Nur Hunde stören (noch)

mir Weidenau. Die Fakten sind klar, alle Gremien haben längst zugestimmt: Am 1. August startet der Wald- und Naturkindergarten „Die Wiesenpieper“ im Tiergarten seinen Betrieb. 15 Kinder, davon zwei besonders bezuschusste neue U 3-Plätze, werden das neue Angebot von 8 bis 13 Uhr mit drei Erzieherinnen begründen. 14 Plätze sind belegt, wie Leiterin Gabriele Buhl-Berghäuser dem Bezirksausschuss Weidenau gestern berichtete.

Ausgangspunkt ist ein zehn Meter langer Bauwagen, der knapp 200 Meter von der Grillhütte entfernt positioniert werden soll. Das feste Dach über dem Kopf soll allerdings nur genutzt werden, wenn die Witterung einen Aufenthalt draußen nicht zulassen sollte. Also, kein Verwahren der Kinder mit der Heizung im Rücken, sondern Natur pur erleben ist angesagt. Wie in jedem Kindergarten wird es einen Begrüßungskreis mit Lied, Spielen und Gesprächen geben, das Frühstück wird gemeinsam im Bauwagen eingenommen oder nach einer Wanderung im Wald. Freies Spiel im Wald gehört zum Tagesablauf, daneben auch Erzählen, Bilderbuch „lesen“ oder auch mal Basteln plus ein Abschiedskreis am Bauwagen.

Das alles interessierte den Ausschuss gestern weniger. SPD, FDP und Grüne wünschten dem bisher einmaligen Projekt in Siegen-Wittgenstein viel Erfolg, lobten die Initiative und zeigten sich durchweg sehr angetan. Zumal die „Wiesenpieper“-Leiterin die positiven Akzente hervorhob: Die Kinder seien motorisch nach ihrer Kiga-Zeit gut ausgebildet, hinzu kämen soziale Effekte, weil man sich in der freien Natur eben gegenseitig brauche und die Naturgegebenheiten schätzen lerne. Vom Konzept her soll die Gruppe recht minimalistisch arbeiten: 30 Liter Wasser pro Vormittag reichen aus, ein Gasherd steht zur Verfügung, außerdem eine Komposttoilette. Strom aus einer RWE-Leitung gibt es nicht, die Energie kommt aus einer eigenen Photovoltaik-Anlage.

Und doch gab es gestern besorgte Nachfragen, etwa von Wilhelm Rothenpieler (CDU). Andere Kindergarten müssten alles akkurat nachweisen, nicht ein Tropfen aus der Toilette dürfe daneben gehen. Dr. Raimund Jung (Stadtverwaltung): „Das Landesjugendamt hat alles geprüft, die sind noch penibler als wir. Es ist alles okay.“

Auch die Betriebskosten seien geregelt. Und die zwei U 3-Plätze habe man nicht umsonst eingeplant, sondern wegen der recht üppigen NRW-Förderung von bis zu 20 000 Euro pro Platz. Dr. Jung: „Alles in allem ein recht kostengünstiges Angebot.“Ein Problem ist ungelöst: die vielen Hunde im Weidenauer Tiergarten und auf dem früheren Panzergelände. Ingo Janson (CDU) sprach vom „größten Freilaufgebiet für Hunde in der Stadt Siegen. Dort ist es ganz extrem.“ Unliebsame Hunde-Begegnungen hätten etwa auch die Kinder der Gruppe Waldritter, die sich freitags im Tiergarten aufhalten. Dr. Jung als bekennender Hundebesitzer wehrte ein wenig, riet zur Kontaktaufnahme mit dem dortigen Hundeverein und vermehrter Öffentlichkeitsarbeit. Ja, ergänzend soll es eine Einwohnerversammlung geben.Und noch etwas bewegte den Bezirksausschuss: Im Tiergarten und auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz tummelt sich viel Wild. Von plötzlich auftauchenden Wildschweinen war gestern die Rede. Auch da wehrte Dr. Jung: „Das habe ich auch schon erlebt. Nichts ist passiert, nur mein Hund ist stiften gegangen.“Die positiven Startsignale für die „Wiesenpieper“ mochte Peter Mörbitz (SPD) nicht zerredet bekommen. Sein Appell: „Das ist eine gute Sache. Und wenn es partout nicht klappt, der Wagen hat vier Räder.“

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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