Ömer Y. auf der Anklagebank

Seit Donnerstag steht Ömer Y. vor dem Siegener Landgericht. Er soll seine ehemalige Lebensgefährtin getötet haben. Foto: Archiv
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ch - Das Gesicht vergrub er in beide
Hände, weder der Vorsitzende Richter Wolfgang Münker noch die
Ankläger oder die Eltern des Opfers bzw. die Zuschauer im großen
Saal 165 des Schwurgerichtes konnten Ömer Y. in die Augen schauen.
Stumm und starr saß er gebeugt auf der Anklagebank. Keine Regung,
keine Einlassung zum Auftakt des Prozesses, bei dem sich der
22-jährige Deutsch-Türke vor der ersten großen Strafkammer für
ein Kapitalverbrechen rechtfertigen muss. Staatsanwalt Patrick Baron
von Grotthuss warf Ömer Y., der am Donnerstagmorgen aus der
Untersuchungshaft von Attendorn nach Siegen gebracht worden war, mit
Verlesung der Anklageschrift vor, im Spätsommer 2011 seine ehemalige
Lebensgefährtin Alyin I. im Siegener Hauptbahnhof getötet zu haben.
Und zwar äußerst brutal und "aus niederen Beweggründen",
wie von Grotthuss sagte, mit insgesamt 52 Messerstichen in Kopf,
Hals, Brust und Arme. Richter Münker, Staatsanwalt von Grotthuss und
der Verteidiger von Ömer Y. , Dr. Frank Nobis (Iserlohn), werden in
den kommenden Wochen zu verhandeln haben, ob es sich bei der Bluttat
als Folge eines Eifersuchtsdramas um Mord oder um Totschlag im Affekt
handelt. Bis Ende März sind insgesamt sieben Termine für das
Strafverfahren angesetzt, die Kammer hat bislang 25 Zeugen und zwei
Sachverständige geladen.

"Du Schlampe, du Hure, du nimmst mir mein Kind nicht weg!"

Sie kamen bereits beim ersten Termin
der Hauptverhandlung zu Wort, konnten Sachverstand und Erinnerungen
einbringen. Rückblick, 20. August 2011: An jenem Samstag hielt sich
Ömer Y., damals wohnhaft in Lahnstein, laut Polizei und
Staatsanwaltschaft in Kreuztal auf, um mit seinem Vermieter "die
letzten Dinge zu regeln", nachdem er aus der mit seiner
Ex-Lebensgefährtin Aylin I. gemeinsam geführten Wohnung gezogen
war. Ömer Y. soll dann - gemäß Anklageschrift - erfahren haben,
dass Aylin I. in Begleitung eines erwachsenen Mannes zeitgleich in
Siegen sei. Mit dabei: Das gemeinsame Kind von Ömer Y. und Aylin I.,
ein Baby, damals gerade fünf Monate alt. Der 22-Jährige soll sich
dann zum Hauptbahnhof begeben haben, dort traf er in der Unterführung
zwischen den Gleisen Zwei und Drei zumindest auf Mutter und Kind. Es
kam vermutlich zum Streit, Aylin I. wollte weiter, zum Zug, zurück
nach Hause, nach Bad Kreuznach. Der Streit sei eskaliert, las Baron
von Grothuss aus der Anklageschrift vor, schlimme Schimpfworte
fielen. Ömer Y. soll seine Ex des Fremdganges bezichtigt haben, soll
lauthals "Du Schlampe, du Hure, du nimmst mir mein Kind nicht
weg!" gerufen haben. Dann zückte er wohl ein Taschenmesser,
stach auf das Opfer ein, "mit Tötungsabsicht", wie es von
Grothuss formulierte.  

Zugbegleiter trat als Augenzeuge auf

"Immer wieder stach er auf die
halb liegende Frau ein", schilderte Zeuge Dominik W. aus seinem
Gedächtnis heraus das Geschehen in der Bahnhofsunterführung. Der
Zugbegleiter der Hessischen Landesbahn habe durch "das
geschlossene Fenster des Führerstandes" einen "erbärmlichen
Schrei" gehört und war aus einem auf die Abfahrt wartenden Zug
Richtung Tatort geeilt - im Glauben, "dass da irgendwelche
Jugendliche Mist gebaut haben". Der 28-Jährige aus Wetzlar
skizzierte Richter Wolfgang Münker und den Beisitzern eine
dramatische Szene, eine Bluttat: Danach hatte der Zeuge, die Treppe
hinab stürzend, Ömer Y. dessen ehemalige Lebensgefährtin "ums
Eck" in den Tunnel schleifen sehen. Insgesamt drei
Messerattacken setzte der Angeklagte dort, nur kurze Pausen legte er
ein. Angebrüllt vom Zugbegleiter, der mit der Polizei "blöffte".
Dominik W.: "Ich habe ihn angeschrien, damit er aufhört. Er hat
ohne Unterlass zugestochen, immer wieder, halb über die
blutüberströmte Frau gebückt."  

Flucht führte zum Türkisch-Islamischen Kulturverein

Ömer Y. habe schließlich von der Frau
abgelassen - um seine Tat mit einem Tritt zu beenden: Der Mann soll
gemäß Zeugenaussage zum Fußtritt gegen den Kopf ausgeholt haben,
"der prallte wie ein Ball von der Wand ab, schlug auf dem Boden
auf". Dann sei der Mann geflüchtet. Mit dem gemeinsamen Kind in
Richtung Innenstadt. Die Flucht führte ihn zum
Türkisch-Islamischen Kulturverein an der Frankfurter Straße; dort
drückte er das Baby, das sich heute bei der Großmutter befindet,
zwei jungen Vereinsmitgliedern in der Arm. Ömer Y. wurde kurze Zeit
später von der Polizei festgenommen. Da war Aylin I. schon tot, sie verstarb
am Tatort. "Tod durch verbluten", fasste Dr. Eberhard
Josephi von der Dortmunder Gerichtsmedizin zusammen. 

Seit Donnerstag steht Ömer Y. vor dem Siegener Landgericht. Er soll seine ehemalige Lebensgefährtin getötet haben. Foto: Archiv
Seit Donnerstag steht Ömer Y. vor dem Siegener Landgericht. Er soll seine ehemalige Lebensgefährtin getötet haben. Foto: kalle
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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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