Neue Struktur  sorgt für  Probleme

EAE Bad Berleburg, Erstaufnahmeeinrichtung Bad Berleburg, Am Spielacker, Flüchtlingsunterkunft. Foto: Timo Karl
  • EAE Bad Berleburg, Erstaufnahmeeinrichtung Bad Berleburg, Am Spielacker, Flüchtlingsunterkunft. Foto: Timo Karl
  • hochgeladen von Archiv-Artikel Siegener Zeitung

- Die Menschen in Bad Berleburg müssen sich auf eine veränderte Situation in der Zentralen Unterbringungs-Einrichtung (ZUE) für Flüchtlinge am Spielacker einrichten. Die Thematik wurde am Donnerstagabend beim 27. Runden Tisch in der Aula des Johannes-Althusius-Gymnasiums erörtert. „Wir sind aufgefordert, uns auf die geänderte Lage einzustellen und das Thema gemeinsam zu bewegen“, sagte Bürgermeister Bernd Fuhrmann im Anschluss beim Pressegespräch. Was deutlich wurde: Es könnte schwieriger werden in Bad Berleburg – teilweise ist das bereits der Fall.

Hintergrund ist ein neues Gesetz, das seit Mitte Dezember Gültigkeit besitzt. Das Land Nordrhein-Westfalen kann Flüchtlinge länger als sechs Monate in Unterkünften – wie der in Bad Berleburg – unterbringen. Und zwar bis zu 24 Monate. Es gehe um Personen ohne Bleibeperspektive, erklärte Andreas Bamberg von der Bezirksregierung Arnsberg, Zielsetzung sei eine Entlastung der Kommunen, zumal dort eine Rückführung der Menschen in ihre Heimatländer deutlich schwieriger sei. Andreas Bamberg strich offen heraus, „dass wir die Dinge nicht klein reden werden, wir erwarten Probleme, die es bei einer kürzeren Aufenthaltsdauer von Flüchtlingen ohne echte Bleibeperspektive vielleicht nicht geben würde“. Ausgenommen von der neuen Gesetzgebung seien Familien und Kinder, wo man kürzere Aufenthaltszeiten anpeile. Klar sei, dass sich das Land der Situation stelle. Ansätze seien eine Verbesserung der Unterbringungsqualität, mehr Bildung, mehr Tagesstruktur, zusätzliche Freizeitangebote.

Einrichtungsleiter Hans-Joachim Menzel machte deutlich, dass die Hälfte der derzeit rund 240 Bewohner in der Bad Berleburger ZUE einen negativen Asylbescheid vorliegen habe. Ausdrücklich hob er der „gute Arbeit der Behörden hervor“. Alle Familien würden innerhalb von vier Monaten in Kommunen vermittelt, lediglich sechs Bewohner seien derzeit länger als sechs Monate in der Einrichtung: „Und das aus eigenem Verschulden, weil sie sich zwischenzeitlich entfernt haben und so die Bearbeitung ihres eigenen Verfahrens verzögert haben.“ Menzel bekräftigte den Willen und den Einsatz aller Beteiligten, sich den neuen Strukturen anzupassen. „Wir müssen mit dem Publikum arbeiten, wie es hier ist und gehen neue Wege.“ Ein aktuelles Beispiel sei der Weg von zwei Flüchtlingen, die momentan eine Qualifizierung zum Schweißer absolvierten, um die Chancen auf dem Arbeitsmarkt in ihren Heimatländern zu vergrößern. Andere Bewohner würden verstärkt in die Freizeitaktivitäten eingebunden.

Auch aus Sicht von Bad Berleburgs Polizei-Chef Bernd Dickel „gibt es nichts schön zu reden“. Die Zahl der Delikte – speziell im Bereich der Körperverletzungen – seien im Umfeld der Einrichtung erkennbar angestiegen. Das gelte auch für Straftaten, die von der Bevölkerung innerhalb der Stadt wahrgenommen würden. „Geschäftsleute nehmen Diebstähle nicht mehr nur mit Knurren und Murren hin, sondern kommen auf uns zu.“ Zu Wechselzeiten des Personals an Supermärkten würden verstärkt Streifen eingesetzt, um den Mitarbeitern mehr Sicherheit zu vermitteln. In Zahlen schlage sich das veränderte Bild nicht unbedingt nieder, so Bernd Dickel, „in der Qualität der Einsätze dagegen schon“.

Allein im Jahr 2018 habe es aus der Einrichtung heraus neun Fälle von Zwangseinweisungen in die Psychiatrie gegeben. Beim Pressegespräch kam offen zur Sprache, dass Asylbewerber ohne Bleiberecht diese letzte vermeintliche Trumpfkarte ziehen, um ihr Verfahren erneut zu verlängern. Hans-Joachim Menzel: „Es gibt Empfehlungen im Internet, wie es funktioniert.“

Bernd Dickel prognostizierte, dass die Bad Berleburger Polizei in Zukunft vermehrt Einsätze bekommen werde, bei denen sie das Kreisordnungsamt unterstütze – hier gehe es dann um Zwangsabschiebungen. Der Leiter der Bad Berleburger Dienststelle warnte aber gestern Abend davor, alle Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen. Die Probleme gingen von zwei oder drei Prozent der Menschen aus – das sei in der Vergangenheit nicht anders gewesen. Problematisch sei allerdings die Tatsache, dass es für die Polizei deutlich schwieriger geworden sei, die Rädelsführer aus einer Einrichtung herauszunehmen und an einen anderen Standort zu verlegen.

Über die Inhalte des Runden Tisches berichtet die SZ auch morgen noch.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.