Nachfrage zwingt zur Erweiterung

 In der Evangelischen Kindertagesstätte „Senfkorn“ in Bad Berleburg prüft der Kreis Siegen-Wittgenstein derzeit eine mögliche Gruppenerweiterung, um dem gestiegenen U-3-Betreuungsbedarf Rechnung zu tragen. Foto: Timo Karl
  • In der Evangelischen Kindertagesstätte „Senfkorn“ in Bad Berleburg prüft der Kreis Siegen-Wittgenstein derzeit eine mögliche Gruppenerweiterung, um dem gestiegenen U-3-Betreuungsbedarf Rechnung zu tragen. Foto: Timo Karl
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tika - Kontinuierlich steigt die Nachfrage nach Plätzen in der Tagesbetreuung für Kinder – kreisweit, aber auch und gerade im Altkreis Wittgenstein. Besonders frappierend ist dieser Trend im Bereich der U-3-Betreuung, in der das Angebot weiterhin deutlich unter dem angezeigten Bedarf liegt. Dies geht aus dem gestern veröffentlichten Bedarfsplan hervor, den der Kreis-Jugendhilfeausschuss in seiner nächsten Sitzung am Dienstag, 12. März, um 16 Uhr im Kreishaus in Siegen diskutieren und beschließen soll.

Kreisweit stehen demnach für das Kindergartenjahr 2019/2020 4924 Plätze für die Betreuung über Dreijähriger in Kindertageseinrichtungen zur Verfügung – ausgehend von 4922 im Kreisgebiet lebenden Ü-3-Kindern entspricht dies einer Versorgungsquote von 100,04 Prozent. Für die U-3-Betreuung stehen 1500 Plätze in Kindertageseinrichtungen sowie 378 Plätze in der Kindertagespflege zur Verfügung. Die Versorgungsquote beträgt insgesamt 43,7 Prozent für die Null- bis Dreijährigen und 64,3 Prozent für die Ein- bis Dreijährigen, ausgehend von 4299 beziehungsweise 2921 im Kreis Siegen-Wittgenstein lebenden Kindern.

Allgemein gestiegen sind die 45-Stunden-Buchungen im U-3-Bereich. Für das neue Kita-Jahr liegt der Anteil bei 46,4 Prozent – dies entspricht einem Plus von 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei den Ü-3-Kindern war in diesem Segment ein Anstieg um 2,4 auf 44,4 Prozent insgesamt zu verbuchen. Der Kreis Siegen-Wittgenstein hat diesen Trend grundsätzlich erkannt und steuert bereits seit einigen Jahren dagegen – mit der Schaffung weiterer Angebote. Im Vorjahr etwa eröffnete im Feudinger „Tannenwald“ eine AWo-Kita, die speziell auf den gestiegenen Bedarf für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren ausgerichtet ist (SZ berichtete). Die Siegener Zeitung blickt auf die Bedarfsplanung für das Kindergartenjahr 2019/2020 mit Fokus auf die drei Wittgensteiner Kommunen Bad Berleburg, Bad Laasphe und Erndtebrück:

Bad Berleburg: Die Entwicklung der Ü-3-Kinderzahlen ist im Vergleichszeitraum 2013/2014 (510) und 2019/2020 (507) insgesamt stabil geblieben. Anders sieht dies bei der U-3-Entwicklung (2013/2014: 266; 2019/2020: 298) aus, die den allgemeinen Trend deutlich widerspiegelt. Die Entwicklung der Nachfragequoten wiederum bestätigt diesen Zuwachs. Für das Kindergartenjahr 2018/2019 lag die U-3-Nachfragequote mit 58,1 Prozent noch rund sieben Prozent unter der planerischen Quote (65 Prozent), im Kita-Jahr 2019/2020 liegt er mit 70,1 Prozent rund fünf Prozent darüber. Mit der AWo-Großtagespflege „Berleburger Minis“ trägt die Kreisverwaltung dieser Entwicklung Rechnung. Das Gesamtangebot an U-3-Plätzen beträgt im neuen Kita-Jahr 146 Plätze, für Ü-3-Kinder liegt dieser Wert bei 503 Plätzen.

