Namenszüge mit »Pferdefuß«

Vertreter soll unrechtmäßig Verträge unterschrieben haben

pebe Siegen. Wenn irgendwo »Müller« drunter steht, muss Müller noch lange nicht unterschrieben haben. Diese simple, aber folgenschwere Erkenntnis sickerte gestern längs durch den Prozess vor dem erweiterten Siegener Schöffengericht. Verantworten musste sich dort ein früherer Vertreter eines großen Versicherungskonzerns. Staatsanwalt Peter Buschbaum zufolge soll er Verträge von Kunden ohne deren Unterschrift bzw. mit deren Namenszügen, aber ohne ihre Einwilligung an seinen Konzern weitergegeben haben, um so die für die Verträge vorgesehene Provision zu bekommen. Außerdem soll er Gelder eines Kunden, die für die Versicherung gedacht gewesen seien, nicht weitergeleitet haben.

Dem 47-Jährigen fehlten im Verfahren zwar nicht die Worte, aber er zog es vor, zu den angeklagten Fällen nichts zu sagen. Dies überließ er seinem Verteidiger Dieter Tenter. Und der teilte mit, sein Mandant habe die Unterschriften zwar gesetzt, dabei aber im Auftrag der Kunden gehandelt. Dies ist an und für sich keine strafbare Handlung, denn wer seine Brille vergessen hat oder des Lesens nicht mächtig ist, kann jemanden beauftragen, in seinem Namen – und dies wörtlich – zu unterschreiben.

Nun sollen die Unterschriften, das wurde im Verfahren deutlich, mit einer gewissen »individuellen Note« versehen worden sein. Und da wird es schon kritischer. Deshalb überlegte die Vorsitzende des Schöffengerichts, Amtsgerichtsdirektorin Rosmarie Klier, inwieweit es Täuschung sei, wenn ein Vertrag im Auftrag mit »Müller« unterschrieben werde, aber so »kryptisch«, dass die Versicherung habe glauben können, der Versicherungsnehmer selbst habe unterschrieben.

Am kommenden Freitag sollen die betroffenen Zeugen vor Gericht darüber Auskunft geben, ob sie den Versicherungsvertreter mit »Müller« unterschreiben ließen oder nicht. Gestern hörte das Gericht zwei Zeugen: Zum einen jenen Kunden, der dem Vertreter 10000 DM zur sinnvollen Geldanlage übergeben hatte. Unstreitig dabei ist, dass der Kunde das Geld übergeben hat. Problematisch ist die Frage, ob es auch Absprachen gab, wie es anzulegen sei. Außerdem hörte das Gericht den früheren Leiter der Bezirksrevisionsabteilung. Und der berichtete zunächst sehr viel Positives über seinen ehemaligen Kollegen, der »ein bekannter, angesehener und renommierter Vertreter« gewesen sei.

Der »Verdacht unregelmäßigen Verhaltens«, so der Zeuge auf Nachfrage der Richterin, habe sich bei der normalen Revision ergeben. Da habe man festgestellt, dass »zunehmend Versicherungsverträge mit hohen Summen, die er abschloss, in Storno gingen«. Mit den Stornierungen hätten sich auch die vom Versicherer zurückgeforderten Provisionssummen massiv erhöht.

Im Fall des Kunden, der 10000 DM anlegen wollte, kamen die Beteiligten zu einer vorläufigen Einigung. Der Angeklagte soll das Geld zunächst auf ein Anderkonto einzahlen. Dann kann unabhängig vom Strafverfahren in einem laufenden Zivilprozess entschieden werden, ob ihm das Geld zusteht oder dem Versicherungskonzern, der darauf ein Anrecht erhebt. Der Prozess wird fortgesetzt.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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