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Mountain-Biker und Jäger im Dialog
Nachtfahrten im Wald sorgen für Zündstoff

Die beiden Vereinsvorsitzenden Lukas Zöller (l.) und Sven Achenbach befestigten im Beisein von Mitgliedern und den Jägern ein erstes Hinweisschild am Anfang des Giebelwalds. Nachfahrten sind ein großes Ärgernis und werden auch von organisierten Bikern abgelehnt.
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  • Die beiden Vereinsvorsitzenden Lukas Zöller (l.) und Sven Achenbach befestigten im Beisein von Mitgliedern und den Jägern ein erstes Hinweisschild am Anfang des Giebelwalds. Nachfahrten sind ein großes Ärgernis und werden auch von organisierten Bikern abgelehnt.
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thor Oberschelden/Mudersbach. Es ist eine durchaus ungewöhnliche Koalition, die da demnächst im Giebelwald anzutreffen sein wird: Organisierte Mountain-Biker und Jäger wollen gemeinsam dafür werben, dass im Wald gewisse Regeln eingehalten werden, um ein halbwegs entspanntes Miteinander zu erreichen. Es ist dies eine Initiative, die noch vor wenigen Jahren einer gemeinsamen Weihnachtsfeier von Schalke- und BVB-Fanclubs gleichgekommen wäre – also undenkbar. Denn seit das erste Enduro-Bike durch einen Siegerländer, Wittgensteiner oder Sauerländer Wald gerollt ist, liefern sich beide „Lager“ traditionell eher ein Katz-und-Maus-Spiel.
Mountain-Biker und Jagdpächter auf der Lurzenbach im Dialog
Doch ein (neuer) Anfang ist gemacht.

thor Oberschelden/Mudersbach. Es ist eine durchaus ungewöhnliche Koalition, die da demnächst im Giebelwald anzutreffen sein wird: Organisierte Mountain-Biker und Jäger wollen gemeinsam dafür werben, dass im Wald gewisse Regeln eingehalten werden, um ein halbwegs entspanntes Miteinander zu erreichen. Es ist dies eine Initiative, die noch vor wenigen Jahren einer gemeinsamen Weihnachtsfeier von Schalke- und BVB-Fanclubs gleichgekommen wäre – also undenkbar. Denn seit das erste Enduro-Bike durch einen Siegerländer, Wittgensteiner oder Sauerländer Wald gerollt ist, liefern sich beide „Lager“ traditionell eher ein Katz-und-Maus-Spiel.

Mountain-Biker und Jagdpächter auf der Lurzenbach im Dialog

Doch ein (neuer) Anfang ist gemacht. Dieser Tage trafen sich die Vorsitzenden der Vereine „MTB Siegerland“ und „Schachtspäddchen“, Sven Achenbach und Lukas Zöller, mit Jagdpächtern auf der Lurzenbach am Eingang zum Giebelwald, ohne Zweifel eines der beliebtesten „Reviere“ der heimischen Mountain-Bike-Szene. Auf NRW-Seite sind 200 Mitglieder organisiert, der junge Brachbacher Verein zählt auch schon 120. Allein dieses Gespräch darf man schon als kleinen Meilenstein werten. Wobei es angesichts der Problematik auch an vielen anderen Orten der Region hätte stattfinden können.

Konkreter Anlass für das Treffen waren die zunehmenden Nachtfahrten von Mountain-Bikern im Giebelwald. Darauf hatte Jagdpächter Maik Wäschenbach ein befreundetes Mitglied von „Schachts–päddchen“ aufmerksam gemacht. Zusammen mit seinem Kollegen Patrick Beci und der angehenden Jägerin Lakya McQueen sprach er aber nicht nur dieses Thema an. Kurzum: Es wurde nicht gekuschelt, sondern Klartext geredet. Aber nicht mit der Schrotflinte im Anschlag, sondern mit Respekt.

