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Busfahrer aus Leidenschaft
„Nodda Gerhard, mach’s gut“

Busfahrer aus Leidenschaft: Gerhard Bettermann hat sich zum Abschied den Wunsch erfüllt, noch einmal einen regulären Bus zu steuern – zwei Touren mit hauptsächlich Schülern zum Hauptbahnhof Siegen.
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mir Siegen. Seit Mittwoch fahren die VWS-Busse mit einem einmaligen Slogan auf dem Routenanzeiger durch Siegen: „Nodda Gerhard, mach’s gut“. Gemeint ist Gerhard Bettermann, seit Jahrzehnten verkörpert er in der Öffentlichkeit die Vekehrsbetriebe Westfalen-Süd (VWS), jetzt tritt er in den Ruhestand.

Heimlich, still und leise hat Klaus-Dieter Wern als Senior-Chef der Wern-Group die Aktion vorbereitet. Und sich diebisch gefreut über jeden Bus, der mit der Beschriftung auf Tour gegangen ist. „Eine schöne Aktion, das tut gut, das ist Wertschätzung“, schmunzelt Bettermann beim Gespräch mit der SZ.
Auch als Betriebsleiter hinterm Steuer
40 Jahre hat Gerhard Bettermann im harten Bus-Business zugebracht.

mir Siegen. Seit Mittwoch fahren die VWS-Busse mit einem einmaligen Slogan auf dem Routenanzeiger durch Siegen: „Nodda Gerhard, mach’s gut“. Gemeint ist Gerhard Bettermann, seit Jahrzehnten verkörpert er in der Öffentlichkeit die Vekehrsbetriebe Westfalen-Süd (VWS), jetzt tritt er in den Ruhestand.

Heimlich, still und leise hat Klaus-Dieter Wern als Senior-Chef der Wern-Group die Aktion vorbereitet. Und sich diebisch gefreut über jeden Bus, der mit der Beschriftung auf Tour gegangen ist. „Eine schöne Aktion, das tut gut, das ist Wertschätzung“, schmunzelt Bettermann beim Gespräch mit der SZ.

Auch als Betriebsleiter hinterm Steuer

40 Jahre hat Gerhard Bettermann im harten Bus-Business zugebracht. „Am ersten Tag bin ich Bus gefahren, am letzten soll es wieder so sein“, sagt der scheidende Betriebsleiter: Am Freitagmorgen hat er nochmals Schüler vom PPR-Gymnasium und von der Waldorfschule zum Bahnhof gefahren. Als Busfahrer aus Leidenschaft. Selbst im Rang des Betriebsleiters hat er sich hinters Steuer gesetzt. Etwa bei der praktischen Planung für den Hübbelbummler: „Die Fußgängerzone hoch fahren geht ja, am Karstadt ist es eng geworden, zwei Laternen mussten weichen, und trotzdem hat noch ein Blech an einer Hausecke gekratzt.“

In den vier Jahrzehnten hat sich so dermaßen viel verändert. Nach seinem Start im November 1981 hat Bettermann sechs Jahre durchgehend hinterm Steuer gesessen. „Damals wurde die EDV eingeführt, da habe ich mich gemeldet. Bis dahin wurde der Dienstplan noch mit dem Bleistift geschrieben.“

Nach der Arbeit saßen die Fahrer am Knobeltisch

Weiterbildungen folgten, 1996 der Sprung zum stellv. Betriebsleiter. 30 Jahre vertrat er die VWS/Wern-Interessen im Verkehrsausschuss, in Beiräten und Verbänden, jetzt ist auch damit Schluss.

Busfahren heute und damals, das sind zwei Paar Schuhe: „Früher bist du neunmal am Tag nach Kaan und zurück gefahren, zehn Minuten Wartezeit jeweils. Das ist heute unvorstellbar“, blickt er zurück und zeigt auf eine Ecke in seinem Arbeitszimmer: „Hier auf der Etage war die Kantine mit Knobeltisch, nach der Arbeit blieben die Fahrer noch hier, aber nicht jeder war am Knobeltisch zugelassen.“

Beim Vorher-Nachher-Vergleich dürfen Zahlen nicht fehlen: 387 Fahrer im Jahr 1981, jetzt sind es in Diensten von VWS und Suerlänner noch 70, seit 1995 haben die VWS keinen neuen Fahrer mehr eingestellt.

Zahlreiche Busse der Wern-Group verabschieden sich in diesen Tagen von „ihrem“ Betriebsleiter mit entsprechender Beschriftung.
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Bettermann wurde zum Oberbetriebsleiter

2006 war es vorbei mit den Verkehrsbetrieben in kommunaler Regie, die Bonner Stadtwerke stiegen ein. Und Bettermann musste sich mit den Immobilien der VWS befassen. Ein Triple-Schritt. 2009 der nächste Wechsel, Transdev wollte Siegen zum Brückenkopf der geplanten Expansion in ganz Deutschland ausbauen. „Der Geruch der großen Welt zog ein.“ Bettermann wurde befördert zum „Oberbetriebsleiter“ von fünf Transdev-Ablegern im Westerwald und am Rhein. „Mein Dienstsitz war das Auto, aber eine interessante Zeit mit leistungswilligen Kollegen.“

Seit 2012 hat Klaus-Dieter Wern das Ruder bei den Verkehrsbetrieben übernommen. Aber warum funktionierte das Transdev-Modell nicht? „Man muss hier tätig und verwurzelt sein, dann geht es. Schaldach war immer da, Wern ist es auch, man muss die Politik kennen“, verrät Bettermann seine Innensicht der Dinge.

„Meine Heimat war der Betrieb“

Noch läuft der Nahverkehr im eigenwirtschaftlichen Betrieb mit der Wern-Group, 2023 soll ein neuer Nahverkehrsplan aufgelegt werden. „Ich glaube nicht, dass es in der Weise weitergehen kann wie bisher. In den Kernbereichen wird der ÖPNV verpflichtend da sein müssen. Aber das Fahrgeld allein reicht nicht, man wird andere Lösungen suchen müssen“, sagt der Verkehrsexperte. Heißt: Des Steuerzahlers Geld wird gebraucht, das Schülerticket als Stützmaßnahme reicht nicht.

E-Busse, noch ein Thema mit Geldbezug. Bettermann glaubt nicht an einen Siegeszug dieser Technik im Busgewerbe. Weil E-Busse um ein Vielfaches teurer sind. „Das können sich nur Stadtwerke leisten, aber keine privaten Busunternehmen“, sagte der Experte. „Wasserstoff ist eher geeignet“ als Treibstoff der Zukunft.

Dauerhaft bleibt die Gewissheit, „meine Heimat war der Betrieb“. Mit Begeisterung ist Bettermann Bus gefahren. Deshalb erinnert er sich gerne an die ersten Gelenkbusse in Siegen: „Die haben wir noch in Augsburg abgeholt, das waren seitdem unsere Augsburger Puppenkisten.“

Busfahrer aus Leidenschaft: Gerhard Bettermann hat sich zum Abschied den Wunsch erfüllt, noch einmal einen regulären Bus zu steuern – zwei Touren mit hauptsächlich Schülern zum Hauptbahnhof Siegen.
Zahlreiche Busse der Wern-Group verabschieden sich in diesen Tagen von „ihrem“ Betriebsleiter mit entsprechender Beschriftung.
Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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