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Grüne Siegen beantragen 100 Euro Zuschuss für Mehrweg-Pampers
Öko-Windeln für Babypopos

Etliche Tausend Windeln braucht ein Baby im Lauf der ersten drei Jahre. Die Einwegwindel ist in den allermeisten Familien das Mittel der Wahl. Die Verfechter der Stoffwindel behaupten allerdings, dass Kinder damit eher trocken werden, weil die Feuchtigkeit am Po bei der Mehrwegwindel spürbarer und damit unangenehmer sei.
  • Etliche Tausend Windeln braucht ein Baby im Lauf der ersten drei Jahre. Die Einwegwindel ist in den allermeisten Familien das Mittel der Wahl. Die Verfechter der Stoffwindel behaupten allerdings, dass Kinder damit eher trocken werden, weil die Feuchtigkeit am Po bei der Mehrwegwindel spürbarer und damit unangenehmer sei.
  • Foto: Tim Lehmann
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

ihm Siegen. Das Glück, nach Stunden der Geburt das eigene Baby in den Armen zu halten, ist mit nichts zu vergleichen. Das werden wohl alle Eltern unterschreiben. Und mit welcher Begeisterung die frischgebackenen Mamas und Papas dann in die Windel spähen, ob denn das von der Hebamme angekündigte „Kindspech“, der erste Stuhlgang, auch schon zu sehen ist! Begeisterung für übrigens bei Stillkindern gar nicht anrüchige Geschäfte – auch das kennen wohl nur Eltern.
Aber irgendwann ist auch die Freude über volle Windeln, die mittlerweile gar nicht mehr so dufte riechen, verflogen. Spätestens, wenn das Kind ein, zwei Jahre alt ist, wird das Wickeln lästig. Bis der Nachwuchs aber die Welt ohne dick gepolstertes Popo-Paket erkunden kann, vergehen oft noch Monate.

ihm Siegen. Das Glück, nach Stunden der Geburt das eigene Baby in den Armen zu halten, ist mit nichts zu vergleichen. Das werden wohl alle Eltern unterschreiben. Und mit welcher Begeisterung die frischgebackenen Mamas und Papas dann in die Windel spähen, ob denn das von der Hebamme angekündigte „Kindspech“, der erste Stuhlgang, auch schon zu sehen ist! Begeisterung für übrigens bei Stillkindern gar nicht anrüchige Geschäfte – auch das kennen wohl nur Eltern.
Aber irgendwann ist auch die Freude über volle Windeln, die mittlerweile gar nicht mehr so dufte riechen, verflogen. Spätestens, wenn das Kind ein, zwei Jahre alt ist, wird das Wickeln lästig. Bis der Nachwuchs aber die Welt ohne dick gepolstertes Popo-Paket erkunden kann, vergehen oft noch Monate. Mit drei Jahren, so die Faustregel, ist das Kind sauber und geht zuverlässig aufs Töpfchen. Bis dahin fallen 4000 (niedrige Schätzung ) bis 10 000 (Spitzenschätzung) schmutzige Windeln an. Das Geschäftsmodell von Pampers und Co. ist ein einträgliches. Pro Windel 24 Cent – das sind mindestens 960 Euro für eine Wickelkarriere.

Grüne Siegen setzen sich für Mehrwegwindeln ein

Die Siegener Grünen finden das nicht nur teuer, sondern auch ökologisch bedenklich. Denn die Windeln werden im Restmüll entsorgt und dann in der Müllverbrennungsanlage bei 850 bis 1000 Grad „thermisch verwertet“. Dabei bleiben, so Stadtverbandssprecherin Svenja König, nicht abbaubare Rückstände übrig, allen voran CO2. Aber auch Dioxin und belastete Stäube und Aschen fielen an. Weiterer Nachteil der Wegwerfwindel: Chemie am Kinderpopo.
Die Grünen haben eine Alternative entdeckt: die Mehrwegwindel. Per Antrag an den Rat der Stadt Siegen fordern sie einen Zuschuss von bis zu 100 Euro je Baby und Haushalt, wenn mit Stoffwindeln gewickelt wird. Die Stadt Marburg zahle bereits solche Zuschüsse. Im vergangenen Jahr wurden sie 20mal abgerufen, in diesem Jahr wurden schon doppelt so viele Anträge gestellt.
Windeln machten ca. 10 Prozent des Restmüllaufkommens aus, heißt es im Antrag. Eine Zahl, die Michael Schneider, Pressesprecher des Entsorgers Remondis, nicht bestätigen kann. „Das kommt mir sehr hoch gegriffen vor.“ Allerdings gebe es dazu keine Zahlen, weil der Restmüll nicht sortiert wird. Niemand messe den Anteil der schmutzigen Windeln in der grauen Tonne.
Die Stadt Siegen hat festgestellt, dass in den vergangenen Jahren das Windelaufkommen gestiegen ist. Stellv. Pressesprecherin Claudia Scheffler erklärt das mit dem demografischen Wandel – im Klartext: Es werden in Siegen wieder mehr Kinder geboren.

