Nach 130 Jahren ist bald Schluss

 Das „Aus“ für die Erndtebrücker Metzgerei Wied ist seit Mittwoch beschlossene Sache. Verhandlungen mit zwei potenziellen Interessenten führten letztlich nicht zum Erfolg. Foto: Björn Weyand
  • Das „Aus“ für die Erndtebrücker Metzgerei Wied ist seit Mittwoch beschlossene Sache. Verhandlungen mit zwei potenziellen Interessenten führten letztlich nicht zum Erfolg. Foto: Björn Weyand
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vö - Bis zuletzt hatten Mitarbeiter und Kunden noch auf eine Fortsetzung des Geschäftsbetriebs, eine Rettung in letzter Sekunde gehofft – doch daraus wird nun nichts mehr. Die Erndtebrücker Traditions-Metzgerei Wied stellt ihren Geschäftsbetrieb in gut zwei Wochen ein, letzter Öffnungstag ist am Samstag, 17. Februar. Über die Entscheidung wurden die Mitarbeiter am Mittwoch in einer Betriebsversammlung informiert. Nachdem in den vergangenen Monaten bereits einige Beschäftigte den Handwerksbetrieb auf eigene Initiative verlassen hatten, standen zuletzt noch etwa 20 Mitarbeiter auf der Lohn- und Gehaltsliste – darunter auch mehrere Teilzeitkräfte. „Der Wurst Case ist eingetreten“, schrieb Metzgermeister und Firmen-Chef Fritz Wied in einer Pressemitteilung – in Anspielung auf den „Worst Case“, zu deutsch den ungünstigsten anzunehmenden Fall. Der Traditionsbetrieb habe, nachdem im November 2017 die Insolvenz beantragt worden sei, am Mittwoch das Verfahren beim Amtsgericht Siegen eröffnet.

Intensive Gespräche mit dem Insolvenzverwalter Dr. Carsten Koch aus Weilburg, Fleischermeister Fritz Wied, Steuerberater und mehreren interessierten Investoren hätten zu keinem positiven Ergebnis geführt. Carsten Koch verriet der Siegener Zeitung auf Anfrage, dass bis zuletzt noch mit zwei potenziellen Interessenten über die Übernahme des Betriebes verhandelt worden sei – leider ohne Erfolg. Um wen es sich dabei konkret handelte, ließ sich der Jurist indes nicht entlocken. Carsten Koch: „Wir haben verschiedene Möglichkeiten der Sanierung, die in solch einem Insolvenzverfahren möglich sind, geprüft.“ Nur: Es habe sich für die Beteiligten daraus keine Möglichkeit einer wirtschaftlich darstellbaren Fortführung dieser Traditions-Metzgerei ergeben.

„Der radikale Strukturwandel und die sich stark veränderten Einkaufs- und Verzehrgewohnheiten kann ein kleiner Familienbetrieb nicht mehr leisten“, sagte Fritz Wied junior. Und weiter: „Wir sind Groß-anbietern sowie einem täglichen, ruinösen Preiskampf ausgesetzt. Wir werden das handwerkliche Fleischer-Fachgeschäft mit Partyservice und Grillschule nach 130 Jahren aufgeben.“

Der letzte Öffnungstag ist am Samstag, 17. Februar. In diesen etwas mehr als zwei Wochen gelten neue Öffnungszeiten: montags, dienstags und mittwochs jeweils von 6 bis 13 Uhr, donnerstags und freitags jeweils von 6 bis 18 Uhr und samstags von 6 bis 12 Uhr. „Ein großer Dank geht an unsere treuen und fleißigen Mitarbeiter sowie an alle Kunden, welche uns teils lange Jahre die Einkaufstreue gehalten haben. 1888 wurde die Metzgerei von Philipine Frettlöh gegründet – vier Generationen dienten dem Ort Erndtebrück und Wittgenstein. Es war eine schmackhafte Zeit“, heißt es in der Presseerklärung von Fritz Wied abschließend.

Für die Mitarbeiter ist das Insolvenzgeld noch für den Monat Februar gesichert. Spätestens am Mittwoch hat allerdings die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz begonnen – das dürfte zumindest im Handwerk oder Einzelhandel nicht ganz aussichtslos sein.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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