SZ

,,Wie kommt der Teller auf den Tisch?''
Nachwuchssorgen in Hotellerie und Gastronomie

Die gastgewerblichen Betriebe tun sich mit ihren oftmals als wenig attraktiv empfundenen Arbeitszeiten und den im Vergleich zur Industrie niedrigeren Gehältern schwer, neue Auszubildende zu finden.
  • Die gastgewerblichen Betriebe tun sich mit ihren oftmals als wenig attraktiv empfundenen Arbeitszeiten und den im Vergleich zur Industrie niedrigeren Gehältern schwer, neue Auszubildende zu finden.
  • Foto: freepik
  • hochgeladen von Dominik Jung

gro Siegen. In der Küche, an der Rezeption oder im Service –  überall im Gastgewerbe sucht man händeringend nach Azubis. Doch von ihnen sind weit und breit keine in Sicht. Rosinen picken bei der Auswahl der Azubis ist also spätestens seit Beginn der Corona-Krise für viele Betriebe vorbei. Hinzu kommt, dass viele Unternehmen aufgrund von Personalmangel gar nicht mehr ausbilden.
Seit langer Zeit keine Bewerbungen
So geht es auch dem ein oder anderen heimischen Hotelier: "Wir haben derzeit 30 Mitarbeiter, aber nur einen Auszubildenden im Betrieb", verrät beispielsweise Jannik Rosenkranz, Betreiber der Pfeffermühle. Denn es sei derzeit schwierig, einen angemessenen Azubi zu finden. "Wir sind in der Vergangenheit auch hin und wieder auf die Nase gefallen.

gro Siegen. In der Küche, an der Rezeption oder im Service –  überall im Gastgewerbe sucht man händeringend nach Azubis. Doch von ihnen sind weit und breit keine in Sicht. Rosinen picken bei der Auswahl der Azubis ist also spätestens seit Beginn der Corona-Krise für viele Betriebe vorbei. Hinzu kommt, dass viele Unternehmen aufgrund von Personalmangel gar nicht mehr ausbilden.

Seit langer Zeit keine Bewerbungen

So geht es auch dem ein oder anderen heimischen Hotelier: "Wir haben derzeit 30 Mitarbeiter, aber nur einen Auszubildenden im Betrieb", verrät beispielsweise Jannik Rosenkranz, Betreiber der Pfeffermühle. Denn es sei derzeit schwierig, einen angemessenen Azubi zu finden. "Wir sind in der Vergangenheit auch hin und wieder auf die Nase gefallen. Vielen ist vorher nicht bewusst, was der Beruf und vor allem die speziellen Arbeitszeiten zu bedeuten haben." 

Ein wenig anders sieht es im Berghotel Johanneshöhe aus. Hier wird bewusst nicht mehr ausgebildet: "Wir finden derzeit nicht mal mehr Fachpersonal", gesteht Rezeptionist Steven Benjamin Franz. Es sei demnach gar nicht möglich, neue Fachkräfte anzulernen. Denn eine Ausbildung benötige Zeit und Geduld. So sieht das auch Anna Nockemann vom Hotel Römer in Geisweid. "Wir bekommen schon seit langer Zeit gar keine Bewerbungen mehr für die Hotellerie, sodass wir auch nicht mehr ausbilden. Das ist schon schade." 

Bestehende Azubis kommen gut durch die Krise

Auch die Dehoga Westfalen sieht die Lage als prekär an: "Fakt ist, dass wir derzeit den demografischen Wandel mit aller Macht zu spüren bekommen und auch der Fachkräftemangel schwebt wie ein Damoklesschwert über der Branche", betont Lars Martin. Die Zahl der Bewerbungen sinke zwar schon länger, durch die Corona-Pandemie habe sich der Rückgang aber nochmals verstärkt. 

Doch es gibt trotzdem gute Neuigkeiten. "Positiv zu vermelden ist, dass es der Branche trotz der extremen Erschwernisse für die Durchführung der betrieblichen Ausbildung bisher gut gelingt, ihre bestehenden Auszubildenden durch die Krise zu begleiten."

