Opfer mit »Plattmachen« gedroht

Im Entführungsprozess fordern alle Verteidiger Bewährung – Ankläger will Haftstrafen

Siegen. In einem Punkt waren sich der Staatsanwalt und seine prozessualen Gegenspieler einig: Was die drei Angeklagten sich vor drei Jahren mit einem 24-jährigen Landsmann geleistet hatten, muss als erpresserischer Menschenraub gelten (die SZ berichtete). Das sahen auch die drei Delinquenten in ihren letzten Worten so. Nach den milden »Mafiamethoden« baten sie nun um ein mildes Urteil durch die Siegener Jugendstrafkammer I. Gründlich hatte das Gericht am Vortag die Puzzleteile des Geschehens zusammenzutragen versucht. Nicht mit uneingeschränktem Erfolg, da die Kammer bei der Ablehnung eines Beweisantrags feststellte, sie gehe nicht von uneingeschränkter Glaubwürdigkeit des Belastungszeugen aus.

Staatsanwalt Lischeck skizzierte in seinem Plädoyer den Verlauf der Entführung knapp und stringent. Der 26-jährige Initiator des Verbrechens, bei dem und dessen Bruder das Tatopfer mit etwa 500 DM Haschisch-Schulden in der Kreide stand, sei mit seinen Mittätern nach Hilchenbach gefahren, um das Geld einzutreiben. Den ältesten Angeklagten habe er mitgenommen, weil der »Angst macht«. Im Zusammenhang mit der Entführung seien dann stolze 10000 DM gefordert worden. Auch hätten sie dem Opfer gedroht, es »plattzumachen«. Aber auch Lischeck hielt den Hauptzeugen für nur bedingt glaubwürdig. Der habe versucht, den Sachverhalt zu »schönen« und nicht in allen Punkten die Wahrheit gesagt. »Die Ecksachverhalte sind aber in groben Zügen bestätigt.«

Der Ankläger ging von einem erpresserischen Menschenraub in einem minderschweren Fall aus. Für den 26-jährigen »Drahtzieher« des Geschehens forderte er wegen dieser Tat und mehrfachen Drogenvergehens eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten. In den übrigen Drogenfällen sei der Angeklagte freizusprechen. Dessen Verteidiger Wolfgang Hofmann (Rennerod) versuchte aufzuzeigen, dass die Umstände des Geschehens längst nicht so seien, wie vom Staatsanwalt angenommen. Der Zeuge habe »Lügenmärchen« erzählt. Wie Lischeck ging er von einem minderschweren Fall aus. Sein Mandant, durch ein Augenleiden behindert, sei »noch unreif und unbedarft«. Die Strafe solle »im Bereich der Bewährung« liegen.

Bewährung forderte auch Rechtsanwältin Katharina Batz für ihren 35-jährigen Mandanten. Den hatte zu Beginn des Prozesstags eine Sachverständige zumindest in die Nähe verminderter Schuldfähigkeit gestellt. Er sei eine emotional instabile Persönlichkeit mit paranoiden Symptomen und Alkoholabhängigkeit. Batz betonte, ihr Mandant sei nicht an der Tatplanung beteiligt gewesen und habe »kein Interesse an der Tatherrschaft« gezeigt. Daher sei für ihn der Tatbestand der Beihilfe anzunehmen. Batz plädierte auf eine Strafe »im bewährungsfähigen Rahmen«. Lischeck hatte für den Angeklagten eine 32-monatige Strafe gefordert.

Für den dritten Angeklagten, bei dem ein früheres Urteil wegen eines Waffengesetz-Verstoßes einzurechnen ist, hatte der Staatsanwalt eine Strafe von dreieinhalb Jahren gefordert. Verteidigerin Petra Heinrich meinte hingegen, ihr Mandant sei in die Geschichte »reingeschliddert« und zum Tatzeitpunkt noch ein unbeschriebenes Blatt gewesen. Aufgrund einer damaligen Reifeverzögerung sei noch Jugendstrafrecht anzuwenden. Heinrich plädierte für eine Jugendstrafe, »nicht höher als zwei Jahre«, die zur Bewährung auszusetzen sei.

Das Urteil soll in der übernächsten Woche folgen.

pebe

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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