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Zumindest die Natur freut sich
Nasser Mai vermiest Gastronomen das Geschäft

Die Gastronomie durfte ihre Terrassen wieder öffnen, die meisten Treffen an der frischen Luft fielen bislang aber buchstäblich ins Wasser.
  • Die Gastronomie durfte ihre Terrassen wieder öffnen, die meisten Treffen an der frischen Luft fielen bislang aber buchstäblich ins Wasser.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sz/sp Siegen/Bad Berleburg. Wer oder was treibt die Spargelpreise in die Höhe? Zwingt uns dazu, den Grill unter der Wetterschutzhaube verpackt zu lassen und das erste, lang ersehnte frisch Gezapfte nach den Lockdown-Lockerungen unter dem Heizpilz runter zu kippen? Das kalte Frühlingswetter, nein, genauer: Der nasse Nathan ist schuld. Das Tiefdruckgebiet hängt in dieser Woche über dem Norden Deutschlands fest – und lässt uns zwischen Burbach, Bad Laasphe und Bilstein im Regen stehen.
Waldbesitzer und Landwirte freuen sich über den Regen
Des einen – Landwirt und Waldbesitzer – Freud ist des anderen Leid. Horst Rzimski, Inhaber des Wirtshauses Schloss Stüberl in der Siegener Oberstadt, hatte seinen Biergarten bislang nur an drei Tagen im Mai geöffnet. „Lohnen tut sich das nicht!

sz/sp Siegen/Bad Berleburg. Wer oder was treibt die Spargelpreise in die Höhe? Zwingt uns dazu, den Grill unter der Wetterschutzhaube verpackt zu lassen und das erste, lang ersehnte frisch Gezapfte nach den Lockdown-Lockerungen unter dem Heizpilz runter zu kippen? Das kalte Frühlingswetter, nein, genauer: Der nasse Nathan ist schuld. Das Tiefdruckgebiet hängt in dieser Woche über dem Norden Deutschlands fest – und lässt uns zwischen Burbach, Bad Laasphe und Bilstein im Regen stehen.

Waldbesitzer und Landwirte freuen sich über den Regen

Des einen – Landwirt und Waldbesitzer – Freud ist des anderen Leid. Horst Rzimski, Inhaber des Wirtshauses Schloss Stüberl in der Siegener Oberstadt, hatte seinen Biergarten bislang nur an drei Tagen im Mai geöffnet. „Lohnen tut sich das nicht!“ Rzimski und all die anderen gebeutelten Gastwirte mit Außengastronomie schauen in die Röhre, sehen zum wegen Corona verspäteten Saisonauftakt rot: das ist die Farbe, mit der Tiefdruckgebiete auf Wetterkarten oftmals eingefärbt und das dicke Umsatzminus in der Bilanz gekennzeichnet werden.

Das satte Grün an Siegen-Wittgensteiner Hügelhängen macht hingegen Spaß. „Reichlich Regen tut richtig gut“, sagt Manfred Gertz, Leiter des Regionalforstamtes. Das Wasser wird in Biomasse umgewandelt, heißt zu zahlreichen saftig grünen Blättern. Für den Wald sei der Regen – zusammen mit den niedrigen Temperaturen – ein Segen, eine Erholung. „Für alle Bäume ist das, was wir gerade erleben, gut.“ Bis auch sie sich vollständig von der Trockenheit erholt hätten, benötige es aber noch ein paar Jahre – der Mai-Regen reicht hier nicht aus.

Regen muss in die tiefen Bodenschichten gelangen

Wie bitte? Jahre? Klar: „Der Regen jetzt kann die Defizite, die sich über drei Jahre aufgebaut haben, nicht ausgleichen“, erklärt Wilhelm Deitermann vom LANUV NRW. Er kramt die Zahlen aus der Statistik des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz hervor: Der April war wie in den Vorjahren in NRW zu trocken – und auch zu kalt. Für den Mai werden die Werte nicht besser aussehen. Und überhaupt: Es komme auch nicht auf die Niederschlagsmenge an, sondern es müsse viele Monate gleichmäßig regnen, damit das Wasser langsam vom Boden aufgenommen wird und in tiefere Schichten gelangen kann.

Regnet es in kurzer Zeit viel, dann wird das Wasser über Bäche und Flüsse abtransportiert. Die Folge: In der Tiefe bleibt es weiterhin zu trocken. Die Grundwasserstände waren zumindest im April noch immer auf einem niedrigen Niveau! Logischerweise ist hier im Mai kaum eine Änderung zu erwarten.
Oder anders formuliert: „Ist der Mai kühl und nass, füllt’s dem Bauern Scheun’ und Fass“. Sagt der Volksmund bzw. die Bauernregel. In der Tat: „Aus Sicht der Landwirte sind nasse Jahre in der Regel gute Ertragsjahre“, freut sich Martin Hoppe von der Landwirtschaftskammer NRW. Vorfreude pur. Den Grünlandbauern spiele die aktuelle Wetterlage in die Karten – besonders mit Blick auf die Trockenheit der Vergangenheit, in der Tierfutter teuer zugekauft werden musste.

Zu viel Regen ist für die Landwirtschaft auch nicht gut

Doch zu nasses Wetter berge auch Risiken, so Hoppe. Zum einen benötigen die Landwirte trockene Tage, um die Wiesen zu befahren, ohne dass den Pflanzen Schaden zugefügt und der Boden zermatscht werde, und zum anderen brauche es Sonnenschein, um Heu einzufahren.
Außerdem sieht Hoppe eine Gefahr bei den Hanglagen des Rothaar-Gebirges in der Region: Sind die Böden zu nass, können die Landwirtschaftsmaschinen abrutschen.

Das hofft natürlich keiner. Hoffnungsfroher stimmen dagegen die Wetteraussichten. Ab dem heutigen Donnerstag soll sich allmählich Hochdruckeinfluss durchsetzen. Und auch die nächsten Tage machen Lust auf mehr. Tief Nathan verzieht sich. Das Wochenende wird sonnig und relativ warm. Oder wie es Gastwirt Horst Rzimski ausdrückt: „Bei 20 Grad plus wird der Biergarten voll. Im T-Shirt ist das einfacher cooler.“

Keine Erinnerung an so viel Niederschlag Carsten Beyer von Meteo Siegerland hat die Niederschlagsmenge mit seiner Messstation in Lützel dokumentiert. Im gesamten Monat April kam er auf 62,5 Liter pro Quadratmeter, im noch laufenden Mai bislang schon fast auf die doppelte Menge: 117,7 Liter. Beyer sagt, er könne sich nicht erinnern, in einem Mai ohne Gewitterschauer (die können die Werte in die Höhe treiben) je eine solche Menge gemessen zu haben.
Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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