Netphener Feuerwehr ärgert sich

Schon oft musste die Netphener Feuerwehr wegen eines Fehlalarms zum Parkdeck eines Einkaufszentrums ausrücken. Symbolfoto: SZ
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sos Netphen. Es war wohl der berühmte Tropfen, der das Fass am frühen Montagabend zum Überlaufen brachte. Schon wieder wurde die Freiwillige Feuerwehr Netphen zu einem Einsatz auf dem Parkdeck des Supermarkts an der Talstraße gerufen. Der Handdruckmelder war betätigt worden, und der Alarm ging an die Kreisleitstelle, doch als die Feuerwehr eintraf, war – wie die Male zuvor – niemand mehr da. Daraufhin setzte Mark Liska, stellv. Einsatzführer in Netphen, einen Facebook-Post ab, der auf viel Resonanz in dem sozialen Netzwerk stieß.

„Hallo ihr lieben Jugendlichen, die ihr immer auf dem obersten, ungenutzten Parkdeck des heimischen Supermarktes ,abhängt’“, beginnt der Text. „Wir waren heute Abend mal wieder dort, um eurer ,Party’ beizuwohnen.“ Die Feuerwehr zeigt sich enttäuscht, dass trotz der „Einladung“ durch den Feuermelder niemand da war. „Wir haben sogar extra (Feuerwehrschutzkleidungs-)Kostüme angezogen und Partyhüte aufgesetzt. Und unsere großen, roten Karren mitgebracht, die mit den bunt-blauen Lichtern und der lauten (Martinshorn-)Musik. Kennt ihr ja schon …“

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten, 17 Stunden später sind fast 250 Kommentare zusammengekommen, der Post wurde mehr als 2600 Mal geteilt. Dass der Beitrag derartige Wellen schlägt, damit habe er nicht gerechnet, so Mark Liska. Und eigentlich sei der Freiwilligen Feuerwehr das auch gar nicht so recht. Zwar sei das Feedback zu 99 Prozent positiver Natur, doch werde durchaus auch die Frage gestellt, ob die Feuerwehr sich so drastisch äußern dürfe. „Ich denke, wir können das“, sagt Liska. Schließlich gehe es gar nicht darum, jemanden zu diffamieren.

Stattdessen nutze die Feuerwehr diese Art der Öffentlichkeitsarbeit auch dafür, Nachwuchs zu gewinnen. „Wenn ihr Langeweile habt, macht doch etwas Sinnvolles! Tretet bei der örtlichen Jugendfeuerwehr (oder einer anderen Hilfsorganisation) ein, lernt dort lebenswichtige Dinge wie Kameradschaft, Respekt und Disziplin und erfreut euch daran, etwas Gutes zu tun und Menschen zu helfen“, heißt es. Ob alle diesen Beitrag auch so aufnehmen, wisse er nicht, dafür müsse man natürlich Sarkasmus verstehen.

Was bei einigen Lesern offenbar nicht ganz so gut ankommt, ist der „Wunsch“, dass der „Rotzlöffel eine gepflegte Wundinfektion und faulige Finger“ bekommt. An den Scherben hatten die Feuerwehrleute nämlich Blutspuren entdeckt, sprich: Jemand hat sich beim Einschlagen der Scheibe verletzt. „Fragt man sich, was dümmer ist … Ein Idiot, der sein Handeln nicht überschauen kann, oder ein Feuerwehrmann, der jmd. ’ne Infektion wünscht … und viele finden es gut“, kommentiert ein Nutzer beispielsweise. Für Mark Liska ist jedoch klar, dass hier keiner ernsthaft jemand anderem etwas Schlechtes wünscht. „Wir wollen niemandem etwas Böses“, betont er auf Nachfrage. Für die Feuerwehr sei die Sache nun auch erledigt, „eine Strafermittlung liegt uns fern“. Eine DNA-Ermittlung anhand der Blutspuren, die einige Facebook-Nutzer fordern, sei „in diesem Falle nicht zulässig und auch nicht verhältnismäßig“.

Letztendlich wisse man auch gar nicht, wer den Melder tatsächlich betätigt hatte. Es sei aber bekannt, dass sich Jugendliche häufig auf dem Parkdeck aufhielten. In der Vergangenheit sei die Feuerwehr schon oft zu Einsätzen gerufen worden – „zu jeder Tag- und Nachtzeit“. Wer auch immer es war: Er hatte keine Not. „Sonst wäre er ja noch da gewesen, als wir kamen.“

Mit dem Beitrag habe er die Menschen wachrütteln wollen, sagt Liska. „Wir hatten durch den Sturm eh schon keine Langeweile. Und an diesem Tag war es der achte Einsatz für die Kameraden.“ Etwa 20 Feuerwehrfrauen und -männer seien ausgerückt – umsonst. Zwei hätten sogar extra ihre eigene Geburtstagsfeier verlassen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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