, der auch das bremsende Zugseil fest im Griff hatte), natürlich den Radetzky-Marsch (natürlich!), die schöne blaue Donau, die allerdings vor Walzerseligkeit nicht über die Ufer kam, sondern walzerbeschwingt vor sich hin tänzelte, die lustige Witwe, bei der das Orchester dem Publikum applaudierte (umgekehrt natürlich auch!), denn die Zuhörer durften ihre Melodiekenntnisse summender- oder singenderweise unter Beweis stellen (einige mit erstaunlich sicheren Textkenntnissen!), die schwungvoll-sehnsuchtsvolle Fledermaus,... Kein Wunder, dass die Zuhörer im voll besetzten Gläsersaal gestern Nachmittag mit Beifall nicht geizten und ihrer Begeisterung mit Zugabe-Forderungen Ausdruck verliehen!

Die Philharmonie Südwestfalen lud zum traditionellen Neujahrskonzert und wünschte dem Publikum ein »happy New Year«. Nicht nur musikalisch, sondern auch als Sprechchor. Es war das erste Neujahrskonzert, wie er selbst feststellte, das der neue Chefdirigent Russell N. Harris mit der Philharmonie gestaltete. Er führte nicht nur in gekonnt lockerer Art durch das Programm, sondern bewies auch sein komisches Talent als Dirigenten-Entertainer. Seine Chaplin-Nummer, oder war er Loriot?, funktionierte auch bei Brahms’ Ungarischem Tanz Nr. 6. Es muss nicht immer der fünfte sein!

Bei allem Entertainment aber stand die Musik im Mittelpunkt, ernsthafte, sehnsuchtsvolle, beschwingte, witzige oder nachdenkliche Musik, Musik, die die unterschiedlichsten Stimmungen beschrieb und menschliche Lebenssituationen erfasste.

So ließ beispielsweise bereits der Auftakt zum Konzertnachmittag aufhorchen: Mozarts Ouverture zu »Cos#92 fan’#8C tutte« war fast wie eine musikalische Einführung in ein neues Jahr. Die Flöte spielt zu Beginn das Lied von den Dingen, die vielleicht kommen können, in der noch nicht bekannten Zukunft. Das Orchester stellt sich voller Energie den Aufgaben, die kommen, es deutet an, nimmt aber nichts vorweg. Es bereitet vor. Passend für einen 1. Januar! Oder, wie es Russell N. Harris formulierte: Man kann ein neues Jahr musikalisch kaum besser beginnen als mit Mozart!

Schwungvoll und flott erklangen auch die bekannten Melodien aus Tschaikoswsky Nussknacker oder dem Schwanensee, schwungvoll – und gestaltet. Russell N. Harris verstand es, die Spannung, die den Melodien zugrunde liegt, so herauszustellen, dass sie die Musik und die Szene trug und nicht im Sturm der Begeisterung unterging. Wie beispielsweise bei den fast lautmalerischen Beschreibungen des Tanzes der kleinen Schwäne, die man so mit trippelnden (nie watschelnden!) Schritten herankommen sah.

Diese Betonung der Spannung, gepaart mit einer leicht ironischen Brechung der Aufführungstraditionen fasziniere auch bei den Ungarischen Tänzen von Brahms. Dem oft in Tempo und Rhythmus sich überschlagenden Tanz Nr. 1 gewährte der Dirigent einen Raum und eine Zeit, die den Eindruck der Langsamkeit mit leiser (Selbst-)Ironie zelebrierten und so eine fast träumerische Intensität zum Vorschein brachten.

Von großer Intensität war auch die von Sehnsucht, Wehmut und schließlich nachdenklicher, in der Frage verharrender Hoffnung erfüllte Valse triste von Sibelius. Er war so wehmütig, wie nur ein Walzer wehmütig sein kann und kam dabei doch ohne Pose aus. Russell N. Harris widmete ihn den Erdbebenopfern im Iran. Poetische Momente hatten auch in Dvoráks Slawischem Tanz Nr. 8 Platz, mit dem das Orchester den zweiten Konzertteil eröffnete: eine gekonnt strukturierte Darbietung, die die flotte Interpretation und das Verweilen des Augenblicks geschickt zu verbinden wusste.

Dieses Konzert ist mit fast demselben Programm übrigens heute, 20 Uhr im Haus des Gastes in Bad Laasphe zu hören, am Samstag, 3. Januar, 20 Uhr im Bürgerhaus Bad Berleburg, am Sonntag, 4. Januar, 17 Uhr in der Stadthalle Kreuztal (s. Meldung) und am Sonntag, 18. Januar, 20 Uhr in der Aula am Rassberg in Neunkirchen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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