Nötigung auf Weihnachtsfeier?

Ein 28-Jähriger soll seine Kollegin auf einer Weihnachtsfeier sexuell bedrängt haben - das Gericht sah das als nicht erwiesen an. Archivfoto: SZ
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pebe - Weil er auf einer alkoholgetränkten Weihnachtsfeier übergriffig gewesen sein sollte, landete jetzt ein 28-Jähriger vor dem Siegener Schöffengericht. Er habe während der Feier eine Kollegin in eine Toilette gedrängt, sie an Brust und Gesäß mit den Händen berührt und versucht, ihre Hose zu öffnen, klagte Staatsanwalt Markus Bender eine versuchte sexuelle Nötigung an.

Diesen Vorwurf wies der Angeklagte weit von sich. Er habe zusammen mit seiner Kollegin bereits vorher „Spaß gehabt“. Auf der Toilette hätten sie sich mit intensivem Blickkontakt wieder getroffen – er habe sie jedoch nicht gedrängt. Als er ihr in der Kabine ans Gesäß gefasst habe, habe sie ihn sofort zurückgewiesen – „das war’s“, außerdem habe er „es nicht nötig“. Kurz darauf sei seine Kollegin auf ihn zugekommen, habe ihn „Frechdachs“ gescholten, habe ihm eine Ohrfeige gegeben und dann gesagt, sie müssten reden.

„Ich habe sie nicht in die Kabine geschubst“, es sei vielmehr ein „Reinwinken“ gewesen, erklärte er später auf Nachfrage des Staatsanwalts. Die Tür habe er geschlossen, „die anderen sollten ausgesperrt werden“. „Das ist alles sehr menschlich“, erklärte Stark, „aber wir müssen sehen, wo die Strafbarkeit beginnt.“ Der Angeklagte meinte, als er gemerkt habe, „dass sie nicht will, hab’ ich aufgehört“.

„Er drückte mich in die Kabine, schloss die Tür ab und fing an, mich zu begrapschen“, erinnerte sich dagegen die Kollegin des Angeklagten. Sie habe gesagt, dass sie sein Verhalten nicht in Ordnung finde, dann hätten sie die Kabine der Damentoilette wieder verlassen. „Hätte er Sie denn vorher falsch verstehen können?“ hakte Stark nach. Antwort: „Meiner Ansicht nach nicht.“ Bis auf einen kurzen Wortwechsel habe es zuvor keinen Kontakt gegeben. Später hätten beide sich über den Vorfall unterhalten. „Es gibt ein Vakuum zwischen dem, was nicht in Ordnung und dem, was strafbar ist“, überlegte der Richter. „Finden Sie, dass dieser Vorfall bestraft werden muss?“ Die Zeugin nickte: Sie finde dieses Verhalten grundsätzlich falsch, „man kann jemandem nicht aufdrängen, was der nicht möchte“.

Eine Freundin der Zeugin berichtet, sie habe gesehen, dass der Angeklagte ihre Bekannte in die Kabine geschubst habe. Was dort geschehen sei, wisse sie nicht. Das Schubsen sei aber „keine richtige Gewalt“ gewesen. Er habe sie an den Handgelenken gehalten, sie habe sich aber von ihm gelöst und gesagt: „Wir reden gleich darüber.“ Ob die Situation auf der Feier, auf der kräftig dem Alkohol zugesprochen wurde, „flirty“, also recht locker, gewesen sei, fragte Bender. Die Zeugin bestätigte dies. Später hätten die beiden zusammen gesessen und geredet, sie habe wissen wollen, warum er so gehandelt habe.

Den Tatvorwurf, so Bender im Plädoyer, sehe er nicht bestätigt. Deshalb fordere er Freispruch. Freispruch forderte auch Verteidiger Björn Lange. Zum „Freispruch“ kam schließlich auch das Gericht. Es gebe „keinen stichhaltigen Grund“ für den Tatbestand.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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