„Nichts davon ist zu relativieren“

 Die Katholische Kirchengemeinde Bad Berleburg ist eine von drei Gemeinden im Pastoralverbund Wittgenstein. Die Mitglieder der Gemeinde erhielten in dieser Woche Post von Hans-Josef Becker, dem Erzbischof von Paderborn. Foto: Martin Völkel
  • Die Katholische Kirchengemeinde Bad Berleburg ist eine von drei Gemeinden im Pastoralverbund Wittgenstein. Die Mitglieder der Gemeinde erhielten in dieser Woche Post von Hans-Josef Becker, dem Erzbischof von Paderborn. Foto: Martin Völkel
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vö - Alle Wittgensteiner, die einer drei katholischen Kirchengemeinden angehören, fanden in dieser Woche ein nicht alltägliches Schreiben in ihren Briefkästen: Hans-Josef Becker, Erzbischof von Paderborn, richtete sich ganz persönlich mit einem Brief an alle Katholiken in der Region. Und fand darin klare Worte – in einer Deutlichkeit, wie man sie von Geistlichen in seiner Position vielleicht noch nicht allzu oft gehört oder gelesen hat.

„Das vergangene Jahr hat für die Kirche im Erzbistum Paderborn wie auch für die Kirche insgesamt dazu beigetragen, sich einem großen und schmerzhaften Verfehlen nachhaltig zu stellen.“ Die deutschen Bischöfe hätten vor einigen Jahren die „MHG-Studie: Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch Kleriker“ in Auftrag gegeben. Im Herbst 2018 sei diese Studie nun veröffentlicht worden. Der Erzbischof: „Den Erkenntnissen daraus ist inhaltlich nichts hinzuzufügen. Die Ergebnisse sind für uns erschreckend und beschämend. Nichts davon ist zu relativieren. Durch Vertuschung und Verdrängung hat die Kirche in dieser Hinsicht jahrzehntelang schwere Schuld auf sich geladen. Als Kirche sind wir unserer Verantwortung vor Gott und den Menschen oft nicht gerecht geworden.“

In dem Brief habe Erzbischof Hans-Josef Becker sehr bewusst klare Worte gewählt, die als Aufruf zum Dialog an die Gläubigen zu verstehen seien, erklärte Heike Meyer, im Erzbistum Referatsleiterin für Marketing, Kommunikation und Pressearbeit, gestern auf SZ-Anfrage. Das persönliche Schreiben, das in diesen Tagen an alle Gläubigen der katholischen Gemeinden adressiert sei, sei sicherlich eine Premiere – solle aber keine Standardoption werden. „Dieses Mittel der Kommunikation ist noch nicht oft vorgekommen, aber wir möchten ganz gezielt einen Dialog vorantreiben.“ Dem Erzbischof sei es ein äußerst wichtiges Anliegen gewesen, die Dinge auf den Punkt zu schreiben, zumal die Öffentlichkeit wissen wolle, wie Kirche mit dieser langfristigen Thematik umgehe. Das bisherige Feedback der Gläubigen auf den Brief sei überwiegend positiv gewesen, weil hier eine klare Position vertreten werde. Es habe aber auch ablehnende Rückmeldungen gegeben, aus denen hervorgehe, dass man mit der Thematik auch mal abschließen müsse, so Heike Meyer.

Das sieht der Erzbischof anders, es soll kein Wegstehlen aus der Verantwortung mehr geben: „Dies wollen und werden wir konsequent ändern: Wir arbeiten nicht erst seit der MHG-Studie mit den staatlichen Ermittlungsbehörden zusammen und haben der Staatsanwaltschaft zwischenzeitlich Zugang zu allen von dort angefragten Unterlagen verschafft.“ Das Erzbistum Paderborn werde die konkreten Handlungsschritte, die die Studie empfehle, umsetzen und fortführen. Diese Konsequenzen würden zeitnah und unmittelbar erfolgen. Hans-Josef Becker: „Wir intensivieren damit die bereits seit 2010 getroffenen Maßnahmen sowie unsere umfangreiche Präventionsarbeit. Wir werden diesen eingeschlagenen Weg weitergehen und der Öffentlichkeit über die Fortschritte auf diesem Weg informieren.“

Der Erzbischof von Paderborn ermuntert die Gläubigen dennoch zu weiterer Mitarbeit: „Es gibt viele Menschen, die sich im ganzen Erzbistum Paderborn mit ihren je eigenen Talenten für das soziale Miteinander und einen lebendigen Glauben engagieren. Die Rahmenbedingungen in den größeren Pastoralen Räumen werden herausfordernder.

Umso mehr weiß ich das Engagement der Vielen zu schätzen, die in den Gemeinden das Feuer des Glaubens wachhalten – vom Einsatz in der Kinder- und Jugendarbeit, in den Gremien und verschiedenen Aufgabenfeldern bis zur Mitarbeit in Verbänden oder auch im Engagement für Flüchtlinge. Ihnen allen danke ich, dass Sie dem Glauben in unserem Erzbistum ein Gesicht verleihen.“

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