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Ausgeschöpfte Kapazitäten in Krankenhäusern
Operationen müssen verschoben werden

Die Intensivstationen der Krankenhäuser sind voll, dazu herrscht auch noch ein problematischer Mangel an Personal.
  • Die Intensivstationen der Krankenhäuser sind voll, dazu herrscht auch noch ein problematischer Mangel an Personal.
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tip Siegen/Hilchenbach. Corona-Patienten aus anderen Bundesländern können grundsätzlich in NRW-Krankenhäusern aufgenommen werden. Das hat der Landtag am Freitag beschlossen. Für zwei der drei großen Siegener Kliniken ist das aktuell aber kein Thema: Sie sind bereits jetzt komplett ausgelastet. „Unsere Intensivkapazitäten sind ausgeschöpft“, meldet das Jung-Stilling-Krankenhaus. „Wir sind bis unters Dach voll“, teilt das Marienkrankenhaus mit.
,,Klar eine Pandemie der Umgeimpften''
Dort ist die Rede von einem „signifikanten Anstieg bei der Hospitalisierungsrate“. Aktuell befinden sich im Marienkrankenhaus zwölf Patienten auf der speziell eingerichteten Corona-Station, der jüngste davon ist 40 Jahre alt. Zwei Patienten befinden sich auf der Intensivstation und werden beatmet.

tip Siegen/Hilchenbach. Corona-Patienten aus anderen Bundesländern können grundsätzlich in NRW-Krankenhäusern aufgenommen werden. Das hat der Landtag am Freitag beschlossen. Für zwei der drei großen Siegener Kliniken ist das aktuell aber kein Thema: Sie sind bereits jetzt komplett ausgelastet. „Unsere Intensivkapazitäten sind ausgeschöpft“, meldet das Jung-Stilling-Krankenhaus. „Wir sind bis unters Dach voll“, teilt das Marienkrankenhaus mit.

,,Klar eine Pandemie der Umgeimpften''

Dort ist die Rede von einem „signifikanten Anstieg bei der Hospitalisierungsrate“. Aktuell befinden sich im Marienkrankenhaus zwölf Patienten auf der speziell eingerichteten Corona-Station, der jüngste davon ist 40 Jahre alt. Zwei Patienten befinden sich auf der Intensivstation und werden beatmet. Ein Patient ist am Donnerstag seiner Erkrankung erlegen. Nach wie vor, so Sprecher Christian Stoffers, bereiten dem ärztlichen Personal die ungeimpften Patienten die größte Sorge. „Es ist, gemessen an der Schwere der Verläufe, klar eine Pandemie der Ungeimpften“, sagt Stoffers.

Das dynamische Infektionsgeschehen hat Folgen: Jede vierte, nicht akut nötige Operation wird im Marienkrankenhaus aktuell abgesagt.

Notfälle kann man nicht verschieben

Das Diakonie-Klinikum Jung-Stilling in Siegen registriert nach eigenen Angaben seit zwei Wochen eine deutliche Zunahme an Covid-19-Patienten, überwiegend sind diese älter als 60 Jahre. Aktuell sind es 14, davon zwei auf der Intensivstation. Beides sind ungeimpfte Patienten. Bemerkenswert: Die anderen zwölf infizierten Patienten sind alle geimpft. Sie weisen laut Sprecher Stefan Nitz allerdings im Moment gar keine oder nur leichte Symptome auf. Weil sie aber bei Testungen weiterhin positiv sind, dürfen sie nicht in die weitere Betreuung (zum Beispiel in ihre Seniorenheime) entlassen werden.

Bestellung von Impfstoff gleicht einer Lotterie

Corona-Patienten aus Bayern könne man aktuell keine aufnehmen, so Nitz. Er verweist auf die Sonderrolle des Jung-Stilling-Klinikums: Es fungiere als Notfallkrankenhaus im Dreiländereck NRW, Hessen und Rheinland-Pfalz und habe damit einen besonderen Versorgungsauftrag. „Die Frage wäre nämlich: Was passiert mit den akuten Fällen? Notfälle können wir nicht verschieben. Wir sind das einzige Krankenhaus mit diesem Schwerpunkt im Umkreis von 70 Kilometern“, so Nitz zur Siegener Zeitung.

Bereits jetzt komme es aufgrund von äußerst vielen Notfällen nach Unfällen oder akuten onkologischen Patienten im Jung-Stilling zu Verschiebungen von Operationen. In der Belegschaft spürbare Krankheitsausfälle verschärften zudem die Lage.

Fehlendes Personal auch ein Problem

Aufgrund der immer prekärer werdenden Situation stellt sich die Frage nach weiteren Handlungsoptionen in der Region. Eine erneute Reaktivierung des Kredenbacher Krankenhauses – wie im Frühjahr 2020 – zieht der Kreis Siegen-Wittgenstein aktuell nicht in Erwägung. „Eines der Hauptprobleme sind nicht nur die fehlenden Betten. Es ist auch das fehlende Personal“, sagt Kreis-Sprecher Torsten Manges. Denkbar sei eher, dass der Celenus-Klinik in Hilchenbach eine Sonderrolle zukommen könnte: Das Reha-Krankenhaus könnte als Notfall-Kapazität eingesetzt werden. Reha-Maßnahmen müsste man dann zugunsten der Aufnahme nicht-intensivpflichtiger Covid-Patienten stoppen. „Das hatten wir vor rund zwei Wochen schon einmal beim Land NRW beantragt, weil wir die auf uns zukommende Lage vorhergesehen haben. Leider hat das Land diese Pläne damals nicht genehmigt“, berichtet Manges.

Kurios: Jetzt, da die Versorgungssituation immer prekärer wird, ermächtigt sich das Land selbst dazu, eine solche Maßnahme zu ergreifen. In der neuen Verordnung heißt es: Das Gesundheitsministerium kann gegenüber den Krankenhausträgern die Änderung des Versorgungsauftrags des Krankenhauses vornehmen.

Autor:

Tim Plachner

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