Nach der Drogeneinfuhr: Abkehr vom „Teufelszeug“

pebe Siegen. „Ich will aus dem Drogensumpf heraus. Das ist kein Leben mehr, das ist nur noch ein Dahinvegetieren.“ Der Angeklagte wagte bei seinem letzten Wort nicht, seinen Blick zu heben. „Teufelszeug“ hatte seine 23-jährige Mitangeklagte das Heroin genannt, von dem sie beide abhängig waren. Bei dem 39-Jährigen hatte das Pulver des Bocksfüßigen nach acht Jahren schon sichtbare Spuren hinterlassen: Ausgemergelt, fast kraftlos saß er am Anklagetisch, dem Anschein nach fast 20 Jahre älter. Die 23-Jährige war vom Herrn der Finsternis noch an der langen Leine gehalten worden: Ihr war der anderthalbjährige Heroinkontakt zumindest äußerlich nicht anzumerken. Beide waren jetzt vor dem Siegener Schöffengericht angeklagt, Drogen in „nicht geringer Menge“ aus den Niederlanden eingeführt und hier teilweise damit gehandelt zu haben.

Eine Anklage betraf nur den 39-Jährigen: Er habe mehrfach Heroin und einmal eine kleine Menge Kokain aus Holland nach Deutschland gebracht, hier teils selbst verbraucht und teils weiterverkauft, klagte Staatsanwalt Wolfgang Weiß an. „Stimmt so“, nickte der Angeklagte. Aber dass die 23-Jährige für ihn auf der Zugfahrt von Heerlen und Herzogenrath ins Siegerland Drogen am und im Körper versteckt habe, das stimme nicht. Das sei allein ihr Teufelszeug gewesen. „Stimmt wohl“, sagte die Mitangeklagte. Gegen sie läuft noch ein Ermittlungsverfahren wegen drei Gramm Heroin in einem Überraschungsei, teilte ihre Bewährungshelferin mit .

„Er hat das Zeug gekauft. Wir hatten abgemacht, dass ich es transportiere. Ich sollte dafür etwas davon bekommen. Ich war so dumm und habe mitgemacht“, fuhr die Angeklagte fort. „Also lügt er?“, fragte Richter Uwe Stark nach. Die Antwort fiel kurz und klar aus: „Ja.“ „Warum sollte ich lügen?“, konterte der 39-Jährige, „das eine Mal mehr würde auch nichts ändern.“

Der Staatsanwalt schlug später vor, diesen Drogenschmuggel als Versuch zu werten. Und Richter Stark setzte noch eins drauf: Er machte den Vorschlag, die zweite Anklage gegen den 39-Jährigen einzustellen, Aussage stehe gegen Aussage. „Ich stimme dem zu“, nickte Staatsanwalt Weiß, „aber ich schenke der Angeklagten Glauben.“ Stark nickte, meinte dann aber mit deutender Handbewegung, für den Angeklagten könne dies die Weichenstellung für Knast oder Therapie sein.

„Moderate“ zweieinhalb Jahre Gefängnis wegen unerlaubter Einfuhr und Handels mit Betäubungsmitteln forderte der Staatsanwalt für den 39-Jährigen. Der sei abhängig und brauche viel Stoff zum Eigenkonsum, sei allerdings auch einschlägig vorbestraft. Weiß nahm einen minderschweren Fall an, aber Knast sei nötig, „der Leidensdruck muss so stark sein, dass er die Therapie umsetzt“. Bei der 23-Jährigen hielt er eine einjährige Bewährungsstrafe für ausreichend.„Zu viel“, meinte dagegen die Anwältin der Angeklagten, die ansonsten dem Staatsanwalt zustimmte, „sechs Monate reichen.“ Sein Mandant, so der Verteidiger des 39-Jährigen, „ist an dem Punkt, die Dinge zu ändern. Diese Möglichkeit solle das Urteil eröffnen. Zwei Jahre Haft für den Angeklagten, neun Monate zur Bewährung für seine Begleiterin lautete der Urteilsspruch des Schöffengerichts wegen Einfuhr von Betäubungsmitteln. „Das ist die Grenze, so Sie es steuern können“, wandte sich Richter Stark an den Angeklagten. Bewährung sei aber nicht möglich. Die junge Frau muss sich in ihrer Bewährungszeit regelmäßig Drogenscreenings unterziehen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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