"Burbach-Verhandlung": Mindestens acht weitere Anklagen
Nach dem Prozess ist vor dem Prozess

Vor dem Landgericht ist am Mittwoch der "Burbach-Prozess" zu Ende gegangen.
  • Vor dem Landgericht ist am Mittwoch der "Burbach-Prozess" zu Ende gegangen.
  • Foto: cs
  • hochgeladen von Marc Thomas

mick Siegen. Zum Schluss gibt es noch einmal vier Geldstrafen, ein wenig abweichend von den Anträgen des Oberstaatsanwaltes. Dann ist es vorbei mit jenem Verfahren, das unter dem Stichwort „Burbach-Prozess“ die heimische Justiz seit Anfang November 2018 beschäftigt hat. An der Öffentlichkeit geht der Prozess seit Längerem eher vorbei.

Am 73. und letzten Verhandlungstag ist aber noch einmal größeres Interesse der Medien zu verzeichnen. Vier Angeklagte sind es noch, die sich mit ihren Verteidigern im Saal 165 des Landgerichts vor der Kammer treffen. Am Anfang waren es 32, die aus Platzgründen in die Siegerlandhalle gesetzt wurden.

Freiheitsberaubung und Geldstrafe

Der Ex-Wachmann G. wird wegen Freiheitsberaubung zu einer Geldstrafe von 2800 Euro verurteilt. Sein damaliger Kollege H. soll für drei erwiesene Fälle von Freiheitsberaubung 3400 Euro zahlen und erhält ansonsten auch einen Freispruch. Kleine Ironie: Einer der Zeugen hatte den Siegerländer als „den Netten, der uns immer auf die Toilette gehen ließ“, bezeichnet. Allerdings schloss H. nach dem Toilettengang die Tür des „Problemzimmers“ wieder ab. Das ist Freiheitsberaubung.

Burbach-Großverfahren geht ins Finale

Für den ehemaligen Sozialbetreuer L. stehen am Ende fünf Fälle von Freiheitsberaubung im Urteil und eine Geldstrafe von 900 Euro. Bleibt noch der frühere Wachmann O., der wegen zweifacher Freiheitsberaubung 3500 Euro zahlen soll. Eine der beiden Freiheitsberaubungen ist in Tateinheit mit Nötigung verhandelt worden. Da ging es um das berüchtigte „Video“. O. ist eindeutig als der Wachmann identifiziert worden, der einen hilflos wirkenden Bewohner anbrüllt mit den Worten, er solle als guter Christ die Wange noch einmal hinhalten und werde sich gleich ein paar Schläge oder Tritte fangen.

"Tatsächlich verantwortlich für die Geschehnisse in Burbach
sind für mein Verständnis ganz andere Leute,
von denen keiner hier sitzt."

Stefan Heiermann
Verteidiger

O. ist am Mittwochvormittag der einzige Angeklagte, der das letzte Wort nutzt. Es sei ihm wichtig, alle Betroffenen „aufrichtig um Entschuldigung“ zu bitten. Und er hat versprochen, dass sich so etwas nie wiederholen werde. Die sechs Monate, die er in Burbach gearbeitet habe, hätten sein Leben nachhaltig geprägt und in den vergangenen Jahren auch schwer belastet, viele Dinge sogar für immer zerstört.
Dass die vergangenen Monate für die Angeklagten keinesfalls angenehm waren, ist oft betont worden.

Organisatoren für Geschehnisse in Burbach verantwortlich

Am Mittwoch geht noch Verteidiger Stefan Heiermann darauf ein. „Tatsächlich verantwortlich für die Geschehnisse in Burbach sind für mein Verständnis ganz andere Leute, von denen keiner hier sitzt“, stellt er fest. Er meint die für die Organisation Verantwortlichen. Heiermann ist überzeugt, dass Fälle wie der von L. normalerweise mit Geldauflage vor der Hauptverhandlung hätten eingestellt werden müssen.

Letzte Urteile im Juli geplant

Dass letztlich alle Beteiligten in einer Situation agieren mussten, auf die sie nicht vorbereitet wurden, hat die Vorsitzende Elfriede Dreisbach ebenfalls noch einmal angesprochen. „Alle in Burbach waren auf sich selbst gestellt“, sagt sie. Es habe viele Schwierigkeiten und gefährliche Situationen gegeben.

Acht Verfahren in der Vorbereitung

Mindestens acht Verfahren sind definitiv in Vorbereitung. Unter den Beschuldigten sind der in Sachsen wohnende Wachmann, dessen Verfahren wegen Erkrankung abgetrennt werden musste, ein Kollege, der von allen Beteiligten als besonders „schlagfreudig“ beschrieben wurde, sowie der immer wieder erwähnte Obersozialbetreuer B., der allerdings nur sehr eingeschränkt verhandlungsfähig ist.

Terminiert sei in dieser Hinsicht noch nichts, erklärt Oberstaatsanwalt Christian Kuli. Das müsse von der Kammer mit den Verteidigern abgestimmt werden. Er selbst fühle sich gut an diesem Tag, sagt Kuhli am Ende dieses Verfahrens. Das sei lang, aber auch in dieser Intensität zur Aufbereitung aller Umstände wichtig gewesen. Der Oberstaatsanwalt zum Abschluss: „Es war von Anfang an klar, dass es eine schwierige Sache wird, dass viele Zeugen nicht mehr erreichbar sein würden.“

Autor:

SZ Redaktion aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

6 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen