Müssen die Buchen weichen?

mir - Borkenkäfer bedrohen den Fichtenbestand im städtischen Wald, zwei gesunde Bäume nebeneinander sind selten geworden. Ist das nun eine Katastrophe oder auf lange Sicht eine ökologische Runderneuerung? Zwei – gesunde – Hainbuchen wiederum beschäftigen ab Dienstag bis in den Juli hinein die Siegener Lokalpolitik. Die 70 Jahre jungen Gewächse stehen an prominenter Stelle einem noch prominenteren Projekt im Weg, der Sanierung der Stadtmauer am Schlosspark. Ein Vorhaben mit Leuchtturm-Charakter. Das alte Gemäuer rund um den Siegberg wird auf 1,4 km Länge saniert, 10 Mill. Euro werden da bewegt. Hauptsächlich Zuschüsse, die Förderquote liegt bei 70 Prozent.

Pech nur für alle Förderer und Freunde des Städtebauprojekts, dass die städtische Baumkommission den Antrag der Verwaltung, die beiden Hainbuchen umgehend zu fällen, abgelehnt hat. Einstimmig. Ergo blieb Stadtbaurat Henrik Schumann die Alternative, den Hauptausschuss entscheiden zu lassen. Der ist anders besetzt als die Kommission, zuvor geht das Thema in den Bau- und in den Umweltausschuss.

Die Fronten sind klar: Das bauleitende Ingenieurbüro für die Mauersanierung sieht Gefahr im Verzug, die Wurzeln dringen demnach in die Mauer ein, gefährden die Standsicherheit. Einen Abstand gibt es nicht, die Hainbuchen wachsen direkt an und in den Steinen. Der Bauzeitenplan für die Sanierung der gesamten Stadtmauer steht fest, die Arbeiten laufen, aus Sicht der Bauverwaltung gibt es folglich eine gewisse Dringlichkeit.

Theoretisch gäbe es die Möglichkeit, den fraglichen Abschnitt auf zehn Metern nicht zu sanieren, die Buchen könnten weiter wachsen und gedeihen. Just in dem Sektor soll bei der Schlosspark-Erweiterung eine Sitztribüne installiert werden. Zum Chillen im Grünen. Sollte die Mauer später einmal saniert werden müssen, ergäben sich Mehrkosten von 13 500 Euro, hat man ermittelt.

Klar, die Mauer könnte auch nur neu verfugt werden. Aber: Aus „Verkehrssicherungsgründen“ müsste ein Gutachter jährlich nach dem Objekt schauen und die Lage analysieren. Zusatzkosten pro Jahr: 600 Euro. Aus Sicht der Bauverwaltung gibt es noch einen Punkt von Bedeutung: Die dickere der beiden Hainbuchen „klingt im unteren Stamm beim Abklopfen schon hohl.“ Die mögliche Fäulnis sei durch Stadtgärtner geprüft worden.

Die Baumkommission wiederum hat sich Anfang Mai dem Wunsch nach rascher Fällung nicht anschließen wollen. Die in den 60er-Jahren restaurierte Mauer weise keine Beeinträchtigungen auf, die Baumwurzeln hätten sich offensichtlich an die Mauerstruktur angepasst. Entstanden sei ein Funktionsgefüge, „bei dem die Mauer nur mit dem Baum funktioniert“. Mittelfristig gibt es laut Kommission keinen Anlass für eine Fällung.

Was aber ist mit der vom Schlossgärtner dargestellten Gefahr einer Hohl- bzw. Faulstelle? Der Gesundheitszustand der Bäume sei in Ordnung, sagt die Kommission, einen dringlichen Verkehrssicherungsbedarf sieht sie nicht. Man darf gespannt sein (noch so eine Floskel), ob und wie sich die Akteure verständigen oder auch nicht. Ökonomie trifft auf Ökologie.

Hintergrund: In einer früheren Phase der Schlosspark-Erweiterung sind schon um die 25 Bäume rund um die einstige Jugendherberge gefällt worden, darunter einzelne Exemplare, die eigentlich stehen bleiben sollten.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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