Zahl der Azubis quasi halbiert

Laut der Industrie- und Handelskammer Arnsberg, Hagen und Siegen gibt es aber für die Personalnot im Gastgewerbe durchaus Lösungsansätze. In der Online-Veranstaltung "Wie kommt der Teller auf den Tisch?" konnten sich Interessierte aus dem Gastgewerbe am Dienstag informieren und Ideen sammeln. Der erste Vortrag der drei Kammern bildete den Startschuss für die „IHK-Woche des Tourismus NRW“, eine digitale Roadshow, die an vier Tagen und vier Standorten zu den unterschiedlichen Zukunftsfragen im Tourismus unterwegs ist.

"Im Vergleich zum Jahr 2007 ist die Zahl der Auszubildenden heute quasi halbiert", betont Ralf Stoffels, Präsident der IHK in Nordrhein-Westfalen zu Beginn der Veranstaltung.  Insgesamt gebe es drei Lösungsvorschläge, wie in Zukunft wieder mehr Azubis den Weg in die Hotellerie und Gastronomie finden könnten. "Zum einen müssen die Unternehmen versuchen, den Suchradius zu vergrößern. Eine Möglichkeit ist hier die Rekrutierung von Personal aus dem Ausland", so Stoffels. Ihm sei jedoch auch bewusst, dass das ein Schritt sei, bei dem man weit über den Tellerrand hinaus schauen müsse. 

Kreativität sei das A und O

Eine weitere Lösung sei die Verbesserung des Arbeitgeberimages, denn derzeit habe sich der Markt von einem Arbeitgeber hin zu einem Arbeitnehmermarkt entwickelt. Man benötige unter anderem neue Arbeitszeitmodelle im Gastgewerbe. "Kürzere Arbeitszeiten sind hier sicherlich ein Weg, den Job wieder attraktiv erscheinen  zu lassen", erklärt Christian Dübner von der IHK-Koblenz.  Auch die Qualität der Ausbildung müsse sich verbessern, damit in Zukunft wieder mehr junge Leute Interesse zeigen. "Allein mit der Stellenausschreibung kann man den Beruf gleich attraktiver erscheinen lassen." Das A und O sei Kreativität – anstatt langweilige Stellenanzeigen zu veröffentlichen, könne man beispielsweise einen Wettbewerb ankündigen, bei dem der Preis die Arbeitsstelle ist.  "Bestimmte Benefits, wie die betriebliche Kinderbetreuung, Firmenwagen, Weiterbildungsmöglichkeiten, Essenszuschüsse oder kostenfreie Getränke sind für Arbeitnehmer auch immer attraktiv", weiß Dübner. 

Extremer Aufschwung der Digitalisierung

Letztendlich könne das Gastgewerbe im Zweifelsfall mit neuen Betriebskonzepten auch mit weniger Personal auskommen. Ein Beispiel sei hier der Einsatz von Servicerobotern. "In der Gastronomie gab es in den vergangenen eineinhalb Jahren einen extremen Aufschwung bei der Digitalisierung. Gastronomen müssen lernen, diese Möglichkeiten einzusetzen, um sich zu präsentieren und Reichweite zu generieren", finden der Olper und Gründer von Humanizing Technologies, Tim Schuster. 

Das Land Baden-Württemberg hat ebenfalls eine besondere Idee, um den Fachkräftemangel einzudämmen: Dies soll mithilfe von Ausbildungsscouts funktionieren. Sie sollen Unternehmen kostenlos beraten und dafür werben, wieder mehr Ausbildungsplätze zu schaffen. Rund 262.000 Euro lässt sich das Ministerium das kosten und fördert fünf Vollzeit- und zwei Teilzeitstellen bei verschiedenen Trägern. Denn Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) rechnet damit, dass ab dem Ausbildungsjahr 2022 mehr Schulabgänger einen Platz suchen, weil sich 2020 und 2021 viele zurückgehalten hätten.

Autor:

Sarah Groos

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

5 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
2 Bilder

Neues Angebot auf 57immo.de
Jetzt Immobilie von Experten bewerten lassen

Gründe für eine Immobilienbewertung gibt es viele: Sie kann erforderlich sein für den Kauf oder Verkauf eines Hauses, beim Schließen eines Ehevertrages oder auch beim Verschenken des Eigentums an die Kinder. Allgemein gilt: Wer den Wert seiner Immobilie kennt, hat in vielen Situationen einen Vorteil. Mit der Immobilienbewertung der Vorländer Mediengruppe bekommen Haus- und Wohnungsbesitzer nun ein passendes Werkzeug zur schnellen und zuverlässigen Einschätzung des Wertniveaus an die Hand – und...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.