Netto oder Aldi oder nichts?

 Die Verwaltung hat die Verlagerung des Geisweider ZOB zugunsten eines Discounter-Neubaus geprüft. Das Ergebnis: Keiner möchte die Kosten für den Neubau der Haltestellen tragen. Foto: Tim Lehmann
  • Die Verwaltung hat die Verlagerung des Geisweider ZOB zugunsten eines Discounter-Neubaus geprüft. Das Ergebnis: Keiner möchte die Kosten für den Neubau der Haltestellen tragen. Foto: Tim Lehmann
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jak - Großer Discounter für Geisweids Ortsmitte oder nicht? Diese Frage stellen sich seit Jahren Politik und Verwaltung. Eigentlich hätten beide gern ein solches Angebot und auch die Einzelhändler vor Ort stehen der potenziellen Belebung positiv gegenüber. Allein: Es fehlt der Platz. Denn nachdem die ursprünglichen Pläne, auf dem Areal, das künftig einen Rewe-Markt beherbergen wird, auch einen Aldi unterzubringen, von der Politik verworfen wurden, wurde damit 2016 die Suche nach einem Alternativstandort für einen Discounter eingeläutet. Genügend Platz würde der jetzige Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) bieten. Und die Verwaltung empfiehlt der Politik auch im Rahmen einer Vorlage, Verhandlungen mit dem Projektentwickler abzunicken. Kennt man jedoch die finanziellen Zwänge, die hinter dem Bau eines Discounters stehen, darf der Bau auf der heutigen ZOB-Fläche von vorneherein stark angezweifelt werden. „Eine ursprünglich in die Projektentwicklung einbezogene Firma hat diesen Standort aber nach intensiver Prüfung bereits verworfen“, heißt es in den Unterlagen zum Bauausschuss am 5. April. Heißt im Klartext: Aldi hat gar kein Interesse an dem Projekt. Der Entwickler allerdings hat offenbar einen neuen Partner an Land gezogen und würde am ZOB nun gerne einen Netto-Markt entstehen lassen.

Allerdings gehen die privatwirtschaftlichen Planer davon aus, dass die Stadt Siegen den Erlös für den Grundstücksverkauf in einen neu zu bauenden ZOB steckt und die dann noch vorhandene Deckungslücke von der öffentlichen Hand beglichen wird, indem entweder Zuschüsse fließen oder die Stadt finanziell noch eine Schippe drauf packt. Das ist aus Sicht der Verwaltung aber illusorisch: „Soll das Projekt realisiert werden, muss ein möglicher Investor darstellen, dass er den vollen Grundstückspreis gemäß Bodenrichtwert zahlt und die Folgekosten übernimmt, die aus dem Projekt resultieren und nicht durch Zuschüsse gedeckt werden können.“ Doch auch beim Thema „Zuschüsse“ machen Vorgespräche mit Zuschussgebern auch nicht gerade Mut „auf Grund der Tatsache, dass durch die Verlagerung des ZOB keine Verbesserung des Linienangebots eintritt“.

Doch die entstehenden Kosten bei einer Verlagerung des ZOB wären enorm. Einziger möglicher Standort wäre zudem der (teils) öffentliche Parkplatz zwischen Fußgängerzone und Geisweider Straße, der einige Maßnahmen abverlangen würde: Die rechte Fahrspur der Geisweider Straße müsste in diesem Bereich geopfert werden, zwei weitere Vollanschlüsse an die Geisweider Straße wären nötig, zwei Haltestellen an der Geisweider Straße in Höhe Bahnstraße wären für die Verknüpfung mit dem Bahnhaltepunkt erforderlich und zwei zusätzliche Haltestellen an der Bahnstraße müssten die Erschließung der Wartburgstraße sichern. Auf dem in Rede stehenden Areal müssten sechs unabhängig voneinander anzufahrende Bushaltestellen entstehen, um ein komfortables Umsteigen für die Fahrgäste zu ermöglichen. Allein der Bau des neuen ZOB würde mit fast 1,3 Mill. Euro zu Buche schlagen, die vier weiteren Haltestellen würden noch einmal 180 000 Euro kosten. Ganz zu schweigen von den zwei Vollanschlüssen an die Geisweider Straße, die nach einer ersten Kalkulation fast 700 000 Euro kosten würden.

Summa summarum schätzt die Verwaltung die Baukosten derzeit auf 2,145 Mill. Euro. Darin seien die Mehrkilometer für die VWS noch gar nicht enthalten. Alles in allem also ein eher unwahrscheinliches Bauvorhaben, was die Befürworter eines Discounters in Geisweids Ortsmitte alles andere als erfreuen dürfte.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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