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Urteil könnte im Juli fallen
Noch vier Angeklagte im Burbach-Prozess

Noch "steigt" alle zwei Wochen im Hüttensaal der Siegerlandhalle der Burbach-Prozess, in ihrer finalen Phase könnte die Verhandlung jedoch in das Landgericht Siegen umziehen.
  • Noch "steigt" alle zwei Wochen im Hüttensaal der Siegerlandhalle der Burbach-Prozess, in ihrer finalen Phase könnte die Verhandlung jedoch in das Landgericht Siegen umziehen.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

mick Siegen. Vier Angeklagte sitzen im Burbach-Prozess aktuell noch alle zwei Wochen im Hüttensaal der Siegerlandhalle. Wenn es nach der Kammer geht, zieht die Hauptverhandlung spätestens im Juni, beim übernächsten Termin, ins Landgericht um. Und am 7. Juli könnte das Urteil gegen die vier Männer fallen. Zwei von ihnen haben sich noch nicht zu den Vorwürfen eingelassen, wollen darüber bis zum 28. Mai nachdenken. An diesem Mittwoch möchte das Gericht die Beweisaufnahme schließen. Wobei weitere Anträge nicht völlig ausgeschlossen sind.
Unstimmigkeiten zum "Foto-Vorfall" in Burbach
Rein praktisch gibt es noch Nachfragen zur Einlassung von Wachmann H. vor zwei Wochen.

mick Siegen. Vier Angeklagte sitzen im Burbach-Prozess aktuell noch alle zwei Wochen im Hüttensaal der Siegerlandhalle. Wenn es nach der Kammer geht, zieht die Hauptverhandlung spätestens im Juni, beim übernächsten Termin, ins Landgericht um. Und am 7. Juli könnte das Urteil gegen die vier Männer fallen. Zwei von ihnen haben sich noch nicht zu den Vorwürfen eingelassen, wollen darüber bis zum 28. Mai nachdenken. An diesem Mittwoch möchte das Gericht die Beweisaufnahme schließen. Wobei weitere Anträge nicht völlig ausgeschlossen sind.

Unstimmigkeiten zum "Foto-Vorfall" in Burbach

Rein praktisch gibt es noch Nachfragen zur Einlassung von Wachmann H. vor zwei Wochen. Erst liefert er eine Stellungnahme zu einem vergessenen Anklagepunkt nach, an den er keine Erinnerung hat, vielmehr sicher ist, seinen Dienst an jenem Tag getauscht zu haben.
Dann gibt es Unstimmigkeiten zum berüchtigten „Foto-Vorfall“, Widersprüche zu den Angaben eines Mitangeklagten und auch zu einer lange zurückliegenden Aussage bei der Polizei. Damals hatte H. vorgetragen, einen anderen Wachmann – der mehrfach wegen Übergriffen aufgefallen ist und separat vor Gericht stehen wird – angebrüllt zu haben, als der damit begann, den gefesselten und regungslosen Bewohner mit einem Gummiknüppel zu schlagen. Worauf der Kollege die Waffe weggeworfen habe. Vor 14 Tagen sagte H. allerdings aus, dem anderen den Knüppel weggenommen zu haben. Die damalige Version stimme, lässt er durch seinen Anwalt bestätigen, die sei näher an den Vorfällen gemacht worden.

Geschädigter mit Alkohol und Drogen zugedröhnt

Wenn es hingegen Unterschiede zur Darstellung anderer Angeklagter gebe, so müssten diese sich wohl unrichtig erinnert haben. Da bleibe der Mandant bei seiner Aussage. Oberstaatsanwalt Christian Kuhli möchte danach wissen, warum H. so sicher ist, dass der Bewohner bewusstlos gewesen sei, als er ihm den Fuß auf den Nacken stellte. Der Geschädigte sei aus Sicht des Angeklagten mit Alkohol und Medikamenten völlig zugedröhnt gewesen, habe sich längere Zeit nicht gerührt, antwortet der Anwalt. H. sei dann aber auch aus dem Zimmer gegangen, im festen Glauben, dass seine Kollegen auf den Mann achteten und einen Krankenwagen gerufen hätten. Damit wird auf eine weitere Frage Kuhlis reagiert, der wissen wollte, ob der Betroffene medizinische Versorgung erhalten hätte.

Im Anschluss liest Anwalt Daniel Walker nach Plan ebenfalls eine Einlassung vor. Sein Mandant O. ist in 25 Fällen angeklagt, überwiegend Freiheitsberaubungen, allerdings geht es auch um Nötigung und Beihilfe zur Körperverletzung. Der 54-Jährige weist die meisten Anschuldigungen zurück, gibt allerdings mit großem Bedauern eine Ohrfeige zu. Da sei ein Bewohner über den betreffenden Tag mehrfach beim Rauchen erwischt worden. Am Abend sei er wieder auffällig geworden, habe versucht, die brennende Zigarette unter einem Kissen zu verstecken, ihm ins Gesicht gespuckt und versucht, ihn zu schlagen.

Sozialbetreuer sollten das letzte Wort haben

O. habe den Bewohner wegstoßen wollen, ihm allerdings eine Ohrfeige versetzt. Darüber sei er direkt im Anschluss selbst entsetzt gewesen, hätte es aber nicht mehr rückgängig machen können, liest Daniel Walker für den Angeklagten vor. Dieser lässt betonen, sonst nie getreten und geschlagen zu haben. Er sei von Anfang an mit den Verhältnissen in Burbach nicht glücklich und oft auch entsetzt gewesen, habe darüber auch immer wieder mit seinen Vorgesetzten gesprochen.

Die hätten allerdings stets darauf bestanden, dass die Sozialbetreuer das letzte Wort hätten: „Wer das nicht wollte, konnte gehen oder wurde entlassen.“ Mehrfach sei es zu Auseinandersetzungen gekommen, wenn Wachleute sich gegen die Anweisungen der Sozialbetreuer gestellt hätten, weil sie diese unangemessen gegenüber den Bewohnern empfanden. O. beruft sich darauf, auf den Job angewiesen gewesen zu sein. Aus heutiger Sicht halte er das Verhalten in der Einrichtung für falsch und bedauere viele Dinge.

Er hoffe, dass die betroffenen Bewohner auch andere Eindrücke von Deutschland hätten gewinnen können. Er sei damals aber davon ausgegangen, sich nicht strafbar zu machen, weil er sich an Anweisungen gehalten habe und die Polizei über alles informiert gewesen sei: „Die haben uns gesagt, sperrt die Leute ein. Ihr habt doch ein Zimmer dafür. Ruft uns nicht immer an.“ Deren Zellen seien voll gewesen.

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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