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SZ-Selbstversuch im Zug
Nur wenige "Maskenmuffel" auszumachen

Wer die Maske zukünftig nur in der Hand hält und nicht im Gesicht trägt, soll direkt zur Kasse gebeten werden. NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst möchte ein Bußgeld in Höhe von 150 Euro - ohne vorgestellte Verwarnung.
  • Wer die Maske zukünftig nur in der Hand hält und nicht im Gesicht trägt, soll direkt zur Kasse gebeten werden. NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst möchte ein Bußgeld in Höhe von 150 Euro - ohne vorgestellte Verwarnung.
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  • hochgeladen von Julian Kaiser (Volontär)

juka Siegen. Während sich der RB 93 auf Gleis 3 in Richtung Bad Berleburg langsam aber sicher dem Siegener Hauptbahnhof nähert, beginnt am Bahnsteig das große Kramen in den Taschen. Als sich die Türen des Wagens der Hessischen Landesbahn (HLB) öffnen, weht den Wartenden kühle Luft entgegen. Aussteigen will am Hauptbahnhof überraschenderweise niemand, dafür steigen fünf Passagiere zu den acht Menschen hinzu, die es sich bereits auf den Sitzen gemütlich gemacht haben. Was sie alle eint: Münder und Nasen sind bedeckt. Ob bunt oder schlicht, ob selbstgenäht oder gekauft. An die seit dem 27. April geltende Maskenpflicht im öffentlichen Personennahverkehr hält sich jeder. Das ändert sich allerdings bereits zwei Haltestationen später.

juka Siegen. Während sich der RB 93 auf Gleis 3 in Richtung Bad Berleburg langsam aber sicher dem Siegener Hauptbahnhof nähert, beginnt am Bahnsteig das große Kramen in den Taschen. Als sich die Türen des Wagens der Hessischen Landesbahn (HLB) öffnen, weht den Wartenden kühle Luft entgegen. Aussteigen will am Hauptbahnhof überraschenderweise niemand, dafür steigen fünf Passagiere zu den acht Menschen hinzu, die es sich bereits auf den Sitzen gemütlich gemacht haben. Was sie alle eint: Münder und Nasen sind bedeckt. Ob bunt oder schlicht, ob selbstgenäht oder gekauft. An die seit dem 27. April geltende Maskenpflicht im öffentlichen Personennahverkehr hält sich jeder. Das ändert sich allerdings bereits zwei Haltestationen später. Eine junge Frau steigt telefonierend ein, lässt sich auf einer Viererbank schräg gegenüber nieder. Das Manko: Die Maske fehlt. Von dem Mitreisenden erntet sie ein paar abschätzige Blicke, eine kleine Gruppe, die wenige Meter von der Frau entfernt sitzt, beginnt zu tuscheln. Doch angesprochen wird sie von niemandem. Auch nicht von einem Zugbegleiter. Denn dieser ist, bis wir in Hilchenbach aussteigen, genauso wie die Maske der Frau, nicht zu sehen.

Bei Verstößen wird sofort eingeschritten

Das ändert sich jedoch im nächsten Zug, den wir in Richtung Siegen zurück nehmen. Wieder ist es die Hessische Landesbahn, diesmal jedoch mit Kontrolleur. Kaum haben wir uns gesetzt, wird bereits nach den Fahrkarten gefragt. Kein Wunder also, dass auch die Maskenpflicht hier konsequent eingehalten wird. „Es sind eigentlich nur wenige Einzelfälle, die sich nicht daran halten“, erzählt der Mann. „Aber so etwas gibt es ja immer.“ Verweise aus dem Zug aussprechen oder gar die Polizei habe er bislang noch nicht gemusst. Wenige Minuten später kommt es dann zu einem der besagten Einzelfälle. Als ein junges Paar ohne Maske einsteigt, schreitet der Zugbegleiter sofort ein. Noch während die beiden am Fahrkartenautomaten stehen, bittet der Kontrolleur darum, die Masken aufzusetzen. Ohne große Diskussion, aber leicht zähneknirschend, kommt das Paar der Aufforderung nach.

