Musikalisch erfolgreich und 150 Jahre innovativ

MC »Euterpe« 1853 Siegen begeht großes Jubiläum morgen mit Festakt im Gläsersaal / Bergleute gründeten Verein auf der Hammerhütte

Siegen. 150 Jahre MC »Euterpe« 1853 Siegen. 150 Jahre jung muss es bei diesem denkwürdigen Jubiläum heißen, denn auch die Siegener Zeitung berichtet immer wieder über die zahlreichen Aktivitäten dieses vitalen Vereins. Zwar hat der Männerchor die im Siegerland jeden MGV betreffenden Nachwuchssorgen, aber dafür hat die »Euterpe« in jüngster Zeit u. a. mit dem Pop-Jazz-Gospel-Projektchor für viel Furore gesorgt.

Klar, dass alle Chorgruppen des Vereins (Männer-und Frauenchor alleine und gemeinsam sowie der Projektchor) bei der morgigen Festmatinee (11 Uhr im Gläsersaal der Siegerlandhalle) Kostproben ihres Könnens geben werden. Ehre, wem Ehre gebührt und die erweist dem MC »Euterpe« u. a. Dr. Heinz Eyrich, der Präsident des Deutschen Sängerbundes. Die Festrede wird Prof. Michael Schmoll, Bundeschorleiter des Sängerbundes NRW, halten. Tradition heißt bekanntlich nicht die Asche bewahren, sondern das Feuer weitertragen. Daher steht der älteste Chor der alten Stadt Siegen Innovationen immer offen gegenüber. Wer keine Vergangenheit hat, der hat allerdings auch keine Zukunft. Deshalb darf zu einem so raren »runden« Geburtstag der Blick zurück nicht fehlen. Dabei hat die – redaktionell bearbeitet von Alfred Schröder und Willi Springenberg – Chronik zum Jubiläum mehr zu bieten als »nur« die »Euterpe«-Geschichte. Sie bietet auch einen Blick in die Geschichte der Stadt.

Anno 1851 setzten sich 13 junge Männer, meist waren sie Bergleute,– in der Wirtschaft Fritz Koch an einen Tisch, um den »Hammerhütter Singverein« zu gründen. Der erste Vorsitzende hieß Karl Stutte, der erste Chorleiter Kaspar Schneider. Als erstes Lied lernten die Sänger »Im Sommer such ein Liebchen dir«. Bereits zwei Jahre nach der Gründung hatte Oberlehrer Langensiepen die zündende Idee. Der MGV gab sich einen neuen Namen, benannte sich nach »Euterpe«, der Muse des lyrischen Gesangs. Als äußeres Zeichen der Zusammengehörigkeit ließen die Sänger 1868 die erste Vereinsfahne weihen, mit der sie ein Jahr später an einem Sängerfest in Ferndorf teilnahmen.

Einen herben Rückschlag musste die »Euterpe« 1887 hinnehmen: In der Nacht vom 10. auf den 11.August brannte das damalige Vereinslokal Prinz ab. Das gesamte Notenmaterial und die Vereinsfahne fielen den Flammen zum Opfer. Die Proben wurden in die traditionsreiche Gaststätte Meier in der St.-Johann-Straße verlegt, wo der Verein auch in späteren Jahren lange seine Heimat hatte. Musikalisch aufwärts ging es, als Hauptlehrer Stolberg am 1. Juni 1900 den Dirigentenstab übernahm. Er verstand es prächtig, den Chor zu motivieren. Das belohnten die Zuhörer bei Konzerten mit viel Beifall und die Juroren bei Wettbewerben mit zahlreichen Preisen.

Das Jahr 1903 stand natürlich ganz im Zeichen des 50-jährigen Bestehens. Zum Festkonzert am 28. Juni auf der Eintracht versammelten sich rund 3500 Zuhörer. Zehn Jahre später hatte sich die »Euterpe« mit 72 Aktiven zu einem der stärksten und leistungsfähigsten Vereine Siegens entwickelt. Das war nicht zuletzt ein Verdienst das damaligen Vorsitzenden und späteren Ehrenvorsitzenden Hermann Stutte.

