Höchstes Fest im Kirchenjahr auf der Kippe
Oster-Gottesdienste vor dem Aus

Vor einem Jahr schon setzte die Kirchengemeinde Erndtebrück auf einen digitalen Gottesdients: Pfarrerin Kerstin Grünert und ihr Kollege Jaime Jung (vor bzw. hinter der Kamera) haben inzwischen schon beste Erfahrung damit gesammelt.
  • Vor einem Jahr schon setzte die Kirchengemeinde Erndtebrück auf einen digitalen Gottesdients: Pfarrerin Kerstin Grünert und ihr Kollege Jaime Jung (vor bzw. hinter der Kamera) haben inzwischen schon beste Erfahrung damit gesammelt.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

js Siegen/Olpe/Betzdorf. Ostern ohne Gottesdienste? Das hat es doch schon einmal gegeben – im vergangenen Jahr, kurz nach Ausbruch der Pandemie. Dass das höchste Fest im Kirchenjahr auch ein zweites Mal mit leeren Kirchenbänken und Abendmahlskelchen stattfinden könnte, ahnten damals nur die Pessimisten. Dass Bund und Länder am Dienstag die Kirchen um einen Verzicht auf Präsenzgottesdienste bitten würden, kam angesichts der aktuellen Infektionsentwicklung nicht völlig überraschend – es stieß aber nicht nur auf Gegenliebe.

Dennoch: Auch wenn die Zahl der Gottesdienste in der Region zur Stunde noch nicht feststeht, wird sie doch auf jeden Fall weitaus überschaubarer ausfallen als in den Jahren vor der Pandemie. Insbesondere die evangelischen Kirchengemeinden haben sich bereits in der vergangenen Woche darauf eingestellt, auch Ostern 2021 auf liebgewonnene Gottesdiensttraditionen mit direkter Begegnung zu verzichten.

Die Landeskirche Westfalen hatte bereits darum gebeten, auf Präsenzgottesdienste zu verzichten, wenn der Inzidenzwert vor Ort über der 100er-Marke liegt. Das ist inzwischen längst der Fall, und das sogar deutlich. Entsprechend laufen die Vorbereitungen in den Gemeinden auf Hochtouren. Nicht wegducken ist die Devise, sondern Alternativen bieten.

Österliche Botschaft an pandemische Rahmenbedingungen anpassen

„Unser Glaube ist auf Gemeinschaft angewiesen“, sagt Peter-Thomas Stuberg, Superintendent des Kirchenkreises Siegen. „Am liebsten feiern wir in großen Gottesdiensten mit Posaunen und Chören.“ In diesem Jahr aber sei dies leider nicht machbar. „Wir werden versuchen, die österliche Botschaft an die pandemischen Rahmenbedingungen anzupassen.“

Es sei das Gebot der Stunde, sehr verantwortungsvoll so etwas wie Gemeinschaft – „wenn auch in Brechungen“ – anzubieten. Viele Gemeinden des Kirchenkreises hätten im vergangenen Jahr ein ausgesprochen kreatives Potenzial bewiesen und würden nun „gegen den Verdruss“ das Fest des aufkeimenden Lebens feiern. Nur vier oder fünf Gemeinden hätten zuletzt noch mit einem Präsenzgottesdienst geplant, abhängig jedoch von der Coronalage. Das letzte Wort haben dort, wie bei allen anderen Gemeinden, übrigens die Presbyterien.

Zuschuss für technische Ausrüstung

„Wir haben viel dazu gelernt“, berichtet Stuberg, der auch durchaus Positives im Krisenmodus ausgemacht hat. Sehr viel hätten vor allem die Ehrenamtler in dieser Hinsicht vorangebracht. Digitale Alternativen gebe es in unterschiedlichen Formen – vom auf Video aufgezeichneten und professionell geschnittenen Gottesdienst, als Livestream oder als rund um die Uhr verfügbarer Youtube-Film, über Podcasts (zum Hören ohne Bild) bis hin zu interaktiven Zoom-Konferenzen. Für die notwendige technische Ausrüstung haben die Gemeinden einen Zuschuss des Kirchenkreises bekommen. Dabei müsse nicht überall alles angeboten werden. Die Gemeinden könnten sich gegenseitig mit ihren jeweiligen Formaten ergänzen. Auf der Website des Kirchenkreises soll vor dem Osterfest eine entsprechende Übersicht zu finden sein.

Ähnlich wird es im Kirchenkreis Wittgenstein aussehen, wie Superintendentin Simone Conrad erzählt. Auch dort haben die Gemeinden auf die hohen Inzidenzwerte reagiert. Auch die die drei aus dem Hochsauerlandkreis, die ebenfalls zum Kirchenkreis Wittgenstein gehören, haben sich solidarisch erklärt und werden Alternativangebote schaffen. „Es gibt viele großartige Ideen, einen bunten Strauß“, freut sich Conrad und nennt beispielhaft Kinder-Kreuzsegnungen, Pflanzaktionen, Open-Air-Veranstaltungen und natürlich Online-Gottesdienste. Die Angebote sollen auch hier auf der Kirchenkreis-Website aufgelistet werden.

Präsenzgottesdienste mit Hygienekonzepten geplant

Auch im Oberkreis Altenkirchen setzt der ev. Kirchenkreis auf Online-Angebote. Noch werde diskutiert, berichtet Öffentlichkeitsbeauftragte Petra Stroh.

Von katholischer Seite gab es am Dienstag noch wenig Konkretes. Bislang, so berichtet etwa Pfarrer Friedhelm Rüsche als Leiter des Pastoralverbunds Nördliches Siegerland, seien noch Präsenzgottesdienste mit Hygienekonzepten geplant. Das hätten die kath. Kirchengemeinden in der Region auch im vergangenen Jahr so durchgezogen. „Wir können nun auch nicht auf die Schnelle aufs Digitale umstellen.“ Dafür gebe es weder technische noch personelle Möglichkeiten. Es sei schließlich nicht damit getan, einen gemeindelosen Gottesdienst mit dem Handy zu filmen und auf Youtube hochzuladen. Zudem spiele die Liturgie eine weitaus zentralere Rolle in katholischen Messen. Mit mehr Klarheit rechnet Rüsche am Mittwoch.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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