„Nicht vor die Theke uriniert“

 In diesem Ladenlokal an der Bahnhofstraße sollen zwei Flüchtlinge randaliert und sogar vor der Theke uriniert habe. Nichts davon sei wahr, betont Fleischermeister Günter Janson im SZ-Gespräch. Foto: Holger Weber
  • In diesem Ladenlokal an der Bahnhofstraße sollen zwei Flüchtlinge randaliert und sogar vor der Theke uriniert habe. Nichts davon sei wahr, betont Fleischermeister Günter Janson im SZ-Gespräch. Foto: Holger Weber
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vö - Günter Janson geht es um eine sachliche und vor allem um eine wahrheitsgemäße Darstellung: „Die Metzgerei aus Bad Laasphe, von der in dem Artikel die Rede war, ist mein Geschäft. Das dürfen Sie auch genau so schreiben, selbstverständlich stehe ich mit meinem Namen zu der Aussage.“

Der Fleischermeister aus der Lahnstadt, Inhaber der Metzgerei Reuter an der Bahnhofstraße, bezieht sich auf einen Bericht in der SZ vom vergangenen Mittwoch, in dem die Polizei Siegen-Wittgenstein gezielte Falschmeldungen zu Flüchtlingen im Internet beklagte. „Diese Vorgänge sind für alle abträglich“, wird Kriminaldirektorin Claudia Greve zitiert.

Konkret benannt wurde in diesem Zusammenhang eine vermeintliche Straftat vom vergangenen Montag, wobei arabischstämmige Menschen in eine Metzgerei in Bad Laasphe eingedrungen seien und dort ihr Unwesen getrieben haben sollen. „An der Sache war nichts dran“, sagte Polizeisprecher Georg Baum.

Dies bestätigt auch Günter Janson. Zuerst sei festzustellen, dass es um einen Vorfall gehe, der rund zehn Wochen zurückliege. Und von einer Straftat sei das Geschehen meilenweit entfernt. Richtig sei, dass an diesem Tag zwei dunkelhäutige Kunden in den Laden gekommen seien und Brathähnchen kaufen wollten. Vom Aussehen her stammten die Männer vielleicht aus Nordafrika, so Janson. Im Laden treffe er regelmäßig Menschen, die nach seiner Einschätzung der Bad Laaspher Flüchtlingsunterkunft zuzuordnen seien, das sei nicht ungewöhnlich: „Es sind Flüchtlinge in der Unterkunft, die kommen fast täglich zu uns und kaufen Brathähnchen.“

Das sei auch der Wunsch beiden Männer an dem besagten Tag gewesen. Haken an der Sache: Die Kunden hätten offenbar noch Verlangen nach einer Beilage gehabt, wobei ihnen offenbar die deutsche Vokabel gefehlt habe. Auch mit Händen und Füßen seien die beiden Kunden und seine Mitarbeiterinnen im Laden nicht weiter gekommen. Dann sei nach Schilderung des Personals folgendes passiert: „Einer der beiden Männer kam um die Ladentheke herum, hat dann die Schublade mit den Pommes herausgezogen und mit dem Finger darauf gezeigt.“

Klar sei, so Günter Janson, dass das vielleicht nicht die feine englische Art gewesen sei – dumm sei die Idee aber auf der anderen Seite auch nicht gewesen. Nicht verheimlichen wolle er, so der Unternehmer, dass einer der beiden Männer anschließend noch die Toilette benutzt und den sanitären Bereich leider nicht wieder so verlassen habe, wie man das erwarten dürfe: „Das muss nicht sein, das kann man den Leuten aber auch deutlich sagen.“ Eine Straftat sei das allerdings nicht. Gänzlich anders dann die Variante, die sich über das Internet offenbar in einer enormen Geschwindigkeit verbreitete. Er sei im tiefsten Hessen angesprochen worden, so Janson, was denn bei ihm in der Metzgerei vorgefallen sei. Flüchtlinge hätten vor die Theke uriniert und randaliert, weil sie sich nicht von einer Verkäuferin bedienen lassen wollten, so eine Version. Der Unternehmer sagt es unmissverständlich: „Niemand hat vor die Theke uriniert.“

Und dass die Männer Probleme mit weiblichem Personal hätten, sei kompletter Unsinn: „Im Laden gibt es ausschließlich weibliches Personal. Wem das nicht gefällt, der bekommt bei uns auch nichts zu essen. Da kann man nur mit dem Kopf schütteln.“ Bei den aktuellen Diskussionen um Flüchtlinge und Straftaten tue man gut daran, die Kirche im Dorf zu lassen und sich wieder auf sachliche Darstellungen zu beschränken, findet der Metzgermeister. Wenn es Fehlverhalten und Straftaten von Flüchtlingen gebe, dann müsse das konkret angesprochen werden dürfen. Wenn etwas dazu gedichtet werde, helfe das niemandem, so Günter Janson.

Einen Standpunkt, den auch die Polizei in Siegen-Wittgenstein vertritt: Klar sei, dass keine polizeilich relevanten Dinge verschwiegen würden, wenn Flüchtlinge mit im Spiel seien. Polizeidirektor Wilfried Bergmann: „Da gibt es nichts zu verbergen, wir sagen das alles.“ Man sei bestrebt, die Herkunft der in Frage kommenden Täter zu kommunizieren, wenn dies für die Tat oder deren Aufklärung von Bedeutung sei.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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