SZ

"Oben ohne" im Schwimmbad
Nackte Brüste werden salonfähig

Das Bikinioberteil darf jetzt ausgezogen werden in Siegener Bädern. Ab sofort gilt: "Gleiche Brust für alle".
  • Das Bikinioberteil darf jetzt ausgezogen werden in Siegener Bädern. Ab sofort gilt: "Gleiche Brust für alle".
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js Siegen. Die Erlaubnis, "oben ohne" ins Schwimmbad zu gehen, ist in Siegen künftig keine Frage des Geschlechts − Frauen, Männer und Diverse haben fortan das gleiche Recht. Wenn sie in einer der Badestätten der Krönchenstadt ihre Bahnen ziehen möchten, müssen sie nur ihre primären Geschlechtsmerkmale vollständig bedeckt halten und zumindest eine Badehose tragen. Das hat der Rat in der vergangenen Woche mehrheitlich beschlossen.
Göttingen als VorreiterKonkret ging es in dem von Volt beantragten Ratsbeschluss darum, die städtische Badeordnung anzupassen. Die Partei hat das Thema nach Siegen geholt, das zuvor bereits in der  niedersächsischem Uni-Stadt Göttingen für Schlagzeilen gesorgt hatte.

js Siegen. Die Erlaubnis, "oben ohne" ins Schwimmbad zu gehen, ist in Siegen künftig keine Frage des Geschlechts − Frauen, Männer und Diverse haben fortan das gleiche Recht. Wenn sie in einer der Badestätten der Krönchenstadt ihre Bahnen ziehen möchten, müssen sie nur ihre primären Geschlechtsmerkmale vollständig bedeckt halten und zumindest eine Badehose tragen. Das hat der Rat in der vergangenen Woche mehrheitlich beschlossen.

Göttingen als Vorreiter

Konkret ging es in dem von Volt beantragten Ratsbeschluss darum, die städtische Badeordnung anzupassen. Die Partei hat das Thema nach Siegen geholt, das zuvor bereits in der  niedersächsischem Uni-Stadt Göttingen für Schlagzeilen gesorgt hatte. Dort hatte es bereits einige öffentliche Debatten rund um nackte Brüste im Schwimmbad gegeben, nachdem eine non-binäre Person auf ihr Recht auf Schwimmen ohne Bikinioberteil oder Badeanzug pochte. Die Sport- und Freizeitgesellschaft, eine städtische GmbH, hatte daraufhin einen Vorschlag unterbreitet, wie sie testweise ihre Badeordnung ergänzen könnte. Die Politik ging mit, seit dem 1. Mai und zunächst einmal bis zum 31. August, können Besucher der Freibäder und im "Badeparadies Eiswiese" samstags und sonntags mit unbedecktem Oberkörper schwimmen − unabhängig vom Geschlecht. 

Siegen wird das nun auch ermöglichen, zwar zeitlich unbefristet und an jedem Öffnungstag. Denn: Die Badeordnung wird nach dem Passus "Der Aufenthalt im Nassbereich der Bäder ist grundsätzlich nur in üblicher Badekleidung aus geeignetem Material und mit Badeschuhen oder barfuß gestattet" folgendermaßen ergänzt: "Dabei muss die Badekleidung lediglich die primären Geschlechtsmerkmale vollständig bedecken." Noch wurde dieser Zusatz nicht eingearbeitet, ein Termin dafür steht noch aus. Aber schon jetzt darf er praktisch als geschrieben angesehen werden: Für die Übergangszeit hat der zuständige Beigeordnete Arne Fries der SZ mitgeteilt, "dass ein Oben-ohne-Baden bereits geduldet oder vielmehr ignoriert wird". Denn: "Bei genauerer Betrachtung ist eine Änderung der Badeordnung nicht nötig, denn die Verordnung enthält bereits den Passus, dass ,übliche Badekleidung' zu tragen sei. Was "übliche Badeordnung" sei, habe der Rat nun festgelegt: Abgedeckt werden müssen nunmehr die primären Geschlechtsteile.

 Jeder sollte über den eigenen Körper entscheiden

"Der einzige Unterschied ist doch, dass die männliche Brust nicht vollständig entwickelt ist", erklärte Chiara Ludewig für die Fraktion der Antragsteller. Männer dürften "stolz ihren Wabbel- oder Bierbauch" vor sich hertragen.  "Wir sollten endlich aufhören, uns rückwärts zu bewegen." Jeder sollte über den eigenen Körper entscheiden, stimmte Julia Shirley (Grüne) zu.  Muslimische Männer und Kinder könnten dann womöglich nicht mehr ins Freibad gehen, wandte Wolfgang Könen (FDP) ein. Angela Jung (Grüne) winkte ab: Am Seelbacher Weiher in privater Trägerschaft sei schon jetzt Baden "oben ohne" möglich. "Da gibt es sogar muslimische Bademeister." Klaus Volker Walter (FDP) wunderte sich darüber, "wie sich die Zeiten doch wandeln". Er sehe Konfliktpotenzial. Hans-Günter Bertelmann (UWG) warb dafür, die Badeordnung grundsätzlich noch einmal auf den Prüfstand zu stellen. Sie sei in vielen Punkten überarbeitungsbedürftig. Die von ihm vorgeschlagene Überweisung der Diskussion in den Sport- und Bäderausschuss kam nicht zustande − da es hier nicht um eine Frage für das Fachgremium gehe, wie Michael Groß von den Grünen sagte, "sondern um eine Frage der Selbstbestimmung."

In Göttingen ist derweil die erste Welle der Entrüstung abgeebbt und hat "normalen Wasserstand" erreicht. Das sagt Andreas Gruber, Geschäftsführer der Sport- und Freizeitgesellschaft, im SZ-Gespräch. Er geht davon aus, dass der Zusatz in der seit 1. Mai gültigen Badeordnung auch nach dem 31. August Bestand haben wird. An den Wochenendtagen, an denen "oben ohne" möglich sei, würden mal vier, mal fünf, auch schon mal acht Personen von dieser neuen Möglichkeit Gebrauch machen. Ob nun mehr zusätzliche Schwimmer angelockt würden oder mehr vom Besuch abgehalten würden, sei nicht messbar. Sein Eindruck: "99 Prozent unserer Besucher stört es nicht."

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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