ÖPNV-Leitlinien sehen engere Taktung von Bussen vor
Parkplätze sollen teurer werden

Die neuen Leitlinien geben dem ÖPNV Vorrang vor dem Auto.

ihm Siegen/Olpe. „Pull und push“ heißt die Strategie, mit der die Verkehrsexperten in Siegen-Wittgenstein und Olpe die Bürger zum Busfahren animieren wollen. Ziehen und schieben bedeutet das übersetzt. In der Tat: Die „ÖPNV-Leitlinien“, die die politischen Gremien der Kreise jetzt zu beraten haben, ziehen und schieben an diversen Ecken des Systems.
An einem Punkt allerdings nicht: Von einer Re-Kommunalisierung des ÖPNV ist in dem siebenseitigen Eckpunktepapier keine Rede. Vielmehr soll das Drei-Ebenen-Modell fortgeführt werden. Politische Ebene: Kreistage Siegen-Wittgenstein und Olpe, Regie-Ebene: Zweckverband Personennahverkehr Westfalen (ZWS), Umsetzungsebene: Verkehrsunternehmen. Der ZWS bekommt mehr Gewicht.
Auf SZ-Nachfrage erklärte die Kreisverwaltung Siegen-Wittgenstein, dass man in dem Papier „keine Absage an die Re-Kommunalisierung“ sehe. Das Thema bleibe offen.
Die wichtigsten Leitlinien des Entwurfs:

Parkplätze

Im „Kernraum des ZWS-Verbandsgebiets“ sollen keine neuen Parkplätze mehr gebaut werden. Die Nutzung der vorhandenen Parkplätze soll teurer werden.
Buslinien: Die verschiedenen Linientypen des Busverkehrs bleiben erhalten: Schnellbus (SB), Regionalbus (R), Uni-Express-Bus (UX), Citybus (C), Lokalbus (L), Taxibus (TB) und Nachtbus (N).
Haltestellen: Wichtig ist die fußläufige Erreichbarkeit der Haltestellen. Bei Ortsteilen mit mehr als 7500 Einwohnern soll die nächste Bushaltestelle maximal 250 Meter Luftlinie entfernt sein, der nächste Bahnhof maximal 500 Meter. Bei Orten zwischen 750 und 7500 Einwohnern liegen die Zielgrößen bei 500 Metern für den Bus und 750 Metern für die Bahn. Und bei kleinen Dörfern unter 750 Einwohnern soll die Luftlinien-Entfernung 750 bzw. 1000 Meter betragen.

Takt an Werktagen

Werktags soll auf allen Linien zwischen 4 und 20 Uhr ein Stundentakt als Grundangebot gelten. Auf den Hauptachsen im Korridor Siegen – Kreuztal – Netphen – Freudenberg soll zwischen 6 und 20 Uhr sogar ein 15-Minuten-Takt eingeführt werden, von 20 bis 1 Uhr ein 30-Minuten-Takt. Zu den Werktagen gehört nach der Definition auch der Samstag.

Takt an Sonn- und Feiertagen

Zwischen 8 und 23 Uhr sieht das Grundabgebot auf allen Linien einen 120-Minuten-Takt vor. Auf den Hauptachsen im Korridor Siegen – Kreuztal – Netphen – Freudenberg soll zwischen 6 und 24 Uhr alle 30 Minuten ein Bus fahren.

Tarife

Die „Vision“ eines einfachen Tarifs im Sinne von Flatrate-Tarifen soll ausgebaut werden. Vorbilder: Semester-Ticket und Schüler-Ticket. Keine Rede ist in den Leitlinien vom 1-Euro-Ticket, erwähnt ist ein Familien oder Seniorenticket. Das System fußt auf einem „Mix aus Nutzer- und Solidarfinanzierung“.

Busspuren

Im Verdichtungsraum Siegen – Kreuztal – Netphen – Freudenberg sollen Busspuren eingerichtet werden.

ZWS

Der ZWS soll künftig Studien und Praxistest z. B. für neue Antriebstechnik organisieren, das Fördermanagement und den Infrastrukturausbau übernehmen, je eine Mobilitätszentrale in Siegen-Wittgenstein und Olpe einrichten, die digitale Fahrgastinformationen an den Haltestellen betreiben.

Streit über Sinn der Workshops Bei der Opposition im Kreis Olpe stößt der Entwurf der ÖPNV-Leitlinien auf heftige Kritik. Die Grünen finden, von den „hervorragenden Diskussionen“, die in den Workshops stattgefunden hätten, finde sich fast nichts in den Leitlinien wieder. „Das wird dem Anspruch nicht gerecht, wenn man ÖPNV neu denken will“, so Fred Hansen am Montag im Olper Kreisausschuss. Die Workshops seien offenbar „Alibiveranstaltungen“ gewesen. Und auch die SPD ist dieser Meinung. Bernd Banschkus: „Wir haben Dinge erarbeitet, die ich jetzt in der Vorlage nicht wiederfinde“, Sitzplätze für alle Schüler oder kostenlose Fahrradmitnahme etwa. Landrat Theo Melcher (CDU) beschwichtigte, die Leitlinien seien nur „der große Rahmen“. Dem folge die Arbeit am Nahverkehrsplan, der das Konkretisieren übernehme. Den Abschluss werde ein Gutachten sein, „das auf dem basiert, was wir am 31. August besprochen haben“ in besagten Workshops: „Wir werden andere Systeme brauchen, um Zubringer zum ÖPNV zu bekommen. Es gibt Hauptachsen, die relativ stark bedient werden, und aus den Randbereichen müssen die Menschen da hingebracht werden.“ Er könne versichern, dass die Ergebnisse der Workshops an den Gutachter herangetragen würden. „Die Detailplanung gehört nicht in die Leitlinien, sondern in den Nahverkehrsplan.“ Der Olper Kreisausschuss gab die Leitlinien bei Enthaltung von SPD und Grünen mit den Stimmen von CDU, UWG und FDP zur weiteren Beratung an den Kreistag weiter.
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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