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Ministerium sieht Datenschutz-Problem
Ohne "Teams" im Schulbetrieb

Datenschutz spielt in Deutschland und der EU eine große Rolle - in den USA eher nicht.
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goeb Siegen/Betzdorf. „Das digitale Standbein an den Schulen wird bleiben, es muss ausgebaut werden.“ Betty Berg-Bronnert, die Leiterin der IGS Betzdorf-Kirchen, spricht aus, was die allermeisten Pädagogen im Land denken. So schlimm die Erfahrung in den corona-geprägten 16 Monaten gewesen ist, so hat sie doch gezeigt, dass digitale Kommunikation eine sinnvolle Bereicherung für Schulen darstellen kann. Doch die Frage ist: Welche Programme setzen sich durch? Spitzenreiter „Teams“ ist aus datenschutzrechtlichen Gründen ins Gerede gekommen und soll verbannt werden. Wohl dem, der einen Plan B hat.

„Wir waren ja lange komplett geschlossen“, erinnert sich die Studiendirektorin. Ohne unterrichtstaugliche Digitalprogramme wäre nichts gegangen.

goeb Siegen/Betzdorf. „Das digitale Standbein an den Schulen wird bleiben, es muss ausgebaut werden.“ Betty Berg-Bronnert, die Leiterin der IGS Betzdorf-Kirchen, spricht aus, was die allermeisten Pädagogen im Land denken. So schlimm die Erfahrung in den corona-geprägten 16 Monaten gewesen ist, so hat sie doch gezeigt, dass digitale Kommunikation eine sinnvolle Bereicherung für Schulen darstellen kann. Doch die Frage ist: Welche Programme setzen sich durch? Spitzenreiter „Teams“ ist aus datenschutzrechtlichen Gründen ins Gerede gekommen und soll verbannt werden. Wohl dem, der einen Plan B hat.

Betty Berg-Bronnert leitet die IGS Betzdorf-Kirchen.

„Wir waren ja lange komplett geschlossen“, erinnert sich die Studiendirektorin. Ohne unterrichtstaugliche Digitalprogramme wäre nichts gegangen. Doch während Rheinland-Pfalz recht schnell ein eigenes Programm namens „Big Blue Button“ an den Start brachte und dem Programm „Teams“ die Spielwiese verbot, entwickelte sich das Microsoft-Produkt in NRW zum Renner.

"Das ist einfach eine bedienerfreundliche Plattform."
Julia Paul
Schulleiterin GS Wilnsdorf über „Teams“

„Das ist einfach eine bedienerfreundliche Plattform“, konzediert die Leiterin der Grundschule Wilnsdorf, Julia Paul, die persönlich – daraus macht sie kein Geheimnis – lieber das NRW-Lernprogramm „Logineo“ vollständig eingesetzt hätte. „Aber das ganze Lernmanagement-System ist nicht praktisch bei Logineo“, findet nicht nur sie, sondern auch das Kollegium. „Es gilt überall als nicht bedienerfreundlich.“ In der Gemeinde Wilnsdorf, die die Schulen zu Coronazeiten kräftig mit PCs – und Software – unterstützt hat, wird „Teams“ flächendeckend an allen Schulen eingesetzt. Dafür ist also viel Geld ausgegeben worden. „Wir nutzen Logineo quasi nur als E-Mail-Programm“, ergänzt sie. Sensible Daten nehmen diesen Weg, alles andere: Stundenpläne, Videoübertragungen, Unterrichtsmaterial läuft über „Teams“.

Julia Paul, Leiterin der Grundschule Wilnsdorf.

Verwendung nicht nachvollziehbar

Doch „Teams“ ist längst im Visier der Datenschützer, denn die Microsoft-Server stehen in Amerika. Für „inakzepabel hoch“ halten sie das Risiko der Software aus dem Silicon Valley indes. Die Schulen hätten keine Hoheit mehr über die Daten, weil nicht nachvollzogen werden könne, was mit personenbezogenen Informationen zu welchem Zweck geschehe.

Klaglos hingenommen wird das natürlich nicht, denn viele Lehrer, Eltern und Schulleitungen schätzen die Microsoft-Office-Produkte ihrer intuitiven Anwendbarkeit wegen. Warum soll an Schulen nicht statthaft sein, was sich in Wirtschaft und Verwaltung millionenfach bewährt hat?

„Es ist eine Grauzone“, schätzt Julia Paul. „Bis jetzt hat uns das Land mal noch keine Vorgabe gemacht, ,Teams’ nicht weiter zu benutzen.“ Viele Schülerinnen und Schüler im Sieger- und Sauerland sind ebenso wie ihre Lehrer Fans der leicht in Teams zu integrierenden Software Padlet, mit der eine digitale Pinnwand entsteht, auf der Texte, Bilder, Videos, Links, Sprachaufnahmen, Bildschirmaufnahmen und Zeichnungen abgelegt werden können.

Ministerium verweist auf Schulen

„Die Schulleitung steht in der Verantwortung für die Beachtung der Datenschutzbestimmungen“, heißt es salomonisch auf eine SZ-Anfrage aus dem Schulministerium. Zulässig seien somit Anwendungen, Programme und Apps, bei denen sichergestellt werden kann, dass Daten mit Personenbezug aus der Schule nach den Vorgaben der DSGVO verarbeitet werden können. Die speziellen Ausführungen, auf die Marie-Luise Kaiser von der Pressestelle verweist, füllen einen Aktenordner.

Klar ist: Die Landesregierung in Düsseldorf will „Teams“ nicht in den Schulen und verweist auf „Logineo“. Die ebenso langen Ausführungen des Landesbeauftragten für den Datenschutz, die beigefügt sind, lesen sich wie ein Moratorium: „Der Augenblick der Pandemie ist nicht der Zeitpunkt, seit Jahren noch nicht hinreichend gelöste Probleme der digitalen Datenverarbeitung in Schulen aufgreifen und einer dauerhaften Lösung zuführen zu wollen.“ Aber: Es müssten Ansätze gefunden werden, digitale Datenverarbeitung an Schulen durchzuführen, „ohne den Datenschutz und die Datensicherheit an unseren Schulen zu torpedieren“.

"Logineo" hat viel aufzuholen

Thomas Süßenbach, stellv. Leiter des Ev. Gymnasiums in Siegen, das auch stark auf „Teams“ setzt, verweist auf eine Einverständniserklärung, die alle Elternhäuser unterschrieben haben. Sie macht darauf aufmerksam, dass die Daten von einem amerikanischen Server verwaltet werden. Außer Vor- und Nachname des Kindes würden aber keine persönlichen Daten darüber abgewickelt. Das Evau ist eine Privatschule, eng verzahnt mit dem Datenschutzbeauftragten der Evangelischen Kirche von Westfalen. So lange der grünes Licht gibt, läuft es weiter.

Thomas Süßenbach, stellv. Leiter des Evau in Siegen.

Auf „Logineo“ angesprochen, sagte Süßenbach, dass deren Entwickler es auch nicht gerade leicht hätten. Deren Arbeitsauftrag habe in etwa gelautet, etwas zu entwerfen, was so gut läuft wie „Teams“. „Nur: Das ist ein Weltkonzern, und die sind seit 1980 im Geschäft.“

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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