Nur Drohung zeigt Wirkung

Doch nicht immer läuft es jedoch so reibungslos ab, Das zeigt sich, als wir mit dem RB 91 von Geisweid in Richtung Hagen aufbrechen. Ein Mann mittleren Alters steigt mit uns zusammen ein, macht jedoch keine Anstalten, eine Maske aufzusetzen. Verständnis kommt auch nicht auf, als ein Kontrolleur herbei eilt und zuerst freundlich, dann mit Nachdruck auf die Einhaltung der Vorgaben pocht. Erst die Drohung: „Dann müssen Sie am nächsten Halt leider aussteigen!“ bringt den gewünschten Effekt, die Maske wandert aus der Hosentasche in das Gesicht. Dass dies allerdings weniger einer Einsicht, als der Furcht vor den Konsequenzen geschuldet ist, zeigt sich, als der Kontrolleur wenige Haltestellen später den Zug verlässt. Fast zeitgleich verschwindet auch die Maske wieder in der Tasche. Als wir nachfragen, warum er sich mit der Einhaltung so schwer tut, reagiert der Mann unwirsch. „Ist doch meine Entscheidung“ und „Hier ist doch eh nix los“ sind die knappen Antworten.

Bald soll es teuer werden

In Zukunft sollen solche „Maskenmuffel“ direkt zur Kasse gebeten werden. NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) möchte die Vorgaben verschärfen, unmittelbar beim ersten Verstoß bereits ein Bußgeld von 150 Euro durchsetzen. Verwarnungen würde es somit nicht mehr geben. Das Problem dabei: Während das Hausrecht seitens der Zugbetreiber selbst durchgesetzt werden kann, muss für die Einforderung des Bußgeldes die Bundespolizei oder das Ordnungsamt hinzugezogen werden. Das bestätigte Christian Voss, Pressesprecher des Verkehrsministeriums, auf SZ-Nachfrage.

Verweigerung nicht hinnehmbar

Momentan setzen die Zugbetreiber in erster Linie aber noch auf Verständnis der Mitreisenden und Aufklärungsarbeit. „Die Kundenbetreuer sprechen die Menschen an und bitten darum, die Masken aufzusetzen“, beschreibt „Abellio“ die Vorgehensweise. Auch bei der HLB setzt man auf Kommunikation. „Bei schwerwiegenden Verstößen ziehen wir aber auch die Bundespolizei hinzu“, erklärt eine Sprecherin auf SZ-Nachfrage. Insgesamt seien die Menschen aber einsichtig, heißt es unisono. „Nach wie vor hält sich die große Mehrheit der Reisenden an die Maskenpflicht. Wenn eine Minderheit geltende Regeln missachtet, ist dies für uns nicht hinnehmbar“, zeigt ein Sprecher der Deutschen Bahn auf. „Die bestehenden Verordnungen erlauben, im Fall renitenter Maskenverweigerung, einen Ausschluss von der Beförderung. Dies setzen wir gemeinsam mit der Bundespolizei konsequent um“, so der Bahnsprecher weiter. Zu den wohl bald in Kraft tretenden Bußgeldern wollte sich kein Zugbetreiber äußern. Unabhängig davon wird auch die Bundespolizei weiterhin eingreifen. „Unsere Einsatzkräfte sind gehalten, Verstößen gegen die Maskenpflicht offensiv zu begegnen“, erklärt Andrea Hoffmeister, Erste Polizeihauptkommissarin.

Kommentar Klar, lange Zugfahrten bei hochsommerlichen Temperaturen in teilweise stickigen Abteilen sind sowieso schon unangenehm. Kommt dann auch noch eine Maske hinzu, die möglicherweise bereits nach wenigen Minuten durchgeschwitzt ist und gewechselt werden muss, steigt der Wohlfühlfaktor auch nicht weiter an. Doch um den darf es momentan nicht in erster Linie gehen. Die Ignoranz ist dabei jedoch teilweise erschreckend. Kaum ist vom Zugbegleiter nur noch der Rücken oder gar nichts mehr zu sehen, verschwindet auch die Masken von manchem Gesicht. Oft scheint es dabei nicht einmal um Unwohlsein oder ähnliches zu gehen, sondern um das pure Prinzip, um den Glauben, etwas von seiner Freiheit einzubüßen und sich damit nicht abfinden zu wollen. Und das ist, insbesondere im Hinblick auf den Start der Schulen nach den Sommerferien am kommenden Mittwoch, fatal. Wenn die Auslastung wieder steigt, darf es nicht „Mode“ werden, die Maske immer öfter neben sich liegen zu lassen. „Wir wollen mit einer kleinen Einschränkung eine große Katastrophe verhindern“, summiert Verkehrsministerium-Pressesprecher Christian Voss. Und mehr gibt es zu diesem Thema auch eigentlich überhaupt nicht zu sagen...
Autor:

Julian Kaiser (Volontär) aus Siegen

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