Will heißen: Ausgehend von 507 in Bad Berleburg lebenden Ü-3-Kindern beträgt die Versorgungsquote 99,2 Prozent. Anders stellt sich die Situation im U-3-Bereich dar: Die Versorgungsquote liegt bei 43,5 Prozent für die Null- bis Dreijährigen sowie bei 66,8 Prozent für die Ein- bis Dreijährigen. Diese Werte schließen dabei sowohl Angebote in den Kindertageseinrichtungen als auch in der Kindertagspflege ein, in der im Stadtgebiet derzeit 53 Plätze zur Verfügung stehen. „Aktuell zeigt sich in Bad Berleburg eine sehr hohe Nachfrage nach U-3-Angeboten. Dadurch ergibt sich, dass rein rechnerisch die Notwendigkeit der Errichtung von zwei Großtagespflegestellen besteht. Aus den inzwischen vorliegenden Erfahrungswerten der vergangenen Jahre zeigt sich, dass der spätere tatsächliche Bedarf häufig geringer ist, beispielsweise dadurch bedingt, dass Eltern lieber noch ein Jahr warten, wenn sie keinen Platz in ihrer ,Wunschkita’ bekommen haben“, heißt es im Bedarfsplan. Im Planungsgespräch haben sich die Kreisverwaltung und die Stadt Bad Berleburg demnach darauf verständigt, „dass vorsorglich durch Unterstützung durch die Stadt Bad Berleburg nach geeigneten Räumlichkeiten für eine Großtagespflegestelle gesucht wird“.

Spätestens Ende April soll Klarheit darüber herrschen, wie viele Plätze in der Großtagespflege tatsächlich notwendig sind. Das Jugendamt will dazu Kontakt zu den Eltern von „unterversorgten“ U-3-Kindern aufnehmen. Klar ist, dass ob der vorliegenden Zahlen eine zusätzliche Ü-3-Gruppe in der Elterninitiative „Blauland“ in Raumland entstehen soll, die Gruppe soll ab August zur Verfügung stehen. Eigentlich war dies bereits für das laufende Kita-Jahr vorgesehen, die Bauarbeiten haben sich aber verzögert. Perspektivisch – also in den nächsten zwei bis drei Jahren – ist die Schaffung von zusätzlichen U-3-Angeboten in Kitas durch Erweiterung oder Neubau erforderlich. Derzeit prüfen die Verantwortlichen eine mögliche Gruppenerweiterung in der Evangelischen Kita „Senfkorn“ in Bad Berleburg.

Bad Laasphe: Keine frappierenden Unterschiede in der Entwicklung der Ü-3-Kinderzahlen sind im Vergleichszeitraum 2013/2014 (349) und 2019/2020 (342) in Bad Laasphe auszumachen. Hinsichtlich der U-3-Zahlen ist im Jahr 2019/2020 allerdings ein entsprechender Zuwachs um 15 auf insgesamt 187 Kinder vermerkt. Anders als im Gros der weiteren Kommunen unterschreitet die Nachfragequote nach U-3-Angeboten mit 59,4 Prozent allerdings die planerische Quote um fast sechs Prozent. Dies bedeutet allerdings nicht, dass der Bedarf gering wäre.

Im Gegenteil: Die AWo-Großtagespflege in Bad Laasphe bedient als eine von insgesamt acht entsprechenden Stellen im Kreisgebiet den gestiegenen Bedarf. Insgesamt stehen in der Lahnstadt im neuen Kita-Jahr 102 Plätze im U-3-Bereich und 342 Plätze im Ü-3-Bereich zur Verfügung. In letzterem Bereich liegt die Versorgungsquote damit bei exakt 100 Prozent.

