Wohlfahrtsverbände warnen vor noch mehr Langzeitarbeitslosen
Neue Not am Arbeitsmarkt

Schaut man auf das Alter der Langzeitarbeitslosen, fällt auf, dass der stärkste Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit bei jüngeren und jüngsten Altersgruppen zu verzeichnen ist.
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sz Siegen/Bad Berleburg. Sie sind eine oft übersehene Gruppe am Arbeitsmarkt und gehören in der Pandemie zu den großen Verlierern – die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist nach 16 Monaten Corona-Krise sprunghaft angestiegen. „Wir dürfen diese Menschen nicht im Stich lassen, wenn die Konjunktur bald wieder anzieht“, mahnt der Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege im Kreis Siegen-Wittgenstein, Horst Löwenberg. Sonst drohe ein neuer Sockeleffekt einer sich verfestigenden Langzeitarbeitslosigkeit.

Im Vergleich zum Mai 2020 ist in NRW die Zahl der Langzeitarbeitslosen um 28 Prozent auf über 335 000 Personen gestiegen, so der Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege NRW. Als langzeitarbeitslos gelten nach der Statistik Personen, die länger als zwölf Monate arbeitslos gemeldet sind.

In Erwerbsarbeit zu kommen seit Corona-Pandemie noch schwieriger

Aus der Langzeitarbeitslosigkeit in die Erwerbsarbeit einzusteigen, sei seit Ausbruch der Corona-Pandemie noch schwieriger geworden, bemerkt Horst Löwenberg. Selbst Unternehmen, die nicht direkt vom Lockdown betroffen seien, hätten in wirtschaftlich unsicheren Zeiten kaum Spielraum für Neueinstellungen gehabt. „Wer arbeitslos wurde, fand wegen Corona nicht so schnell einen neuen Job. Deswegen sind mehr Arbeitslose als früher nun in die Langzeitarbeitslosigkeit abgeglitten.“

Die Wohlfahrtsverbände in Siegen-Wittgenstein fordern daher die schnelle und gezielte Unterstützung Langzeitarbeitsloser mit Angeboten der Beratung, Qualifizierung und öffentlich geförderter Beschäftigung. Es müsse alles getan werden, um jetzt den drohenden Sockeleffekt zu verhindern. Der könnte eintreten, wenn bestimmte Personengruppen am Ende nicht mehr aus der Arbeitslosigkeit herauskommen, weil der konventionelle Arbeitsmarkt mit jedem weiteren Jahr ihrer Langzeitarbeitslosigkeit immer weniger bereit sei, sie zu integrieren.

"Wir dürfen diese Menschen nicht im Stich lassen,
wenn die Konjunktur bald wieder anzieht."

Horst Löwenberg
Vorsitzender Der Paritätische
Siegen-Wittgenstein

Neu und die Situation verschärfend wirke aktuell, dass mehr und mehr Menschen als langzeitarbeitslos in der Statistik auftauchen, die aufgrund der Krise ihre Arbeit verloren oder den Einstieg in Arbeit nicht geschafft haben. Im März 2020, zu Beginn der Corona-Krise, waren im Kreis Siegen-Wittgenstein 1115 Personen zwischen zwölf und 24 Monaten arbeitslos. Heute, nach über einem Jahr Pandemie, sind es mit 2097 Personen fast doppelt so viele. Die Wohlfahrtsverbände fordern deshalb ein aktives Handeln.

Naiv zu glauben, dass Konjunktur demnächst wieder anspringe

Es wäre fahrlässig und naiv, allein darauf zu vertrauen, dass demnächst die Konjunktur wieder anspringe und die neuen Langzeitarbeitslosen schon irgendwie wieder in Arbeit kämen. Das Gegenteil sei der Fall: Langzeitarbeitslose werden dann am Markt in ungewollter Konkurrenz zu zahlreichen anderen Personen stehen, die aus Schule, Ausbildung, Studium oder aus der Kurzzeitarbeitslosigkeit in eine Arbeitsstelle wollten – und haben da im Allgemeinen das Nachsehen.

Der Arbeitslosenreport der Wohlfahrtsverbände belegt, dass im Mai 2021 in NRW vor allem Personen ohne Schulabschluss (in Siegen-Wittgenstein gut 20 Prozent) oder mit Hauptschulabschluss (knapp 50 Prozent) am stärksten von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen seien.

Stärkster Anstieg von Langzeitarbeitslosen bei jungen Altersgruppen

Schaut man auf das Alter der Langzeitarbeitslosen, fällt auf, dass der stärkste Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit bei jüngeren und jüngsten Altersgruppen zu verzeichnen ist. Im Mai 2021 waren in Siegen-Wittgenstein 191 Personen im Alter zwischen 15 und unter 25 Jahren und 736 Personen zwischen 25 und unter 35 Jahren bereits ein Jahr oder länger arbeitslos.

„Diese Zahlen beunruhigen mich zutiefst“, sagt Horst Löwenberg und warnt vor einer „Generation Corona“. Gerade in diesen Altersgruppen könne man viel erreichen mit Bildungsberatung, Bildungsbegleitung und einer Art „Bildungsbonus“ für die, die sich beruflich neu orientieren könnten und wollten.

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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