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Tornados im Siegerland
Nur eine Frage der Zeit?

Tornados sind vor allem aus den USA bekannt. Doch heftige Unwetter kamen in jüngster Vergangenheit auch immer wieder in der Krönchenstadt vor. Müssen wir künftig auch mit Wirbelstürmen rechnen?
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Unweit der Krönchenstadt hat ein heftiger Tornado vor wenigen Tagen ein Bild der Verwüstung hinterlassen. Entwurzelte Bäume liegen auf den Straßen, Dachpfannen fehlen auf den Dächern, eingeschlagene Fenster, egal wo man hinsieht: Trümmer und Müll. Aber wie entsteht eigentlich ein Tornado, kann man sich überhaupt darauf vorbereiten und müssen auch wir womöglich schon bald mit einem ähnlichen Szenario wie in Paderborn rechnen? 

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Unweit der Krönchenstadt hat ein heftiger Tornado vor wenigen Tagen ein Bild der Verwüstung hinterlassen. Entwurzelte Bäume liegen auf den Straßen, Dachpfannen fehlen auf den Dächern, eingeschlagene Fenster, egal wo man hinsieht: Trümmer und Müll. Aber wie entsteht eigentlich ein Tornado, kann man sich überhaupt darauf vorbereiten und müssen auch wir womöglich schon bald mit einem ähnlichen Szenario wie in Paderborn rechnen? 

Tornados im Siegerland: Klimaforscher prognostizieren steigende Wahrscheinlichkeit

ap Siegen/Friesenhagen.  "Irgendwann wird es auch das Kreisgebiet mal fürchterlich erwischen." So lautet die Prognose des heimischen Wetterexperten Carsten Beyer, wenn man ihn nach der Wahrscheinlichkeit eines solchen (Un)wetterphänomens in unserer Region fragt. Für den Betreiber von "Meteo Siegerland" ist es also nur eine Frage der Zeit, bis es uns trifft. So richtig ernst genommen würden solche Warnungen jedoch nicht. "Ich lese es so oft bei mir auf der Seite: 'Das zieht doch eh vorbei' oder dass die Warnungen total übertrieben sind", schildert Beyer. "Wenn dann aber tatsächlich nichts kommt, verliert man die Glaubwürdigkeit." Deshalb gibt der Hobbymeteorologe regelmäßige Updates, sollte die Wetterlage eindeutiger werden oder sollten nur bestimmte Ortschaften betroffen sein.

Lippe entging nur knapp einer Katastrophe

Doch genau hier liegt bei Tornados das Problem: "Sie entstehen meist ohne Vorwarnung und man kann nur einen Wahrscheinlichkeitsbereich vorhersagen", schildert Konrad Dietershagen, der eine Wetterstation in Friesenhagen betreibt. Demnach könne man maximal eine halbe Stunde für ein Gebiet vorwarnen. "Man kann morgens nicht sagen, ob abends ein Tornado aufkommt", resümiert Dietershagen. Das liegt unter anderem daran, dass Entstehung und Eigendynamik an spontane Auf- und Abwinde gekoppelt sind. "Wenn eine Gewitterwolke anrückt und die warme Luft von unteren Atmosphären in die Höhe schießt, entstehen Ströme, die sich verwirbeln. Deshalb spricht man auch von einem Wirbelsturm. Und dieser kann mit der Wolke weiterziehen", erklärt der Fachmann.

Ob die Wahrscheinlichkeit dafür höher ist als noch vor einigen Jahren, wird kontrovers diskutiert. Während der populäre Wetterexperte Jörg Kachelmann die steigende Zahl der Tornados auf den Klimawandel zurückführt, vermutet der heimische Meteorologen noch einen anderen Grund. "Je länger man zurückschaut, desto weniger Wirbelstürme gab es. Das liegt unter anderem daran, dass man diese damals schlechter dokumentiert hat", glaubt Dietershagen. "Heutzutage hat jeder ein Smartphone, um das Unwetter medial zu verbreiten, und in den sozialen Medien zu verfolgen."

Tornados im Siegerland – Feuerwehr: "Wir können nur die Konsequenzen angreifen!"

Nichts anderes bleibt der heimischen Feuerwehr. Denn genauso schnell und unerwartet, wie ein Tornado kommt, geht er meist auch wieder. "Was bringt dann eine Warnung?", fragt Siegens Feuerwehr-Chef Matthias Ebertz. "Dass die Menschen fragen stellen, ist doch klar. Aber wie sollen wir uns vorbereiten? Es gibt keine Reaktionszeit. Wenn ein Tornado einmal da ist, bekommen wir ihn auch nicht mehr gestoppt." Das zeige der jüngste Vorfall in Paderborn: Der Sturm habe zwar eine massive Zerstörung angerichtet, doch nach zwei Minuten sei alles vorbei gewesen. "Wir können nur die Konsequenzen angreifen", so Ebertz weiter. 

Was die Feuerwehr aber dennoch macht: bei einer Unwetterwarnung alles für den Ernstfall organisieren. "Wir rufen nicht erst unsere Leute, wenn das Unwetter wütet. Die sitzen dann schon bereit, damit wir sofort loslegen können." Zwar warte man in und um die Krönchenstadt auch manchmal stundenlang "umsonst" auf einen Einsatz, da die Region aufgrund ihrer topografischen Lage oftmals verschont bleibt – aber besser so als anders. 

Der Leiter der Siegener Feuerwehr folgert: "Es ist unheimlich schwierig, rechtzeitig zu warnen und vor allem nicht zu überwarnen. Denn wenn ich das dreimal mache, liest die Warnung beim vierten Mal keiner mehr. Die Datenlage sollte vorher relativ sicher sein, aber bei Tornados ist das eben nicht möglich."

Autor:

Alexandra Pfeifer

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