»Muss Mami jetzt auch noch Geld bezahlen?«

SZ-Aktion »Nachbar in Not«: Rund 20000 e verteilt

sz Siegen. Es gibt Menschen, bei denen sich das Unglück auf Dauer einzunisten scheint. Die junge Mutter war nach der Chemotherapie geschwächt nach Hause zu ihrer kleinen Tochter zurückgekehrt. In der folgenden Nacht entstand ohne jedes Verschulden der Beiden ein Brand in der winzigen Wohnung. So verloren sie auch noch ihre geringe Habe. Nachbarsleute haben sie buchstäblich im Nachthemd aufgenommen und tags darauf auch »Nachbar in Not« informiert. Als dann ein Redakteur der SZ eine erste Hilfe von in Höhe von 500,- e brachte und darum bat, die Entgegennahme des Schecks zu quittieren, traten der Mutter bittere Tränen in die Augen. Und das Mädchen fragte: »Muss die Mami jetzt auch noch Geld bezahlen?« Nein, hier musste die Mutter nichts bezahlen und, sofern es das weitere Spendenaufkommen zulässt, soll sie möglichst noch einen größeren Betrag bekommen.

»Nachbar in Not« – viele Wege zu Bedürftigen waren bekannt, andere kamen zu Weihnachten 2002 hinzu. Mancherorts leuchten Kinderaugen an der Tür. Die Hoffnung, dass ein Fremder auch einmal etwas Licht in eine triste Umgebung bringen kann, ist noch nicht erloschen. Mit rund 20000 e ist ein vergleichbar hoher Betrag wie in den Vorjahren zur Verteilung gekommen, obwohl es schwerer geworden ist, solche Summen einzusammeln. Zu viel ist den Spendern in diesem Jahr zugemutet worden und manche dürften inzwischen sogar selber Sorgen haben. Wenigstens für ein Geschenk je Kind sollte der kleine Scheck reichen, obwohl es hier und da sogar an warmer Winterkleidung fehlte. 50 e im typischen Fall sind heutzutage nicht mehr viel...

Auch der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes, Caritas und Diakonie haben wieder eine größere Anzahl von Familien oder Fällen extremer Altersarmut und Krankheit benannt. Alle Schecks wurden verteilt, und kein Cent vom Spendenaufkommen wurde für Verwaltungszwecke oder Ähnliches genutzt. Besonderer Dank gebührt wie stets dem DRK, das die Gelder selbstlos verwaltet und die Spendenbescheinigungen ausstellt.

Manche Blicke prägen sich ein wie der einer Frau und Mutter, die ihren Mann seit Jahren ohne jede Hoffnung auf Besserung pflegt. Dann wieder kommt ein allein lebender Mann im Rollstuhl an die Tür. Vor zwei oder drei Jahren hatte er erstmals etwas von »Nachbar in Not« bekommen. Fragend bis misstrauisch wirkte da noch sein Blick. Inzwischen liest man in seinen Augen offene Freude darüber, dass an ihn gedacht worden ist. Dann wieder öffnet eine junge Frau mit zwei bildhübschen kleinen Kindern die Tür einer schäbigen Wohnung – ebenerdig an der Hauptverkehrsstraße. Vielleicht dass das Unglück hier übers Jahr wieder abgezogen ist? Leuchtende Kinderaugen machen die vielen Besuche leichter.

Doch die Ohnmacht gegenüber den Geschicken bleibt. Der Notruf einer Frau zugunsten der drei Kinder ihrer Freundin hat noch zu einer letzten eiligen Hilfsmaßnahme geführt: Die Freundin, allein erziehende Mutter, hatte wenige Tage vor Weihnachten dringend ins Krankenhaus gemusst. Mehrere schwere Operationen galt und gilt es zu bestehen. Ob sich die Kinder über die kleinen Geschenke überhaupt freuen können? Möge das Glück über eine genesende Mutter hinzu kommen. »Weihnachten«, das heißt eben auch, sich an den Anderen erinnern, an seine Sorgen, seine Ängste, seine Not.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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