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Corona oder Grippe?
Nächster Kraftakt für Kita und Schule

Schulfähig oder nicht – Kitabesuch oder Quarantäne? Trifft die heranrollende Grippewelle auf Corona, wird die Unterscheidung der Symptomatik für Eltern, Kinder und Betreuer noch prekärer.
  • Schulfähig oder nicht – Kitabesuch oder Quarantäne? Trifft die heranrollende Grippewelle auf Corona, wird die Unterscheidung der Symptomatik für Eltern, Kinder und Betreuer noch prekärer.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

sabe Siegen/Bad Berleburg. Was tun, wenn die Nase läuft oder der Hals ein wenig kratzt? Wenn früher der Mehrmalgriff zum Taschentuch höchstens ein sorgenloses Abwinken zur Folge hatte, ist die Sorglosigkeit schon beim kleinsten Schnupfen jetzt dahin. Die heranrollende Grippe-Welle, die die Menschen nur zu gerne beim Übertritt in die kälteren Jahreszeiten peinigt, verschärft diese Unsicherheit beim Umgang mit Symptomen immens. Gerade für Schulen, Kitas und Eltern – die vorübergehenden Schließungen mehrerer Einrichtungen im Kreis aufgrund von Verdachtsfällen haben es bereits kürzlich gezeigt – bedeutet das den nächsten Kraftakt.
Grippe und Corona unterscheiden„Wer schätzt ein, was ein leichter Schnupfen und was vielleicht doch der Corona-Husten ist, wo ist die Grenze?

sabe Siegen/Bad Berleburg. Was tun, wenn die Nase läuft oder der Hals ein wenig kratzt? Wenn früher der Mehrmalgriff zum Taschentuch höchstens ein sorgenloses Abwinken zur Folge hatte, ist die Sorglosigkeit schon beim kleinsten Schnupfen jetzt dahin. Die heranrollende Grippe-Welle, die die Menschen nur zu gerne beim Übertritt in die kälteren Jahreszeiten peinigt, verschärft diese Unsicherheit beim Umgang mit Symptomen immens. Gerade für Schulen, Kitas und Eltern – die vorübergehenden Schließungen mehrerer Einrichtungen im Kreis aufgrund von Verdachtsfällen haben es bereits kürzlich gezeigt – bedeutet das den nächsten Kraftakt.

Grippe und Corona unterscheiden

„Wer schätzt ein, was ein leichter Schnupfen und was vielleicht doch der Corona-Husten ist, wo ist die Grenze?“, bringt Nina Stahl die Frage auf den Punkt. Die Geschäftsbereichsleiterin „Kindertageseinrichtungen“ des Trägers ev. Kirchenkreis Siegen spürt die Unsicherheit im Umgang mit den Krankheitssymptomen bei Mitarbeitern und Eltern gleichermaßen. „Wir müssen uns da um klare Regelungen bemühen. Das ist ein Thema, mit dem wir uns täglich und stündlich beschäftigen.“ Ein „schwieriges und undurchsichtiges Feld“, wie es die Geschäftsführerin formuliert, welches man hofft, durch engste Zusammenarbeit mit dem örtlichen Gesundheitsamt zu durchdringen. Momentan handele es sich immer um „Einzelfallentscheidungen“, die man „im besten Fall“ im Einverständnis mit Eltern und Erziehern treffe.

Grippeimpfung jetzt noch wichtiger / Engpässe möglich Obwohl Deutschland eine Rekordmenge an Impfstoff bereithält, könnte es zu Engpässen kommen (die SZ berichtete). Dr. Ann-Kathrin Gräfe-Bub, Inhaberin der Siegener Schloss-Apotheken, erklärt die Zusammenhänge. Zum einen erfolge die Impfstoff-Bestellung immer bereits im Herbst des Vorjahres und zwar auf dessen Basis – „da war von Corona noch keine Rede“. Zusätzliche Schwierigkeit im Produktionsprozess: Der Grippeimpfstoff muss jedes Jahr an die sich verändernden Virusstämme angepasst werden. Aber: Aufgrund des Pandemieaufkommens habe die Bundesregierung zusätzlich eine Reserve eingekauft – etwa 4 Millionen mehr als im Vorjahr. Deutlich mehr Anfragen nach Grippeimstoff stellt die Apothekerin fest: „Täglich erreichen uns Anrufe, ob die Impfstoffe schon ausgeliefert sind.“ Generell für Gräfe-Bub eine positive Entwicklung – „normalerweise sind die Deutschen in puncto Grippeimpfung eher lasch“. Und das, obwohl sich mit keiner anderen Impfung so viele Menschenleben retten ließen. Aber: „Bei der jetzigen erhöhten Nachfrage sprechen wir von rund 40 Millionen Menschen. Es würden also rechnerisch 15 Millionen Dosen fehlen.“ Die Empfehlungen der „Ständigen Impfkommission“ beliefen sich bereits jetzt auf eine hohe Durchimpfungsrate der Risikogruppe.

Berufstätige Eltern unter Druck

Ein schweißtreibender Abwägungsprozess, prallten doch immer wieder auch unterschiedliche Interessen aufeinander. Auf den Eltern laste ein extremer Druck, man denke nur an die Berufstätigkeit vieler. Und: „Alle Kinder immer und ständig zu testen, dafür gibt es ja gar nicht die Testkapazitäten.“ In manchen Fällen dauere die Auswertung schon jetzt bis zu acht Tage – „das ist ein Zeitraum, den Eltern nicht gestreckt bekommen“.

Vorsichtshalber 24 Stunden zu Hause bleiben

Gilda Hey, Pressesprecherin des AWo-Kreisverbandes Siegen-Wittgenstein und Olpe (Träger der kreisweiten AWo-Kindergärten und zweier Förderschulen), schreibt hierzu auf Anfrage: „Bei Erkältungssymptomen sind Eltern angehalten, ihre Kinder 24 Stunden lang zu Hause zu behalten. Sollte ein Kind danach keine weiteren Symptome wie Fieber oder ähnliches zeigen, kann es die Kita wieder besuchen.“ Grundsätzlich habe die Einrichtungsleitung das Recht, ein Kind bei Symptomen nach Hause zu schicken. Alle zwei Wochen habe das Personal die Möglichkeit, sich freiwillig testen zu lassen.
Ähnliches Vorgehen in der Grundschule Erndtebrück. Auch hier gilt die 24-Stunden-Quarantäneverordnung, um danach in Sachen Virus- oder Erkältungsfrage schlauer zu sein. „Das wird erst mal unsere grundlegende Vorgehensweise bleiben“, sagt Schulleiter Thorsten Denker. Trotzdem, die Herausforderung bleibt: „Natürlich gibt es auch Kinde mit einem chronischen Schnupfen oder Allergien.“ Und: So mehrten sich naturgemäß nun auch die Fehltage von Kindern, die sonst vielleicht den Schulweg trotz minimaler Verkühlung angetreten hätten.

Kleiner Schnupfen, große Vorsicht

Auch am Siegener Peter-Paul-Rubens-Gymnasium zwingt schon der kleinste Schnupfen zur nötigen (Über-)Vorsicht. In Pandemiezeiten sei das allerdings nur nachvollziehbar, sagt Schulleiter Dieter Fischbach. Erst mal müsse als Sicherheitsmaßnahme seitens der Schüler und Eltern „die Situation gesichtet werden“. Unterstützen will das Gymnasium „seine Eltern“ dabei mit einer Handreichung des Ministeriums.
Trotzdem: Es bleibt, so weiß Dieter Fischbach, eine wackelige Angelegenheit. „Schulen und Lehrer sind keine medizinischen Experten.“

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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