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Pilotprojekt soll im Sommer durchstarten
Noch hebt die Drohne nicht ab

Die mobile Datenübertragung im Oberzentrum ist trotz 4-G-Standards oftmals zu langsam und zu lückenhaft. Ein Risiko für die ferngesteuerte Drohne, die außerhalb der Sichtweite durch die Gegend geschickt werden soll. Foto: Stadt
  • Die mobile Datenübertragung im Oberzentrum ist trotz 4-G-Standards oftmals zu langsam und zu lückenhaft. Ein Risiko für die ferngesteuerte Drohne, die außerhalb der Sichtweite durch die Gegend geschickt werden soll. Foto: Stadt
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ch Siegen.  Erst der Druck auf das Knöpfchen der Fernbedienung in Pultform – die Drohne des Siegener Unternehmens Microdrones ist „ready for departure“, also abflugbereit. So würde ein Pilot den Status vor dem Start ins Mikrofon schnarren. Und dann würde der Tower – in diesem Fall der Drohnen-Leitstand des Mittelständlers Guntermann und Drunck im Leimbachtal – antworten: „cleared for take-off“, Startfreigabe. Doch das unbemannte Fluggerät mit seinen vier Rotorantrieben, das künftig im Rahmen eines Forschungsprojekts Blutproben zwischen der DRK-Kinderklinik auf dem Wellersberg ins Labor des Kreisklinikums fliegen soll, hebt nicht ab.

ch Siegen.  Erst der Druck auf das Knöpfchen der Fernbedienung in Pultform – die Drohne des Siegener Unternehmens Microdrones ist „ready for departure“, also abflugbereit. So würde ein Pilot den Status vor dem Start ins Mikrofon schnarren. Und dann würde der Tower – in diesem Fall der Drohnen-Leitstand des Mittelständlers Guntermann und Drunck im Leimbachtal – antworten: „cleared for take-off“, Startfreigabe. Doch das unbemannte Fluggerät mit seinen vier Rotorantrieben, das künftig im Rahmen eines Forschungsprojekts Blutproben zwischen der DRK-Kinderklinik auf dem Wellersberg ins Labor des Kreisklinikums fliegen soll, hebt nicht ab. Noch nicht: „Im Sommer können wir hoffentlich mit dem Pilotbetrieb beginnen“, sagt Dominik Eichbaum, Wirtschaftsförderer der Stadt Siegen und „KODRONA“-Projektleiter.

„KODRONA“ steht für „kooperative Drohnentechnologie und Anwendungen zur medizinischen Versorgung“. Ein Pilotprojekt. Es geht um die digitale Vernetzung von zwei Krankenhausstandorten durch die Realisierung einer ca. 2,5 km langen Flugstrecke, ein Flug außerhalb der Sichtweite also. Beflogen werden soll besagter Korridor vom Wellersberg ins Hüttental. Das Projekt soll Erkenntnisse darüber erbringen, welche Rahmenbedingungen im Zeitalter von Industrie 4.0 nötig sind, damit digitale Transportdienstleistungen zur medizinischen Versorgung in der Krönchenstadt aufgebaut werden können.

Die Stadt, der Klinikverbund „Versorgung neu Denken“ aus Kinderklinik, Kreisklinikum und St. Marienkrankenhaus, die heimische Hochschule sowie die beiden Technologie-Unternehmen arbeiten zusammen, für die Antworten auf die vielen Fragen gibt es Fördermittel: Immerhin 435 000  Euro schießt das Bundesverkehrsministerium in der ersten Phase für das Erstellen einer Machbarkeitsstudie zu. Die zweite Phase, der Pilotbetrieb, soll eben im Sommer starten, die Überführung von Thema und Technik in den Regelbetrieb „schnellstmöglich“ folgen.

Übergeordnetes Ziel von „KODRONA“ ist die Entwicklung eines Prototypen und der Aufbau der sicheren Flugstrecke außerhalb der Sichtweite der Drohne (sogenannte BVLOS, „Beyond Visual Line of Sight“) sowie der entsprechenden Start-Lande-Infrastrukturen. Dominik Eichbaum: „Wir wollen versuchen, technische, rechtliche und ethische wie sicherheitsrelevante Spielregeln für den unteren Luftraum aufzustellen. Da ist noch nicht viel geregelt! Wir sind in den vergangenen Monaten gut vorangekommen. Etwa 20 Testflüge bzw. Starts,- Landungen und Anflüge wurden mit der Drohne absolviert. Allerdings noch nicht auf der geplanten Flugstrecke“.

Die zwei Knackpunkte vor allem: Für das Projekt ist eine Sondergenehmigung durch die Luftfahrtbehörde, die zuständige Bezirksregierung in Münster, erteilt worden – „einmalig in NRW“, kommentiert Sven Jürß, Projektleiter von Microdrones. Den Starts und Landungen bzw. der Entwicklung eines Konzeptes zur Kollisionsvermeidung im Luftverkehr zwischen Helikoptern und Drohnen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Denn nach der aktuellen Rechtslage ist der Einsatz von Drohnen im Krankenhaus-Umfeld untersagt, um Zusammenstöße oder gefährliche Annäherungen mit Rettungshubschraubern zu vermeiden.

Jürß: „Das wird sich jedoch mit der neuen EU-Drohnenverordnung, die ab dem 1. Juli gilt, ändern. Zugleich müssen wir aber nicht die Paragrafen auf dem Papier ändern, um sie für das Projekt passend zu machen, sondern das Projekt muss sich in der zweiten Stufe ganz elementar mit der Erforschung von Sicherheitsmechanismen beschäftigen.“

Mit anderen Worten, und da ist sich Jürß mit Münster, den ADAC-Luftrettern des Christoph 25, der Feuerwehr, der Kreisleitstelle und der Fliegerstaffel der Polizei einig: Ein Verkehrsinformations- und Kollisionsvermeidungssystem, wie es in der allgemeinen Luftfahrt eingesetzt wird, muss auch für Drohnen her. Das benötigt Bandbreite, also schnelles mobiles Internet. Unter  anderem deswegen, weil beim Fliegen Kameras eingesetzt werden, die in Echtzeit Bilder zur Verfügung stellen sollen, damit die Drohne künftig ein „sehendes Auge“ und der Pilot im Leitstand entsprechende Informationen hat. Im Leitstand sollen die Transportflüge autorisiert, alle kooperativen Flugbewegungen erfasst und kontrolliert werden. Jürß: „Da darf es keine Latenzen bzw. Verzögerungen bei der Signalübertragung geben!“ Doch noch gibt es sie. Die Datenübertragung im Oberzentrum ist trotz 4-G-Standard zu langsam und zu lückenhaft. Jürß: „5 G, also die fünfte Generation des Mobilfunks, wird vieles beschleunigen und als Plattform taugen. Doch der Standard ist noch lange nicht ausgerollt!“

Autor:

Christian Hoffmann (Redakteur) aus Siegen

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