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Diese Straßen werden bald anders heißen
Nazi-Namen sollen vom Schild

Die Lothar-Irle-Straße in Kaan-Marienborn gehört zu den Kandidatinnen für eine Umbenennung.
  • Die Lothar-Irle-Straße in Kaan-Marienborn gehört zu den Kandidatinnen für eine Umbenennung.
  • Foto: Jan Schäfer (Archiv)
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

Einige Straßen im Stadtgebiet von Siegen tragen Namen von Menschen, die als belastet gelten, weil ihre Geschichte eng mit dem Nationalsozialismus verbunden ist. Ein Arbeitskreis hat nun sieben Straßen benannt, die bald anders heißen sollen.

sz/js Siegen. Sieben Siegener Straßen sollten umbenannt werden, weil ihre Namensgeber im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus zu stark belastet sind. Diese Empfehlung ist ein Ergebnis des Prüfberichts, den der "Arbeitskreis zur Aufbereitung der historischen Hintergründe von Straßennamen" jetzt der Politik vorlegt. Umbenannt werden sollten demnach die Adolf‐Wagner‐Straße, die Bergfriederstraße, die Hindenburgstraße, die Diemstraße, die Lothar‐Irle‐Straße, die Porschestraße und die Stoeckerstraße.

Einige Straßen im Stadtgebiet von Siegen tragen Namen von Menschen, die als belastet gelten, weil ihre Geschichte eng mit dem Nationalsozialismus verbunden ist. Ein Arbeitskreis hat nun sieben Straßen benannt, die bald anders heißen sollen.

sz/js Siegen. Sieben Siegener Straßen sollten umbenannt werden, weil ihre Namensgeber im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus zu stark belastet sind. Diese Empfehlung ist ein Ergebnis des Prüfberichts, den der "Arbeitskreis zur Aufbereitung der historischen Hintergründe von Straßennamen" jetzt der Politik vorlegt. Umbenannt werden sollten demnach die Adolf‐Wagner‐Straße, die Bergfriederstraße, die Hindenburgstraße, die Diemstraße, die Lothar‐Irle‐Straße, die Porschestraße und die Stoeckerstraße. Am Mittwoch wird der Kulturausschuss darüber beraten. Der Rat soll im Juni Farbe bekennen und entscheiden, ob und wo es neue Straßenschilder und Adressen geben wird. 

Umbenennung wird erklärt

"Wird eine der Straßen umbenannt, so wird die Anbringung eines kleinen Erläuterungsschildes empfohlen, auf dem der alte Straßenname, der Zeitpunkt der Umbenennung und der Hintergrund kurz dargestellt werden", heißt es im Abschlussbericht. So werde eine Umbenennung kein Vergessen oder Tilgen von Geschichte, was auch nicht beabsichtigt sei. "Vielmehr wird auf das Handeln der Stadt zur Stärkung wie auch Festigung zeitgemäßer, demokratischer Werte aufmerksam gemacht, und die Umbenennung bleibt langfristig im kollektiven Gedächtnis der Bürgerschaft erhalten."

Personen mit "schwerer Belastung"

Die sieben Namen fallen für den Arbeitskreis in "Kategorie A", mit der eine "schwere Belastung" gekennzeichnet wird. Ausdrücklich weist der Arbeitskreis darauf hin, dass er keine Bewertung der Gesamtlebensleistung der jeweiligen Persönlichkeiten vornimmt. "Es ist aber unverzichtbar, als problematisch anzusehende Aspekte in einzelnen Biografien kritisch zu prüfen und zu bewerten." Die Benennung einer Straße nach einer Person sei eine der höchsten Ehrungen, die eine Stadt einem Bürger gewähren könne. Daher gelte es zu bewerten, ob die Ehrung den heutigen freiheitlich‐demokratischen Wertmaßstäben aufgrund einer Belastung aus der NS‐Zeit noch entspreche.

Kommentierung am Straßenschild

Bei Namen der "Kategorie B" liegt nach Auffassung des 23-köpfigen Arbeitskreises auch eine Belastung vor, der aber mit einer Kommentierung (am Straßenschild und online) Rechnung getragen werden sollte. Unter diese Kategorie fallen demnach die Adolf‐Saenger‐Straße, die Carl‐Dresler‐Straße, die Dr.-h.c.-Karl‐Barich-Straße, die Hans‐Kruse‐Straße, der Otto‐Krasa‐Weg, die Ostlandstraße und die Tannenbergstraße.

Mehr Öffentlichkeit in der Diskussion gefordert

Die Persönlichkeiten der "Kategorie C" wiederum werden als nur marginal belastet angesehen, hier bestehe kein Handlungsbedarf. Die Adolf‐Wurmbach-Straße, die Freystraße, der Hermann‐Böttger‐Weg,  die Virchowstraße, die Gorch‐Fock‐Straße, die Graf‐Luckner‐Straße, der Hermann‐Löns‐Weg, die Paul‐Bonatz‐Straße, die Walter‐Flex‐Straße und der Gerhart‐Hauptmann‐Weg sollen also unangetastet bleiben. Was Adolf Wurmbach als Namensgeber betrifft, so regt der Arbeitskreis an, "diese für die Siegener Geschichte wichtige Persönlichkeit an einem geeigneten Ort in Geisweid besonders differenziert darzustellen." 

Weitere diskussionswürdige Namensgeber

Der Prüfauftrag des Arbeitskreises bezog sich nur auf Personen, die im Zusammenhang mit der Nazi-Zeit kritisch zu betrachten seien. Es gebe auch Personen, die diskussionswürdig erscheinen, aber eben nicht in diesem Kontext. Ausgeklammert wurden zudem Persönlichkeiten etwa bis zur Reichsgründung 1871, "obwohl deren Verhalten ebenfalls aus heutiger Sicht hinterfragbar und kritikwürdig war". Nach diesem Raster sei z. B.  der Dichter Ernst Moritz Arndt als Straßennamensgeber nicht diskutiert worden, "obwohl es dazu Anlass gäbe". Gleiches gelte für den ehemaligen Siegener Oberbürgermeister Ernst Bach als Exponent Siegener Geschichte im 20. Jahrhundert, "der aber nach allen vorliegenden Erkenntnissen nicht Mitglied der NSDAP war und als politisch tätiger Mensch zwischen 1933 und 1945 nicht in Erscheinung trat".

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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