Siegener Rathaus-Crew hält sich an gendergerechten Leitfaden
Ohne Sternchen und Gender-Gap

Bei der Stadtverwaltung Siegen hält man sich an einen gendergerechten Leitfaden mit vielen neutralen Formulierungen
  • Bei der Stadtverwaltung Siegen hält man sich an einen gendergerechten Leitfaden mit vielen neutralen Formulierungen
  • Foto: pixabay
  • hochgeladen von Marc Thomas

mir Siegen. „Sehr verehrte Gäste und Gästinnen, wir wünschen der Veranstaltung einen schönen Verlauf.“ Diesen Satz wird es in städtischen Schriften, Einladungen oder Begrüßungsworten nicht zu lesen oder zu hören geben. Auch das Gender_Gap soll im Amtsdeutsch unterm Krönchen keine Rolle spielen. Selbst die die verbreiteten Sternchen*Innen sind nicht gewollt, schon gar nicht die „Künstler:innen“.

Die knappe Darstellung liest sich so, als ob feministische Gedanken rund um Sonderzeichen für mehr gendergerechte Sprache im Siegener Rathaus keine Chance hätten. Weit gefehlt. Die Politik hat längst sprachliche Gerechtigkeit eingefordert und sie in Form eines Leitfadens auch an die Hand bekommen.
Johannes Werthenbach, des Bürgermeisters Referent, gehörte mit drei Frauen zu einer ämterübergreifenden Arbeitsgruppe, die dieses Papier erstellt hat. Die Anfänge liegen viele Monate zurück. „Wir haben gesehen, dass alle Ämter es unterschiedlich halten. Mit Sternchen oder mit Doppelpunkt und so weiter. Ist das förderlich für die Außendarstellung? Das war die Grundfrage.“

Am Rat für deutsche Rechtschreibung orientiert

Orientiert hat sich die Stadt Siegen an der Gesellschaft für deutsche Sprache und am Rat für deutsche Rechtschreibung. Letzteres Gremium hatte im März empfohlen, Gender-Sternchen und Gender-Gap zur Nennung mehrgeschlechtlicher Bezeichnungen „nicht in das amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung“ zu übernehmen. Siegen sagt, die Anwendung dessen sei für die deutschen Behörden verbindlich.

"Nichts ist in Stein gehauen,
wir sehen das als dynamischen Prozess."

Johannes Werthenbach
Persönlicher Referent des Bürgermeisters der Stadt Siegen

Sprachliche Gerechtigkeit will die Stadt Siegen auf jeden Fall sicherstellen. Mit Sinn für Sprache, die Menschen müssten verstehen, warum sie ihre Worte ändern sollten. Und mit Verstand. Klare Regeln und positive Fehlerkultur will man pflegen. Mit Spaß, Freude und Lockerheit will man die Dinge in die gendergerechte Richtung drehen. Die männliche Form aus Gründen der Lesbarkeit generell zu nehmen, scheidet aus. Bei der Verwendung von bildhaften Motiven soll, so sagt es der Leitfaden, gezielt auf Rollenklischees verzichtet werden.

Aus Schirmherr wird Vertretung der Schirmherrschaft

Beispielsweise „Mutter-Kind-Parkplatz“ ist so ein No-go, auch die „Not am Mann“ ist verpönt, die „Milchmädchenrechnung“ sowieso. Im Siegener Behördendeutsch werden künftig solche Bezeichnungen wie Antragstellende und Leitende (für Leiterinnen) auftauchen, auch Handelnde (für Akteure und Akteurinnen) sind erwünscht. Für den Bürgermeister wichtig, er wird kaum noch als Schirmherr genannt, offiziell soll es heißen „Vertretung der Schirmherrschaft“. Neben den geschlechtsneutralen Nennungen setzt Siegen im Rathaus auf geschickte Formulierungen aller Menschen. Aus Sicht des Psychologen? Falsch. Richtig: „Aus psychologischer Sicht.“ Unterstützung durch Kollegen wird es nicht mehr geben, allenfalls die kollegiale Unterstützung wird möglich sein.

Für die Stadt Siegen sei es wichtig gewesen, auch die Menschen mit Behinderung in das gesamte Geschehen einzubinden. Deshalb hat auch die neue städtische Beauftragte für diesen Aufgabenbereich an der Arbeit der Gruppe teilgenommen. Werthenbach: „Die Barrierefreiheit muss gegeben sein.“ Es gebe in dem Sektor noch Menschen, denen Texte oder Schreiben vorgelesen werden müssten. Ohne Gender-Sternchen oder Gender-Gap, es sei angebrachter, mit neutralen Formulierungen Klarheit zu verschaffen. „Solche Personen, die in der Weise eingeschränkt sind, dürfen wir als Stadt nicht außen vor lassen“, fasst es Werthenbach zusammen.

Stadt versucht Menschen mit Mittelweg zu entsprechen

Noch eine Positionierung aus dem Rathaus: Das Sternchen sei sicherlich beliebt, eine Art Mainstream habe sich daraus entwickelt, meint Werthenbach. Mit dem auf neutralen Formulierungen basierenden Leitfaden, einer Sensibilisierung und einer einheitlichen Handlungsempfehlung versuche die Stadt, den Bedürfnissen aller Menschen mit einem Mittelweg zu entsprechen. Werthenbach: „Nichts ist in Stein gehauen, wir sehen das als dynamischen Prozess.“

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

7 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen