„Nathan der Weise“ mit Schülern

 Felix Isenbügel spielte den Tempelritter, der sich in Nathans Tochter verliebt. Im Hintergrund: Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Stift Keppel. Foto: stö
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stö - 1783 wurde es uraufgeführt und hat bis heute nicht an Aktualität verloren: das bekannte Drama von Gotthold Ephraim Lessing über Toleranz und Aufklärungsgedanken. Das Theater Poetenpack (Potsdam) und 15 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Stift Keppel zeigten am Donnerstagabend im gut besuchten Gebrüder-Busch-Theater in Dahlbruch „Nathan der Weise“. Die Aufführung wurde von der Siegener Zeitung präsentiert. Das rund zweieinhalb Stunden lange Stück brauchte etwas Anlauf. Wer die Geschichte nicht mehr ganz präsent hatte, benötigte ein wenig Zeit, um sich in die Handlung einzufinden. An die Sprache („Nein, er ist ihr Vater nicht“) musste man sich gewöhnen. Obwohl die Thematik eher anspruchsvoll ist und Konzentration erforderte, schafften es die Schauspieler, mit einigen Szenen zu amüsieren.

Zum Inhalt: Der Jude Nathan (Teo Vadersen) kommt von einer Geschäftsreise zurück. Er erfährt, dass ein junger Tempelritter (Felix Isenbügel) seine Tochter Recha (Clara Schoeller) aus einem brennenden Haus gerettet hat. Dass sich hier eine Liebesgeschichte anbahnt, war schnell zu sehen. Die Lage stellt sich jedoch als kompliziert heraus. Nathan ist es zu verdanken, dass ans Licht kommt, dass die beiden Verliebten Geschwister sind – ups! Im Mittelpunkt des Lessing-Werks steht allerdings ein anderes Thema: die Frage nach der „wahren“ Religion. Die Konflikte zwischen dem Islam, dem Judentum und dem Christentum und ihren Anhängern sind Teil des Plots. Der Schauplatz ist Jerusalem. Nathan hebt die Gemeinsamkeiten hervor und betont: Die Menschen seien ungeachtet ihrer Religionen vor allem eines – Menschen. „Nathan, Ihr setzt eure Worte sehr gut, sehr spitz“, muss auch der Tempelritter erkennen. Auf der Suche nach der Wahrheit ist Sultan Saladin (Martin Molitor). Er will wissen, welche die wahre Religion sei. Keine könne bevorzugt werden, erklärt Nathan und benutzt dafür die aus dem Drama bekannte Ringparabel. Am Ende müssen alle Figuren feststellen, dass sie trotz ihrer unterschiedlichen Religionen enger miteinander verbunden sind, als sie es sich hätten vorstellen können – ein Grund zur Freude.

Die Kostüme verdeutlichten die unterschiedlichen Religionen und Kulturen. Das Bühnenbild bestand aus wenigen weißen Säulen, die je nach Szene ein Haus, eine Kirche oder auch den Palast des Sultans symbolisierten. Einfach, aber gut durchdacht. Ein muslimisches Morgengebet, eine jüdische Beerdigung, eine jüdische Hochzeit und ein christliches Abendmahl: Die Schülerinnen und Schüler stellten diese Bräuche der drei monotheistischen Weltreligionen dar. Sie lockerten das Geschehen auf. Vor allem das Lied „Masel tov“, das zweimal an diesem Abend zu hören war, belebte die Vorstellung – das Publikum belohnte das mit Applaus. Für die musikalische Untermalung sorgte Arne Assmann mit Percussion und Zupfinstrumenten.

Teo Vadersen verkörperte Nathan hervorragend, man nahm ihm die Rolle ab – nicht zuletzt der Vollbart rundete das Bild des weisen Mannes ab. Aus dem Ensemble des Theaters mit dabei waren zudem Simone Kast (Sittah, die Schwester des Sultans), Reiner Gabriel (Derwisch, Al-Hafi und Klosterbruder), Johanna Lesch (Daja, die Gesellschafterin von Recha) sowie Willi Händler (Patriarch). Etwas schade war, dass die oft schnell gesprochenen Sätze der Schauspieler akustisch nicht immer vollständig im Zuschauerraum ankamen.

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