Öffentliches im Privaten

Anna Lena Stücher und Georgia Wölfle spielen mit der Öffentlichkeit des Raumes und der Kunst– im witzig-bedenkenswerten „Institute of Public Affairs“.  Foto: gmz
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gmz Siegen. Die Stimme aus der Klingelanlage klingt professionell: „Institute of Public Affairs“. Ja, „die Presse“ darf rein, in diese private Veröffentlichung von privaten Besetzungen öffentlicher Räume – in einer Privatwohnung, die geöffnet wird, auf dem „Präsentierteller“, aber in privater Reklusion, zwischen zwei Bahnstrecken, an einer Straße gelegen. Aber erst einmal gibt es selbst gebackene Stoppschild-Plätzchen und neonfarbene „Flokati“-Leckereien, prima!

Mit Witz und Humor haben Anna Lena Stücher und Georgia Wölfle ihr „Institute of Public Affairs“ entworfen und zeigen es jetzt im Rahmen des Kunstsommers (Gießereistraße 24, Siegen, bis 18. Juli, Montag bis Freitag 18 bis 21 Uhr, Samstag 11 bis 12 und 14 bis 16 Uhr). Beide frisch Examinierte beschäftigen sich in ihren Arbeiten, die sie klug präsentiert haben, auf unterschiedliche Weise mit der Frage nach der Wirkung von der Vorstellung auf die Realität und umgekehrt.

Anna Lena Stücher untersucht in Fotografien und Videos den privaten Umgang mit dem öffentlichen Raum. Sie führt, in Abwandlung eines Sofa-Filmabends vom letzten Urlaub, das Grillen auf der Verkehrsinsel vor, eine eigentlich private, persönliche Angelegenheit, die durch den toten Raum der Verkehrsinsel von ihrer Privatheit verliert, die die unpersönliche, ungestaltete Fläche aber durch die „sinnvolle“ und zielgerichtete Nutzung zum erfahrbaren, persönlichen Raum macht. Ähnliches geschieht auch mit der Besetzung der Verkehrsinsel als „einsame Insel“ der Träume – oder als Horrorvision? Die nett umhäkelten Verkehrsschilder, das Sofa-Arrangement auf der letzten Bank des Linienbusses, das Angeln im Betonteich mitten in der Häuserschlucht – alle diese humorvollen, fast grotesken Verkehrungen der Welt werfen die Frage auf, wieviel „sinnvoll gestalteter Raum“ uns eigentlich (noch) umgibt und wie wir ihn sinnvoll gestalten können. Oder wollen wir mit „Unorten“ leben?

Georgia Wölfle scheint auf den ersten Blick einen Gegenentwurf dazu zu zeigen. Ein großes Mobile holt ein Stück vom Himmel in die Küche, lässt Vögel fliegen, suggeriert Weite und Freiheit. Aber um diesen inhaltlichen Aspekt geht es ihr weniger, denn sie beschäftigt sich eher mit der gestalterischen, formalen Frage, inwieweit die Zeichnung, die eine persönliche „Aneignung“ der Umwelt ist, sich der Ordnungsvorgabe des Zeichenblockes unterwerfen muss, oder ob es nicht Möglichkeiten gibt, die Welt, wie man sie festgehalten hat, neu zu ordnen, neu in den Raum zu stellen. So wie in der Vitrine, die nur Abdrücke von Dingen zeigt, die dort einmal gezeigt worden sein könnten, Abdrücke, die auch gemacht sind. Oder wie mit dem „Schlüsselkasten“, der gezeichnete Schlüssel zeigt, die sich gegenseitig öffnen und dann zum Modell für Schlüssel werden, die aber keine Tür öffnen.

Auch hier ist der Zirkelschluss wieder perfekt. Die Iteration geht weiter – oder man macht sich auf und grillt eben auf der Verkehrsinsel!

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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