SZ

Bei der Umnutzung ehemaliger Friedhöfe muss die Pietätsfrage gestellt werden
Neues Leben für alte Flächen

Wie können alte Friedhöfe zukünftig genutzt werden? In Eiserfeld wurde ein Teilstück entwidmet, hier befindet sich heute ein Spielplatz.
  • Wie können alte Friedhöfe zukünftig genutzt werden? In Eiserfeld wurde ein Teilstück entwidmet, hier befindet sich heute ein Spielplatz.
  • Foto: kay
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

sp Siegen. Sie liegen meist inmitten von Dörfern und Ortsteilen und sind grüne Oasen gleich neben Wohnhäusern: alte Ortsfriedhöfe. Manchmal befinden sich dort nur noch wenige Gräber. Die Gründe, warum dort keine Bestattungen mehr stattfinden, können unterschiedlich sein. Es könne sein, dass es nicht mehr wirtschaftlich sei oder der Platz nicht mehr ausgereicht habe, erklärt Ralf Bergholz, Leiter der Grünflächenabteilung der Stadt Siegen. Aber was tun, wenn die Ruhezeiten der letzten Gräber auf den Flächen enden? „Man macht sich über Folgenutzungen Gedanken“, versichert Bergholz.
Spielplatz auf entwidmetem TeilstückEin Beispiel ist der Friedhof in Eiserfeld zwischen der Eiserntalstraße und der Talsbachstraße.

sp Siegen. Sie liegen meist inmitten von Dörfern und Ortsteilen und sind grüne Oasen gleich neben Wohnhäusern: alte Ortsfriedhöfe. Manchmal befinden sich dort nur noch wenige Gräber. Die Gründe, warum dort keine Bestattungen mehr stattfinden, können unterschiedlich sein. Es könne sein, dass es nicht mehr wirtschaftlich sei oder der Platz nicht mehr ausgereicht habe, erklärt Ralf Bergholz, Leiter der Grünflächenabteilung der Stadt Siegen. Aber was tun, wenn die Ruhezeiten der letzten Gräber auf den Flächen enden? „Man macht sich über Folgenutzungen Gedanken“, versichert Bergholz.

Spielplatz auf entwidmetem Teilstück

Ein Beispiel ist der Friedhof in Eiserfeld zwischen der Eiserntalstraße und der Talsbachstraße. Im unteren Bereich, nahe der Eiserntalstraße, fand im Jahr 1979 die letzte Belegung statt, die Ruhefrist endete nach 30 Jahren. 2014 wurde der Teil des Friedhofes entwidmet. Wo früher Verstorbene ihre letzte Ruhe und Angehörige einen Ort zum Trauern fanden, ist Leben eingekehrt und Kinderlachen zu hören: 2016 wurde auf dem entwidmeten Teilstück ein Spielplatz eröffnet. „Das ist eine Sache, die gemacht werden kann und gemacht wird“, sagt Bergholz. Die Umnutzung in Eiserfeld, das sei noch vor seiner Zeit in Siegen gewesen, aber es sei ihm nicht bekannt, dass es deswegen große Diskussionen gegeben habe.

Ökologisch wertvolle Fläche

Auch in Eisern an der Eiserntalstraße befindet sich eine Grünfläche, die aufgrund der Gestaltung und anhand weniger Gräber noch als Friedhof zu erkennen ist. 2012 sei der obere Teil entwidmet worden, sagt Bergholz. Es habe die Vorstellung gegeben, hier Wohnhäuser zu errichten. Bislang ist daraus nichts geworden. Ob es vielleicht auch eine Hemmschwelle für Menschen gibt, auf einem ehemaligen Friedhof zu wohnen? „Das kann ich nicht beurteilen“, sagt Bergholz.
Fast ein wenig versteckt liegt der ehemalige Friedhof am Buberg in Trupbach. Er wurde 2002 entwidmet. Eine bestimmte Folgenutzung gebe es nicht, erklärt Bergholz, aber hier stünden Obstbäume und mit einer entsprechenden Mahd der Wiese handele es sich um eine ökologisch wertvolle Fläche.

Das ist sicherlich
ein gesellschaftliches Thema,
es gibt Menschen,
die da noch eine Verbindung haben.
Ralf Bergholz
Leiter der Grünflächenabteilung

Bergholz war zuvor in Köln tätig. Dort sei es üblich gewesen, dass alte Friedhöfe als Grünflächen weitergenutzt werden, zum Beispiel als Parks, erzählt er und sagt: „Man sollte nicht alles immer zubauen.“ Ein Friedhof sei ja nicht nur eine reine Bestattungsfläche gewesen, sondern auch ein Ort, an dem Menschen Ruhe suchten.

Umnutzung „ein bürokratisches Verfahren“

Aber wie kann ein alter Friedhof eine neue Bestimmung finden? „Das ist ein bürokratisches Verfahren“, erklärt Bergholz. Die Ruhefristen beispielsweise müssten eingehalten werden, nur unter ganz bestimmten Umständen seien Umbettungen von Gräbern möglich. Dafür brauche es die Zustimmung der Angehörigen. „Ohne Weiteres geht das nicht“, betont Bergholz.
Nach der Ruhezeit werden die Gräber eingeebnet. Pflanzen, Grabeinfassungen etc. werden entfernt, und es wird Rasen eingesät. „Es ist nicht gesetzlich festgeschrieben, dass da länger nichts passieren darf“, erklärt Bergholz zu dem Zeitpunkt, wann eine neue Nutzung der Fläche folgen kann. Es sei vielleicht eine Pietätsfrage, ergänzt er. Es könne schwierig für Angehörige sein, wenn sie bis gestern ein Grab gepflegt hätten und wenige Tage später darauf gebaut würde. „Das ist sicherlich ein gesellschaftliches Thema, es gibt Menschen, die da noch eine Verbindung haben.“

Auch nach Jahrzehnten Gebeine auffindbar

Bergholz erklärt auch, dass es nach Jahrzehnten noch möglich sei, Gebeine zu finden. Allerdings komme es darauf an, wie der Friedhof im Anschluss genutzt werde. Die Toten seien in einer Tiefe von 1,80 bis 2 Meter begraben worden, führt der Leiter der städtischen Grünflächenabteilung weiter aus. Beim Bau eines Spielplatzes werde der „Gräberhorizont“ nicht erreicht. Anders sehe das beim Bau eines Hauses mit Keller aus, dann müsse man „vorsichtig schachten“ und darüber nachdenken, ob die Gebeine nicht gesammelt und an einem anderen Friedhof beigesetzt werden sollten. Auch hier sei eindeutig Pietät gefragt.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

7 folgen diesem Profil

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen