Nur Verlierer auf der „Alm“?

 Ein vielleicht schon „historisches“ Bild: Im schlimmsten Fall haben die Mountain-Biker von „Ski und Freizeit“ Betzdorf am Samstag ein letztes Mal während einer Saisoneröffnungsfahrt Station an der „Alm“ gemacht. Foto: thor
  • Ein vielleicht schon „historisches“ Bild: Im schlimmsten Fall haben die Mountain-Biker von „Ski und Freizeit“ Betzdorf am Samstag ein letztes Mal während einer Saisoneröffnungsfahrt Station an der „Alm“ gemacht. Foto: thor
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thor - Eigentlich passte am Samstag alles: Wetter, Strecke, Beteiligung, Rahmenprogramm. Knapp 60 alte und junge, große und kleine Mountain-Biker nahmen an der Saisoneröffnungsfahrt von „Ski und Freizeit“ Betzdorf teil, die von der Betzdorfer Stadthalle über die Brucher Grillhütte bis zum Technikmuseum der Fa. Mann nach Langenbach führte. Viel wurde erzählt, viel wurde gelacht – dennoch war am Ende dem einen oder anderen doch ganz anders zumute. Denn fast schon traditionell kehrten die Radler zum Abschluss in der „Alm“ oberhalb von Dauersberg ein, vielleicht zum letzten Mal im Rahmen einer Saisoneröffnung.

Seit die Siegener Zeitung in der vergangenen Woche über das drohende Aus des Ausflugslokals berichtet hatte, ist die „Alm“ zu einem Top-Thema in der Region geworden. In den sozialen Netzwerken wird ebenso heftig diskutiert wie in privaten Freundeskreisen. Vielfach hört man: Das kann es doch nicht gewesen sein, die müssen sich einigen, die „Alm“ muss doch eine Zukunft haben. Genau darüber wird sich die SZ in den nächsten Tagen auch mit den beiden Eigentümern des Geländes, Rüdiger Schneider und Peter Stratmann, unterhalten. Beide hatten sich nach eigenen Angaben bislang bewusst bedeckt gehalten, wollen aber nach den Äußerungen von „Alm“-Wirt Stefan Acher nun ebenfalls an die Öffentlichkeit gehen.

Aus vielen Reaktionen wird ersichtlich, dass kaum jemand direkt Partei für die eine oder andere Seite ergreifen will, es geht prinzipiell nur um das Lokal. Natürlich werden auch in beide Richtungen Vorwürfe laut, die sich in etwa so zusammenfassen lassen, dass Acher nur verbrannte Erde hinterlassen will, während Schneider und Stratmann wiederum nicht bereit waren und sind, dem Gastronom eine angemessene Summe für die „Alm“ zu zahlen. Um es direkt klarzustellen: An dieser Stelle wird es keine Schlammschlacht geben. Denn dass es hier längst nicht mehr nur um monetäre und betriebswirtschaftliche, sondern auch um erhebliche zwischenmenschliche Differenzen geht, müsste inzwischen auch dem letzten klar sein.

Acher jedenfalls ist auch aufgrund der Spannungen fest gewillt, die Hütte wieder in den Zustand zu versetzen, in dem er sie vor zwölf Jahren angetroffen hat – und wie es auch vertraglich geregelt ist. Der von ihm selbst gewählte Begriff vom „Abriss“ trifft die Sache übrigens nicht ganz: Er will alle von ihm durchgeführten Anbauten entfernen – und auch den von ihm auf eigene Kosten verlegten Kanal. Denn als „Schwarzbau“, und nichts anderes war das ehemalige Wochenendhaus, hatte die Hütte seinerzeit natürlich auch keinen Anschluss. Ohnehin muss das Verhalten des früheren und inzwischen verstorbenen Eigentümers, der erst Acher einen Pachtvertrag für ein illegales Gebäude hat unterschreiben lassen und dann die neuen Investoren über die tatsächlichen Gegebenheiten auf der „Alm“ falsch informiert hatte, mehr als kritisch hinterfragt werden.

Sollten Schneider und Stratmann wieder in den Standort investieren wollen, sind sowohl neue Baugenehmigungen als auch eine neue Konzession für den gastronomischen Betrieb notwendig. Fachleute schätzen das als sehr schwierig, aber nicht unmöglich ein. Fakt ist, dass es ohne erneute politische Unterstützung kaum zu bewerkstelligen ist. So müssen z. B. nicht nur die Naturschützer der Unteren Landespflege der Kreisverwaltung „beruhigt“ werden, auch der Verlauf der geplanten Ortsumgehung Steineroth sollte in den Genehmigungsverfahren mal kurz vergessen werden. Auch wird das Ganze dann nicht mehr unter dem Namen „Alm“  laufen können, denn den soll sich Acher rechtlich gesichert haben.

Bei aller Ratlosigkeit war am Samstag unter den Bikern von SuF eine Meinung zu hören, die durchaus als mehrheitsfähig durchgehen kann: Nach dem derzeitigen Stand der Dinge gibt es nur Verlierer. Schneider und Stratmann laufen Gefahr, eine sechsstellige Summe in den Sand zu setzen, Acher muss damit rechnen, dass der „Dorfkrug“ in Dauersberg nicht so angenommen wird, wie er es sich vorstellt, zumal die Lage keinen Vergleich mit der „Alm“ standhält. Zu den Verlierern gehören dann aber auch zahlreiche Freunde und Gäste der „Alm“ und die Region selbst. Und genau deshalb ist es eben kein privater Streit, sondern eine Sache von öffentlichem Interesse. Thorsten Stahl

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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