SZ

„Rekonstitution“ notwendig
Nur wenige Apotheken können Corona-Impfstoff aufbereiten

An der Edelstahl-Werkbank in der Apotheke des St.-Marien-Krankenhauses werden hochempfindliche Krebsmedikamente hergestellt. Ob die Anforderungen für die Aufbereitung des Corona-Impfstoffs hier erfüllt werden können, muss das Düsseldorfer Gesundheitsministerium entscheiden.
  • An der Edelstahl-Werkbank in der Apotheke des St.-Marien-Krankenhauses werden hochempfindliche Krebsmedikamente hergestellt. Ob die Anforderungen für die Aufbereitung des Corona-Impfstoffs hier erfüllt werden können, muss das Düsseldorfer Gesundheitsministerium entscheiden.
  • Foto: St.-Marien-Krankenhaus
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

ihm Siegen. Das Warten auf den Start der Corona-Impfungen im Dezember 2020 überlagert die Adventszeit mit einer angespannten Unruhe. Wann endlich können die ersten Menschen geimpft werden? Die Firmen Biontech und Pfizer werden ihr Serum voraussichtlich noch in diesem Monat ausliefern. Es gelangt zuerst in dafür eingerichtete Lager, von dort aus in die Impfzentren und damit an die Menschen. Aber: Dazwischen muss noch eine Station durchlaufen werden, denn der Impfstoff kann nicht direkt in die Spritze gefüllt werden. Eine „Rekonstitution“, also eine Vorbereitung in eine verabreichungsfähige Substanz und Portionierung, ist erforderlich. Wer das erledigt, ist noch ungeklärt.

ihm Siegen. Das Warten auf den Start der Corona-Impfungen im Dezember 2020 überlagert die Adventszeit mit einer angespannten Unruhe. Wann endlich können die ersten Menschen geimpft werden? Die Firmen Biontech und Pfizer werden ihr Serum voraussichtlich noch in diesem Monat ausliefern. Es gelangt zuerst in dafür eingerichtete Lager, von dort aus in die Impfzentren und damit an die Menschen. Aber: Dazwischen muss noch eine Station durchlaufen werden, denn der Impfstoff kann nicht direkt in die Spritze gefüllt werden. Eine „Rekonstitution“, also eine Vorbereitung in eine verabreichungsfähige Substanz und Portionierung, ist erforderlich. Wer das erledigt, ist noch ungeklärt.
Im Gespräch sind für diese Arbeit Apotheken – das sei eines von mehreren geplanten Szenarien, wie das Gesundheitsministerium im Düsseldorf der SZ mitteilt. Nicht jede Apotheke komme dafür infrage. Minister Laumann hat „sterilherstellende Apotheken“ im Auge. Davon gibt es in Nordrhein-Westfalen rund 100 (von insgesamt 4500 Apotheken). Die steril arbeitenden Apotheken stellen zum Beispiel auch Krebsmedikamente (Zytostatika) her, an die besondere Anforderungen hinsichtlich Sterilität und Frische gelten.

Besonderer Kühlschrank im St.-Marien-Krankenhaus Siegen

Voraussetzung, um Medikamente steril herstellen zu können, ist ein Labor-Reinraum, eine spezielle Werkbank und ein besonderes Belüftungssystem, das jegliche Verunreinigungen verhindert. In Siegen verfügen das Jung-Stilling-Krankenhaus und das St.-Marien-Krankenhaus über solche Apotheken. Hier werden unter anderem Krebsmedikamente nach individueller Rezeptur hergestellt.
Das St.-Marien-Krankenhaus hat noch einen besonderen Vorteil: Hier steht ein Kühlschrank, der unter minus 70 Grad erreicht – die Temperatur, die der Biontech/Pfizer-Impfstoff zur Lagerung braucht.
Dennoch ist derzeit die Klinikapotheke, die übrigens auch das Kreisklinikum beliefert, für die Aufbereitung und Abfüllung des Serums gegen Corona nicht zugelassen. Die Reinraum-Verordnung verlangt, dass die Werkbank innerhalb des Reinraums steht. Das ist aber nicht der Fall. Signale aus Düsseldorf deuten allerdings darauf hin, dass sich die Situation ändert. Wo die hochempfindlichen Krebsmedikamente hergestellt werden, soll dann auch das Serum gegen Sars-Cov-2 rekonstituiert werden können. Dr. Christian Stoffers, Sprecher der Mariengesellschaft: „Wir stehen Gewehr bei Fuß.“

Auch Zentral-Apotheke des Jung-Stilling-Klinikums möchte unterstützen

Die Zentral-Apotheke des Diakonie-Klinikums Jung-Stilling steht ebenfalls zur Verfügung, die Impfstrategie zu unterstützen. Georg Fischer, der Leiter der Apotheke, bestätigt, dass man die Voraussetzungen für eine Rekonstitution des Impfstoffs habe: „In unseren Herstellungsbereichen herrschen Reinraumbedingungen. Das heißt, die Umgebung ist absolut sauber und keimfrei.“ In der Zentralapotheke am Klinikum Jung-Stilling arbeiten drei Apotheker, vier pharmazeutisch-technische Assistenten, zwei pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte und zwei Kuriere. Auf Abruf verfügbar für die Kliniken sind 1500 verschiedene Präparate.
Könnten auch einer der rund 80 niedergelassenen Apotheker im Kreis den Impfstoff vorbereiten? Der Sprecher der Bezirksgruppe Siegen des Apotheker-Verbands, Dr. Christof Werner, verweist auf den großen Aufwand, den ein Reinraumlabor und eine Werkbank bedeuten. Das sei nicht „mal eben“ nachzurüsten. Die Krankenhaus-Apotheken seien da eindeutig im Vorteil.

Beide Impfstoffe müssen zweimal verabreicht werden

Wenn der zweite Impfstoff auf den Markt kommt, der von der Firma Astra/Zeneca angekündigt wurde, könnte die Logistik deutlich einfacher werden. Denn dieser Impfstoff braucht keine Tiefkühlung, hier reichen für die Lagerung 2 bis 8 Grad aus. Und, fast noch wichtiger: Er muss nicht rekonstituiert werden. AstraZeneca-Impfstoff kann offenbar direkt von den Lagern zu den Impfzentren geliefert werden, der Zwischenschritt über die Apotheken würde hier wegfallen.
Auf Dauer aber werden sicher beide Seren gebraucht. Und: Beide Impfstoffe müssen jeweils zweimal verabreicht werden, um Immunität zu erreichen.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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