Die bis dahin so erfolgreiche Aufbauarbeit zerstörte der Erste Weltkrieg: 34 Sangesfreunde kehrten nicht von den Schlachtfeldern in ihre Heimat zurück. Mit viel Geschick steuerte der Vorsitzende Fritz Dreisbach das Vereinsschiff durch die Nachkriegsjahre. Zum 75-jährigen Besehen 1928 hatte der Verein 78 aktive und 70 passive Mitglieder. Aber am Horizont tauchte schon braunes Unheil auf. Der MGV »Euterpe« verlor zwangsweise sein Eigenleben, musste sich mit anderen Siegener Chören zusammenschließen. Viele Sänger traten aus, übrig blieben nur noch Sänger der »Euterpe« und des MGV »Hoffnung«.

Als am 1. Februar 1945 das Vereinslokal Langenbach in der Wilhelmstraße zerbombt wurde, schien das Schicksal der »Euterpe« besiegelt. Das gesamte Vereinseigentum verbrannte. Einmal mehr bewiesen die Sänger ihre Standhaftigkeit. Man traf sich bereits 1945 im Café Stutte in der Winchenbach und nach zwölf Jahren lebte der traditionsreiche Name »Euterpe« wieder auf. Es ging aufwärts, mit vielen jungen Sängern und engagierten Dirigenten. Die Jubiläen 1953 und 1978 machten deutlich welchen Stellenwert der Verein in der Kulturszene der Stadt Siegen inzwischen eingenommen hatte. In der Siegener Zeitung hieß es am 30. Januar 1978 zum 125-Jährigen der »Euterpe«: Die illustre Gästeliste, die in ihrer Zusammensetzung die kulturelle Bedeutung des Chores–widerspiegelt, war der Ausdruck einer 125-jährigen Tätigkeit für den Siegerländer Kernraum und auch weit darüber hinaus«. Am 17. Januar 1981 trafen sich die Sänger zu einer »Gründungsversammlung«. Die Bezeichnung MGV wurde in MC (Männerchor) geändert. Mit nur zwei Gegenstimmen wurden die Namensänderung und die neue Satzung angenommen. Dokumentiert werden sollte, dass der Verein neue–Prioritäten setzen und mehr Wert auf künstlerische Belange legen wollte. Ohne dabei allerdings die gewohnt fröhlichen Ereignisse zu vernachlässigen. Immer wieder konnte die Siegener Zeitung über tolle Konzerte des Chores berichten. So über den Auftritt mit dem jugoslawischen Chor »KOLO« Sibenik am 27. April 1981 in der Siegerlandhalle: »Was der Chor unter Michael Blumes Leitung sängerisch zu bieten hatte, berechtigt, ihn wieder zum oberen Drittel unserer leistungsstarken heimischen Chöre zu zählen«. Im gleichen Jahr wurde mit dem Bau des Sängerheims begonnen. Im September konnte Richtfest gefeiert werden. Im Oktober fand die erste von zahlreichen Auslandsreisen statt. Es ging nach Jugoslawien, um den Besuch von »KOLO« zu erwidern. Zum Jahresabschluss wurde mit vielen Ehrengästen das mit ganz großem Engagement der Sänger errichtete Heim offiziell eingeweiht.1985 erreichte der MC »Euterpe« dann ein ganz großes Ziel: Unter Leitung von Kunibert Koch, der Blume inzwischen abgelöst hatte, ersang der Verein in Hagen den Meisterchortitel. Ein Jahr später wählte die »Euterpe« Manfred Rosenkranz zum 1. Vorsitzenden, der sich große Verdienste um die »Euterpe« erworben hat und den Chor auch ins Jubiläumsjahr führt. 1990, 1995 und 2000 verteidigten die Sänger den Meisterchortitel. Die Zeichen der Zeit erkannten die »Euterpe«-Verantwortlichen eigentlich immer recht schnell. 1998 wurden der Frauenchor und der Junge Chor gegründet. Die Zeit marschiert im Sauseschritt und das jüngste Kind des junggebliebenen Vereins ist der Projektchor »Jazz, Pop, Gospel«, den die beiden Koryphäen Michael Blume und Matthias Merzhäuser (seit 1996 »Euterpe«-Chorleiter) gemeinsam führen. Auf vielen Wettstreiten war der Chor erfolgreich, viele Konzerte begeisterten das Publikum und viele Klippen galt es zu umschiffen. Genau nachzulesen ist dies in der ausführlichen Chronik zum Jubiläum. Das nächste Ereignis im Veranstaltungsreigen (in der SZ bereits vorgestellt) ist am 30. März das 1. Festkonzert aller »Euterpe«-Chöre im Gläsersaal. Glück Auf!

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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