Die im U-3-Bereich entspricht allerdings nur einer Versorgung von 43,1 Prozent für die Null- bis Dreijährigen (295 Kinder) und 67,9 Prozent für die Ein- bis Dreijährigen (187) – darin eingeschlossen sind zusätzliche 25 Plätze in der Kindertagespflege. Zu beachten ist bei der Versorgungsquote, dass diese keine Auskunft über die tatsächliche Nachfrage gibt. „Für das Kita-Jahr 2019/2020 sind keine zusätzlichen Angebote erforderlich“, heißt es im Bedarfsplan. Dennoch heißt es auch: „Wie im Kita-Jahr 2018/2019 werden die Kitas aus dem Zentrum auch im nächsten Kita-Jahr überbelegt sein. Die Vorüberlegungen aus dem vergangenen Jahr, die Evangelische Kita Bäderborn um eine Gruppe zu erweitern, sollte zeitnah auf die Umsetzung hin geprüft werden, da im Kita-Jahr 2020/21 vorübergehend steigende Ü-3-Kinderzahlen zu verzeichnen sind.“

Sollte die Nachfragequote nach U-3-Plätzen für das neue Kita-Jahr – und damit anders als in den beiden Vorjahren – über der Planungsquote liegen, würde mit den Räumlichkeiten der im vergangenen August geschlossenen Kita in Hesselbach zumindest eine Fläche für die Betreuung zur Verfügung stehen.

Erndtebrück: Während die Entwicklung der Ü-3-Kinderzahlen in den beiden anderen Wittgensteiner Kommunen im Vergleichszeitraum 2013/2014 und 2019/2020 vergleichsweise stabil geblieben ist, ist in der Gemeinde Erndtebrück zumindest im direkten Vergleich der beiden Jahrgänge ein Zuwachs um zwölf auf 190 Kinder zu verzeichnen.

Ebenfalls wider den Trend ist wiederum die Zahl im U-3-Bereich weitgehend stabil geblieben – 2013/2014 waren es 102, im neuen Kita-Jahr sind es 106. Dennoch überstieg die Nachfragequote nach U-3-Angeboten im Gemeindegebiet die planerische Quote (55 Prozent) im laufenden und auch im neuen Kita-Jahr: mit 67 Prozent liegt sie derzeit exakt zwölf Prozent darüber. Entsprechend steht auch in Erndtebrück längst eine AWo-Großtagespflege zur Verfügung.

„Aufgrund einer deutlich gestiegenen Nachfragequote für U-3-Betreuung wird davon ausgegangen, dass eine weitere Großtagespflegestelle in Erndtebrück eingerichtet werden muss“, heißt es dazu im Bedarfsplan. Insgesamt 46 U-3- und 191 Ü-3-Plätze sind im Gemeindegebiet im neuen Kita-Jahr vorhanden. Damit liegt die Versorgungsquote im älteren Bereich bei 100,5 Prozent. Allerdings lagen zum Stand der Bedarfsplanungsgespräche in Erndtebrück 201 Ü-3-Anmeldungen vor, darunter laut Bedarfsplan sehr viele gemeindefremde Anmeldungen. Im U-3-Bereich waren Bedarfe für 71 Plätze angemeldet. In diesem Bereich liegt die Versorgungsquote bei 42,1 Prozent für die Null- bis Dreijährigen und bei 65,1 Prozent für die Ein- bis Dreijährigen – diese Werte schließen 23 zusätzliche Plätze in der Kindertagespflege ein.

Wie erwähnt, will der Kreis Siegen-Wittgenstein im neuen Kita-Jahr eine zusätzliche Großtagespflege für Erndtebrück berücksichtigen, rechnerisch notwendig wären sogar derer zwei. Weitere Planungen sehen die Erweiterung bestehender Kitas vor, möglicherweise auch den Neubau einer mindestens zwei- bis dreigruppigen Kita, um U-3-Angebote wegen der besseren Planbarkeit in den Kitas anzubieten und zugleich den analog steigenden Ü-3-Kinderzahlen Rechnung zu tragen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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