Nuhr längst kein sauer Bier mehr

Zehn Jahre multifunktionales Medien- und Kulturhaus Lÿz / »Konzept ist voll aufgegangen«

zel Siegen. Dieter Nuhr wurde den Machern des Kultur!Büros des Kreises Siegen-Wittgenstein vom Agenten förmlich aufs Auge gedrückt. »Der Hüsch spielt nur, wenn ihr den Nuhr auch nehmt«, so ungefähr muss das damals geklungen haben. Heute füllt Dieter Nuhr die großen Hallen und muss keineswegs angepriesen werden wie sauer Bier. Daran ist auch ein bisschen das Lÿz »schuld«.

Zehn Jahre gibt es das Medien- und Kulturhaus an der Siegener St.-Johann-Straße 18 – fast auf den Tag genau. Am 9. November 1996 war Premiere im umgebauten Oberlyzeum: Der Jazzclub Oase präsentierte eine American Jazz Night. Zehn Jahre Medien- und Kulturhaus Lÿz nahmen die Verantwortlichen gestern zum Anlass, auf die Anfänge zurückzublicken, die Struktur und Programmgestaltung des Hauses zu erläutern und einen Ausblick auf die (nahe) Zukunft zu geben – schon morgen Abend beginnt die zehn Tage dauernde Geburtstagsfete. Dafür macht sich das Lÿz mit einer Lichtskulptur hübsch. Landrat Paul Breuer erinnerte an die wechselvolle Geschichte des Hauses, das 1887 als höhere Mädchenschule/Lyzeum gebaut worden war (und damit im nächsten Jahr sein 120-jähriges Bestehen feiert). 1945 wird es bei einem Bombardement fast völlig zerstört. Es wird notdürftig wieder aufgebaut. Seine erste kulturelle Blütezeit erfährt das Lyzeum bis zur Eröffnung der Siegener Stadtbühne 1955: Unter anderem gastieren hier das »Düsseldorfer Kommödchen« und »Die Zeitberichter«. Das Kultur!Büro des Kreises zieht 1989 ein, die studentischen Kabarettisten der »Widerha(r)ken« proben hier, seit 1993 steht das LÿzMixVarieté regelmäßig auf dem Spielplan.

Die neue Zeitrechnung beginnt 1996 nach Diskussionen über die Kultur als weichen Standortfaktor, wie Breuer ausführte. Eine Analyse der Kulturszene ergab ein Bedürfnis, das Medienzentrum des Kreises, die Fortbildungsakademie Medien, ein lebendiges Kulturangebot samt Gastronomie in einem Haus anzubieten – »über alles Kirchturmdenken hinweg«, so Breuer. Das Land half beim erneuten Um- und Ausbau (Schauplatz mit 300 Sitzplätzen, Regieraum, Umbau des Kleinen Theaters, Tagungs- und Veranstaltungsräume, Glasfoyer etc.) mit einer großzügigen Förderung. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 4,5 Mill. DM. »Das Konzept ist voll aufgegangen«, lobte Breuer, denn »Kultur zahlt sich hier aus«. Nicht nur in der heimischen Region, sondern auch darüber hinaus (etwa zwischen Köln, Hagen und Gießen) werde das Angebot 100-prozentig angenommen.

Etwa 800000 Menschen hätten den »Gesamtorganismus« Lÿz in zehn Jahren besucht, führte Kulturreferent Wolfgang Suttner aus, davon 350000 die Kulturveranstaltungen und -events. Die anderen nahmen an Symposien, Incentives, Medienseminaren und Schulungen teil. Ein Highlight in der Lÿz-Geschichte – und sein größter (finanzieller) Erfolg war 1999 die Paul-McCartney-Ausstellung, die fast 40000 Menschen im zum Museum umgebauten Alten Lyzeum gesehen haben. Suttner umriss die Kernkompetenzen des Medien- und Kulturhauses: Varieté, regionales Kabarett, Jazzmusik, Kultur4You für junge Besucher, Laien- und Studententheater, besondere Literatur und große Medienproduktionen. Nicht so gut gelaufen seien medientechnische Produktionen (wie z.B. »Stage TV« aus der Schweiz) oder die Rave- und Hardrock-Veranstaltungen.

Das Medien- und Kulturhaus Lÿz habe keinen Programmetat, erklärte Organisationsleiter Georg Klein, sondern erwirtschafte seine Mittel selbst, zum Beispiel durch Sponsoring, durch die Vermietung von funktionstüchtigen Räumlichkeiten an spielfreien Tagen und durch die Eintrittsgelder. »Wir sehen uns als Dienstleister«, erklärte Klein, »unser Ziel sind zufriedene Kunden«. Die große Zahl von Veranstaltungen (mittlerweile etwa 200 pro Jahr) setze sich aus eigenen und solchen unterschiedlicher Kooperationspartner zusammen, etwa Jazzclub Oase, 1. Förderclub für Kleinkunst und Varieté (FCKV), Filmclub Kurbelkiste, Kleine Bühne Seelbach...). Ein Zuschuss von rund 10000 Euro nehme sich im Vergleich zum Angebot verschwindend gering aus.

Zum Geburtstag zeigt das Kultur!Büro die Ausstellung »Die Welt als Cabaret« des deutschen Kabarettarchivs (ab 9. November) und ein Geburtstagsprogramm (bis 19. November), das laut Spielplanmacher und Öffentlichkeitsarbeiter Andreas Schmidt in zehn Tagen fast alles zeigt, was das Haus zu bieten hat (siehe Kasten). Ach, übrigens: Dieter Nuhr kommt auch wieder. Am 16. Januar 2007 mit einer Vorpremiere seiner Lesung »Nuhr die Wahrheit« ––bevor er die großen Hallen der Republik füllen wird. Diesmal sind die Programmmacher im Siegener Lÿz mehr als dankbar...

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