Jägerschaft nimmt Mountain-Biker in die Pflicht

„Ich wünsche mit ein aktiveres Verhalten eurerseits.“ Es war vor allem Beci, der deutliche Worte an die Adresse der Biker richtete. Der Jäger aus Siegen vermisst eine gewisse Eigenkontrolle in der Szene. Geht es nach ihm, müssten die MTB-Vereine an markanten Stellen regelrecht Patrouille fahren. Gleichwohl stellte er klar: „Es gibt viele Jäger, die durchaus kompromissbereit sind.“ Es gehe hier auch nicht darum, ein Hobby kaputt zu machen.
Dass Wald und Wild gerade in Corona-Zeiten verstärkt unter Druck geraten, hatte die SZ bereits vor einigen Tagen dargestellt.

BUND fordert Wegegebot im Wald

Vor allem die Nachtfahrten sind für die Waidmänner ein absolutes No-Go. Regelmäßig sieht Wäschenbach beim Ansitzen die Lichter von Stirnlampen im Wald. Dabei benötige das Wild schon vorher Ruhe, zur Äsungszeit in der Dämmerung. „Spaziergänger sind langsam und oft laut, darauf kann sich das Wild einstellen“, sagte Beci. Aber ein Mountain-Biker habe eine ganz andere Geschwindigkeit.
Lukas Zöller hatte nach einem Telefonat mit Wäschenbach sofort reagiert und Schilder drucken lassen. Die Botschaft: „No Nightrides – keine Fahrten bei Dunkelheit! Gönn’ den Tieren ihre Ruhe.“ Ein erster gemeinsamer Appell.

Klare Botschaft: "No Nightrides – keine Fahrten bei Dunkelheit! Gönn’ den Tieren ihre Ruhe.“
  • Klare Botschaft: "No Nightrides – keine Fahrten bei Dunkelheit! Gönn’ den Tieren ihre Ruhe.“
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Mountain-Bike-Vereine sind nicht das Ordnungsamt

Die beiden Vorsitzenden machten aber auch deutlich, dass die Vereine im Wald nicht die Funktion eines Ordnungsamts übernehmen könnten. Dafür fehle allein die Manpower. Man könne nur immer und immer wieder gegenseitige Rücksichtnahme einfordern. Langenbach berichtete, dass es selbst auf dem offiziellen Flow-Trail Probleme gebe. Manche Biker hielten sich weder an die offiziellen Öffnungszeiten noch an die „Ruhephase“ im Winter. Bei Kontrollen oder Reparaturen würden auch schon mal „unsere eigenen Leute über den Haufen gefahren“.

Keine Frage: Der Flow-Trail ist längst überregional bekannt – genauso wie der Giebelwald. Wäschenbach sieht demnach regelmäßig Camping-Mobile mit Kennzeichen aus dem Rheinland auf dem Platz am Ende der Lurzenbach: „Kürzlich standen über das Wochenende Bonner hier, die Fahrräder alle schön an den Bäumen aufgestellt.“ Ein Anruf bei der Polizei habe lediglich Schulterzucken ausgelöst. Und auch der Einfluss von „MTB Siegerland“ und „Schachtspäddchen“ stößt in solchen Fällen an natürliche Grenzen. „Für unsere Mitglieder würde ich die Hand ins Feuer legen“, sagt Zöller, wobei man nicht verschweigen sollte, dass in beiden Vereinen das sportliche Fahren im Vordergrund steht.

Für Beci bleibt die zentrale Frage: „Was können wir machen, um die Leute zu erreichen?“ Ziel müsse es sein, auf beiden Seiten eine Zufriedenheit zu erzeugen. So reifte schließlich die Idee zu einer gemeinsamen Informationskampagne. Demnächst sollte man sich also nicht wundern, wenn plötzlich mitten im Giebelwald die ungewöhnliche Koalition aus Jägern und Bikern auftaucht. Da dürften sogar die Rehe große Augen machen.

Die beiden Vereinsvorsitzenden Lukas Zöller (l.) und Sven Achenbach befestigten im Beisein von Mitgliedern und den Jägern ein erstes Hinweisschild am Anfang des Giebelwalds. Nachfahrten sind ein großes Ärgernis und werden auch von organisierten Bikern abgelehnt.
Klare Botschaft: "No Nightrides – keine Fahrten bei Dunkelheit! Gönn’ den Tieren ihre Ruhe.“
Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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