Nicht mit der Mullwindel von damals vergleichbar

Wie bringt man die Windelzeit nun ohne Pampers hinter sich? Die Mehrwegsysteme von heute haben nicht mehr sehr viel mit der Mullwindel von früher zu tun. Heute werden auf Websites wie Stoffywelt oder Windelmanufaktur Pakete angeboten, die die Wickelkinder komplett versorgen. Dazu gehören die saugfähigen Einlagen, die Windelhöschen, die darüber gezogen werden, und oft ein Innenvlies, das die Angelegenheit etwas angenehmer in der Handhabung macht.
Die Komponenten der Mehrwegwindeln sind waschbar, allenfalls das Vlies wird in der Toilette heruntergespült. Wenn man es ganz bequem haben will, beauftragt man einen Windelservice, der alle paar Tage den Sack mit den Schmutzwindeln abholt und frisch gewaschenen Nachschub vor die Tür stellt. Kein billiges Vergnügen und meist nur in Großstädten verfügbar.

Recycling für schmutzige Windeln Die Firma Remondis betreibt im niederländischen Nijmegen eine Pilotanlage, in der schmutzige Babywindeln, aber auch Inkontinenzeinlagen aus der Pflege recycelt werden können. Der Entsorger hält nämlich die Verbrennung von Millionen Einwegwindeln für wenig nachhaltig. Man setzt stattdessen auf das Verfahren der „thermischen Druckhydrolyse“, das an der Universität Brandenburg entwickelt wurde. Die Windeln werden nicht verbrannt, sondern bei 255 Grad und einem Druck von 44 Bar eingeschmolzen. Die einzelnen Bestandteile des hochkomplexen Windelproduktes – in erster Linie Polymere und Zellstoff – können auf diese Weise voneinander separiert und zurückgewonnen werden. Aus einer Tonne Windeln werden – neben der „Gülle“ – 100 Kilo Kunststoffgranulat, 50 Kilo Papierbrei und 350 Kilo Biogas gewonnen. Aus dem Kunststoffgranulat entstehen neue Produkte, zum Beispiel Blumentöpfe, der Papierbrei wird zu Papier oder Kartonagen verarbeitet, und das Biogas liefert Strom für Haushalte. Um die Windeln aus deutschen Haushalten zu recyceln, müssten sie allerdings getrennt gesammelt werden. In den Niederlanden haben bereits einige Gemeinden separate Sammelsysteme bereitgestellt.

Der Finanz-Vergleich zwischen Wegwerf- und Mehrwegwindeln muss natürlich neben den Anschaffungskosten auch die Kosten für die Wäsche berücksichtigen. Die Berechnungen der Stoffwindel-Unternehmen kommen zu dem Ergebnis, dass Stoffwindeln deutlich günstiger sind. Der Kostenunterschied beim ersten Kind: rund 650 Euro. Dabei sind die Waschkosten berücksichtigt. Beim zweiten Kind liege die Ersparnis deutlich höher, weil die Anschaffungskosten wegfielen. An die 2000 Euro kann man nach den Berechnungen der Windelmanufaktur innerhalb von sechs Jahren sparen. Aber: Wer einen Trockner – zumindest im Winter – benutzt, kommt nicht ganz so günstig davon.

Grüne begründen Antrag mit hohen Anschaffungskosten

Wenn Stoffwindeln günstiger sind als die Wegwerfprodukte, stellt sich die Frage: Warum soll der Gebrauch von Mehrwegwindeln dann aus städtischen Mitteln subventioniert werden? Die Grünen begründen das mit den relativ hohen Anschaffungskosten, die erst einmal abschreckend wirken könnten. Die Preise liegen bei rund 300 Euro für ein abgestimmtes Starterpaket. Svenja König: „Der Zuschuss soll zwei Zwecke verfolgen: Insgesamt einen Anreiz zur Müllvermeidung schaffen und die erste finanzielle Hürde überwinden helfen.“

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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