Musik aus der Zeit Calvins

gmz Siegen. „Calvin – seine Zeit und ihre Musik“: Unter diesem Motto stand am Samstagabend das Konzert der Capella Cantabilis der Kantorei Siegen, die gemeinsam mit dem Blechbläserensemble pro musica sacra (pms) einlud, im Rahmen des Kreiskirchentages, aus Anlass des 500. Geburtstages des großen, eifernden Reformators Johannes Calvin (gestern wurde das Konzert in Wetzlar wiederholt). KMD Ute Debus (für die Capella) und Eckehard Pankratz (für pms) haben ein spannendes Programm zusammengestellt, das die vielfältige Musik aus der Zeit Calvins vorstellte. Es wurde sowohl das freudige als auch das innige Gotteslob vorgestellt, gefolgt von der „weltlichen“ Musik, die Calvin selbst, dem Protagonisten eines asketischen, nicht musisch reflektierten Lebens, sicher nicht sehr nahe stand. Im ersten Teil des Konzertes erklangen geistliche Lieder und Motetten von Gabrieli bis Sweelinck, von Le Jeune bis Goudimel. Dabei faszinierte vor allem der weiche, sehr gestaltete Klang der Blechbläser, die den Ausdrucksbogen von festlichen, erwartungsvollen Melodien über nachdenkliche und innige Stimmungen zu spannen wussten, teils als Vertonungen von Psalmgebeten. Interessant war auch die Kombination von Blechbläser-Choral und anschließender Vertonung für Chor (nicht vom gleichen Komponisten), die es den Zuhörern in der recht gut besuchten Nikolaikirche ermöglichte, Stimmung und textliche Reflexion aufeinander zu beziehen. So war es bei Johann Jeeps Choral für Blechbläser zu Psalm 66 die stille, innige Freude, die dem Gotteslob zugrunde liegt, die in der anschließenden Motette in Text und Ausdruck untermauert wird. Ähnliches gilt auch eindrucksvoll für die Kombination Claude Le Jeune und Jan Pieterzoon Sweelinck, die den Psalm des vertrauensvollen Gotteslobes, Psalm 33, bekräftigend, zuversichtlich und dann (im wunderbar geschlossen agierenden Chor) mit bittender Intensität in Musik setzten. Der festliche Klang des „Earl Of Oxford’s March“ von William Byrd, die behäbig-witzigen oder die schwungvoll pointierten „Tänze aus Tepsichore“ von Michael Praetorius zeigten die fröhliche, die mitreißende, aber immer durchdachte „Unterhaltungsmusik“, gespielt von pms. Der Chor überzeugte mit stimmungs- und sehnsuchtsvollen Liedern, bestach vor allem mit zwei Werken von Claudio Monteverdi, dessen enorme Klangkomplexität eine Szenerie entwarf, die zwischen der opulenten Schönheit der Natur und der bedrückenden Kargheit des eigenen Lebens changiert, die mit renaissancehaft komplexer Fülle die prä-barocke „vanitas“ vor Augen und Ohren stellte. Ein eindrucksvoller Einblick in das 16. Jahrhundert!

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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