Gutes Leben, gutes Arbeiten
Pendleratlas zeigt Stärken der Region auf

Von 111.683 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Siegen-Wittgenstein pendeln nur 23.395 zur Arbeit in eine andere Region.
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tip Siegen/Olpe/Altenkirchen. NRW-weit pendeln laut Statistik nur aus der Städteregion Aachen weniger Beschäftigte zum Arbeiten aus, als aus Siegen-Wittgenstein. Auch der Kreis Olpe belegt in der Statistik einen vorderen Platz. Der Kreis Altenkirchen kann nicht mithalten.

20,9 Prozent pendeln in andere Regionen

In Siegen-Wittgenstein wohnen 111.683 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (Datenstand: Juni 2020). Von ihnen pendeln nur 23.395 – oder 20,9 Prozent – zur Arbeit in eine andere Region (Auspendler). Gleichzeitig pendeln 28.336 Beschäftigte, die in einem anderen Kreis wohnen, zur Arbeit nach Siegen-Wittgenstein (Einpendler). Der Saldo von Aus- und Einpendlern beläuft sich damit auf +4941 (Pendlersaldo). Wer zur Arbeit pendelt, hat es dabei meistens nicht weit: Knapp die Hälfte fährt entweder in den Kreis Olpe, den Lahn-Dill-Kreis oder den Kreis Altenkirchen. Diese drei Kreise bilden auch das Spitzentrio bei den Einpendlern, wobei die meisten von ihnen aus Altenkirchen nach Siegen-Wittgenstein kommen (8493).

  • Interessanter Fakt: Die so genannten Metropolregionen spielen laut Statistik für die Pendler aus Siegen-Wittgensteiner kaum eine Rolle. Gerade einmal 752 Beschäftigte nehmen den Weg nach Köln auf sich, nach Frankfurt am Main sind es gar nur 586. Immerhin 432 zieht es aus der Domstadt zum Arbeiten nach Siegen-Wittgenstein.
  • Ähnliche Verhältnisse herrschen im Kreis Olpe: Von 56.963 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten pendeln 14.367 (25,2 Prozent) zur Arbeit in einen anderen Kreis. Im NRW-Vergleich ist das relativ wenig. Gleichzeitig pendeln 16.600 Beschäftigte ein, womit sich auch in Olpe ein positives Pendlersaldo bildet (+2233).
Viele fahren zum Arbeiten weg
  • Ein eklatant anderes Bild bietet sich im Kreis Altenkirchen. Hier fährt fast jeder zweite Arbeitnehmer in einen anderen Kreis, unter den 50.094 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten befinden sich 24.681 Pendler. Gleichzeitig pendeln nur 12.951 Beschäftigte nach Altenkirchen ein, was zu einem negativen Saldo von -11 730 führt.

SI-WI und Olpe sind attraktive Arbeitsstandorte

Für Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Siegen, sind die Daten aus dem Pendleratlas ein Beleg dafür, „dass Siegen-Wittgenstein und Olpe offensichtlich attraktive Lebens- und Arbeitsstandorte“ seien. Zahlen, die der Kammer vorliegen, beleuchten das Phänomen etwas detaillierter: So seien für das positive Pendlersaldo der beiden Kreise vor allem die Kommunen zuständig, die über starke Industrie verfügen: Neunkirchen, Burbach und Erndtebrück (hier spiele auch die Hachenberg-Kaserne der Bundeswehr eine Rolle) auf Siegen-Wittgensteiner Seite, Attendorn und Olpe im Nachbarkreis. Siegen selbst müsse man als Oberzentrum ohnehin gesondert betrachten. Hier mache sich unter anderem die Universität mit über 2000 Arbeitsplätzen bemerkbar. Gräbener möchte die guten Zahlen aus dem Pendleratlas aber auch als Ansporn verstanden wissen: „Wir wollen natürlich auch so attraktiv bleiben. Daher gilt es zum Beispiel, in Sachen Wohnbauflächen nicht nachzulassen.“

Von 111.683 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Siegen-Wittgenstein pendeln nur 23.395 zur Arbeit in eine andere Region.
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Man könne nur hoffen, dass sich diesbezüglich der Entwurf des Regionalplans (die SZ berichtete mehrfach) aufgrund der vielerorts angedachten Beschränkungen nicht durchsetzen werde.

Negatives Pendlersaldo seit Ende der Montanindustrie

Für Berno Neuhoff ist das negative Pendlersaldo des Kreises Altenkirchen nicht neu. Der Wissener Bürgermeister, beim Kreis ehemals unter anderem für die Regionalplanung zuständig, verweist darauf, dass dies eigentlich schon seit dem Ende der Montanindustrie so sei. Er will die Statistik aber nicht ausschließlich schlecht werden: „Ja, Siegen-Wittgenstein und Olpe sind infrastrukturell besser angebunden.Von Wissen aus brauche ich zum Beispiel knapp 45 Minuten bis zur nächsten Autobahn. Aber: Wir sind ein beliebter Wohnstandort mit bezahlbaren Grundstückspreisen und guter, dörflicher Struktur.“ Die Bahnlinie Siegen-Köln, die mitten durch den Kreis Altenkirchen führt, sorge als „Aorta“ für ein hohes Pendleraufkommen. Die Zahlen aus dem Atlas belegen das: Knapp 2700 Menschen pendeln Richtung Köln oder in den Rhein-Sieg-Kreis.

Die sich durch die Coronakrise wandelnde Arbeitswelt sieht Neuhoff als Chance: „Betriebe sind flexibler geworden, sie lassen mehr Home-Office zu. Viele werden sich fragen: Muss ich in einer Metropole wohnen oder lieber im Grünen, wenn ich nicht jeden Tag pendeln muss? Das wird die Nachfrage nach Wohnraum noch steigern. Die Herausforderung wird sein, dass dieser auch im ländlichen Raum bezahlbar bleibt.“

Autor:

Tim Plachner

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