OLG: Punktsieg für die Wisente

 Diese Gesichter sprechen Bände: Die beiden klagenden Waldbauern Hubertus Dohle (l.) und Georg Feldmann-Schütte werteten die Verhandlung vor dem Zivilsenat des OLG Hamm als gefühlte Niederlage. Foto: Martin Völkel
  • Diese Gesichter sprechen Bände: Die beiden klagenden Waldbauern Hubertus Dohle (l.) und Georg Feldmann-Schütte werteten die Verhandlung vor dem Zivilsenat des OLG Hamm als gefühlte Niederlage. Foto: Martin Völkel
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vö - Eine Entscheidung wurde Donnerstagnachmittag nach viereinhalbstündiger und zäher Verhandlung im Saal B 207 des Oberlandesgerichtes (OLG) Hamm nicht getroffen. Dennoch dürfte das Ergebnis der Sitzung des Zivilsenats unter Vorsitz von Richter Hermann Greving als wichtiger Punktsieg für den Trägerverein Wisent-Welt-Wittgenstein zu verbuchen sein. Das werteten neutrale Beobachter ebenso wie auch die beiden klagenden Waldbauern Hubertus Dohle und Georg Feldmann-Schütte aus dem Schmallenberger Ortsteil Oberkirchen.

Die beiden Sauerländer waren nach dem erstrittenenen Waldbetretungsverbot für die Wisente in den beiden ersten Instanzen eigentlich mit breiter Brust nach Hamm gereist – doch im OLG kippte das Geschehen. Die Verantwortlichen des Wisent-Trägervereins gaben sich nach der Verhandlung, die zum Ende hin deutlich emotionaler und intensiver wurde, betont zurückhaltend.

Hauptgrund für den eigentlich angebrachten verhaltenen Optimismus auf seiten der Projektverantwortlichen ist die Tatsache, dass der Zivilsenat des OLG das Thema Natur- und Artenschutz deutlich in den Fokus rückte. „Es spricht einiges dafür, dass die Tiere seit einiger Zeit wahrscheinlich wild und herrenlos sind“, sagte der Vorsitzende Richter. Der Vorwurf der Klägerseite, dass das gesamte Projekt „illegal“ sei, spiele bei der Frage der Herrenlosigkeit keine Rolle. Der Wisent-Trägerverein spielte noch einen zusätzlichen Joker und holte sich mit dem Hamburger Rechtsanwalt Rüdiger Nebelsieck einen ausgewiesenen Spezialisten in Sachen Natur- und Artenschutz mit ins Boot.

Die Auswilderung der Wisent-Herde im Rothaargebirge stellt die Justiz offenkundig vor schwierige Rechtsfragen. Es handele sich um „eine wirklich komplizierte Rechtslage“, bei der zivile Rechte mit öffentlich-rechtlichen Vorschriften kollidierten, sagte Richter Hermann Greving in der mündlichen Verhandlung. „Das ist für alle Beteiligten ein dornenreicher Weg, bis man dann Klarheit hat.“ Und weiter: „Der Hoffnung, dass wir alsbald klare Verhältnisse schaffen, kann ich heute überhaupt keine Nahrung geben.“

Der Senat will am Donnerstag, 3. November, entweder ein Urteil oder den weiteren Fahrplan für das Verfahren verkünden. Der Vorsitzende: „Es ist gut möglich, dass wir von beiden Seiten noch Unterlagen nachfordern werden“ – obwohl man sich bereits wochenlang intensiv mit dem Fall auseinandergesetzt habe. In Hamm werden die Klagen von Georg Feldmann-Schütte und Hubertus Dohle verhandelt. Beide wollen, dass die Wisente nicht mehr durch ihre Wälder streifen dürfen, weil sie die Rinden ihrer Buchen abschälen. Feldmann-Schütte bezifferte den bislang entstandenen Schaden an seinen Bäumen auf rund 19.000 Euro, Dohle auf etwa 2000 Euro.

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