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Anti-Agressionstraining anberaumt
Nachbarschaftsstreit gipfelt in Nazi-Parolen

juka Siegen. Von einem seit zehn Jahren anhaltenden Nachbarschaftsstreit berichtete der 42-jährige Angeklagte am Donnerstag vor dem Siegener Amtsgericht. Immer wieder gebe es Probleme, an Versöhnung sei nicht einmal im Ansatz zu denken. Die nächste Stufe der Eskalation soll laut Staatsanwaltschaft am 3. Juli des vergangenen Jahres erreicht worden sein, der Angeklagte habe seine grillenden Nachbarn vom Fenster aus wüst ausländerfeindlich beschimpft, auch Nazi-Parolen seien gefallen. Einer der Betroffenen sagte am Donnerstag aus, dies sei in einer solchen Lautstärke erfolgt, dass weiter Nachbarn hinzugekommen seien und sich ein wütender Mob vor der Haustür des Angeklagten gebildet hatte, der schließlich von der Polizei abgeführt worden war.

juka Siegen. Von einem seit zehn Jahren anhaltenden Nachbarschaftsstreit berichtete der 42-jährige Angeklagte am Donnerstag vor dem Siegener Amtsgericht. Immer wieder gebe es Probleme, an Versöhnung sei nicht einmal im Ansatz zu denken. Die nächste Stufe der Eskalation soll laut Staatsanwaltschaft am 3. Juli des vergangenen Jahres erreicht worden sein, der Angeklagte habe seine grillenden Nachbarn vom Fenster aus wüst ausländerfeindlich beschimpft, auch Nazi-Parolen seien gefallen. Einer der Betroffenen sagte am Donnerstag aus, dies sei in einer solchen Lautstärke erfolgt, dass weiter Nachbarn hinzugekommen seien und sich ein wütender Mob vor der Haustür des Angeklagten gebildet hatte, der schließlich von der Polizei abgeführt worden war.

Angeklagter sieht sich als Opfer

Der 42-Jährige wollte von den Parolen allerdings nichts wissen, sah sich selbst als Opfer. „Meine Tür wurde schon eingetreten, Fenster wurden eingeworfen, in meiner Wohnung sind Leute zusammengeschlagen und ich bin beleidigt worden“, zählt H. (Name von der Redaktion geändert) auf.

Von Nazi-Parolen von Verfassungsschutz erfahren

Dass er gegenüber seinen Nachbarn an diesem Tag ausfallend geworden sei, räumte er aber ein. Sätze wie, dass er „siegen und zerstören“ werde, geht beispielsweise aus Tonaufnahmen hervor, die seine Nachbarn gefertigt hatten. „Wir wollten endlich etwas in der Hand haben.“ Als Bedrohung möchte der Angeklagte diese Sätze aber nicht auslegen, er habe nur zum Ausdruck bringen wollen, dass er die Nummer eins und der Boss in dem Haus sei und siegreich aus dem Nachbarschaftsstreit hervorgehen werde. Von angeblichen Nazi-Parolen will er erst bei der Vernehmung durch den Verfassungsschutz erfahren haben.

"Ich bin eine sehr deeskalierende Persönlichkeit,
habe mit Gewalt nichts zu tun."
Angeklagter
vor dem Siegener Amtsgericht

Das sehen die Geschädigten ganz anders. Eine Frau berichtete, dass solche rechtsradikalen Äußerungen nichts neues seien. Auch seine Haustür habe er mit Symbolen und einer 88, was der Angeklagte als Erinnerung an einen Urlaub 1988 im Alter von neun Jahren darstellt, verziert. Zur Erklärung: Die Zahl 88 besitzt in rechtsextremen Kreisen eine hohe Bedeutung.

Keine Gespräche möglich

„Wenn sie alle dort wohnen bleiben, werden wir uns hier wahrscheinlich noch häufiger sehen“, prognostizierte die Amtsrichterin. Doch während die Opfer nicht ausziehen wollen – sie seien ja schließlich zuerst dort gewesen – ist es dem Angeklagten offenbar finanziell nicht möglich, anderweitig fündig zu werden. Auch die Versuche des Verteidigers, seinen Mandanten zu einem Gespräch mit den Nachbarn zu überreden, endeten erfolglos.

Verfahren gegen Auflage eines Anti-Aggressionstrainings eingestellt

So wurde das Verfahren schließlich gegen die Auflage eines Anti-Aggressionstrainings eingestellt, was der Angeklagte aber auch nur bedingt nachvollziehen konnte und mit dem Satz quittierte: „Ich bin eine sehr deeskalierende Persönlichkeit, habe mit Gewalt nichts zu tun.“ Bei seiner Nachbarin im Publikum löste H. damit zumindest nur ein müdes Lächeln aus.

Autor:

Julian Kaiser aus Siegen

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