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Klare Kante gegen den Innenminister
Pfarrer Stefan König hält an Gottesdiensten fest

Der Siegener Nikolaikirchenpfarrer Stefan König ist überzeugt, mit Präsenzgottesdiensten auch in Zeiten der Pandemie etwas Gutes zu tun. Maximal 90 Menschen dürfen verstreut Platz nehmen, die Kirche fasst normal bis zu 800 Leute.
  • Der Siegener Nikolaikirchenpfarrer Stefan König ist überzeugt, mit Präsenzgottesdiensten auch in Zeiten der Pandemie etwas Gutes zu tun. Maximal 90 Menschen dürfen verstreut Platz nehmen, die Kirche fasst normal bis zu 800 Leute.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

mir Siegen. Schock in der Freien Christengemeinde Blankenheim (Kreis Euskirchen): Mutmaßlich durch einen Gottesdienst mit 300 Leuten soll es zu 29 Corona-Infektionen gekommen sein. Ein Hotspot mehr! Für NRW-Innenminister Herbert Reul Anlass genug, erneut zum Verzicht auf Präsenzgottesdienste aufzurufen.
Folgen die Kirchengemeinden dem Appell der Politik? Zum Teil ja, eher nein. Die SZ hat sich umgehört und Erstaunliches erfahren: In allen fünf pastoralen Räumen im Siegerland finden katholische Gottesdienste nach wie vor statt, die allermeisten evangelischen Gemeinden verzichten dagegen auf Präsenz in den Kirchen und setzen voll auf Online-Andachten und Zoom-Gottesdienste.

mir Siegen. Schock in der Freien Christengemeinde Blankenheim (Kreis Euskirchen): Mutmaßlich durch einen Gottesdienst mit 300 Leuten soll es zu 29 Corona-Infektionen gekommen sein. Ein Hotspot mehr! Für NRW-Innenminister Herbert Reul Anlass genug, erneut zum Verzicht auf Präsenzgottesdienste aufzurufen.
Folgen die Kirchengemeinden dem Appell der Politik? Zum Teil ja, eher nein. Die SZ hat sich umgehört und Erstaunliches erfahren: In allen fünf pastoralen Räumen im Siegerland finden katholische Gottesdienste nach wie vor statt, die allermeisten evangelischen Gemeinden verzichten dagegen auf Präsenz in den Kirchen und setzen voll auf Online-Andachten und Zoom-Gottesdienste. Freikirchliche Gemeinden wiederum überlegen neu, was zu tun ist und prüfen zumindest, ob sie wieder Präsenzgottesdienste wagen sollten.

Pfarrer Stefan König aus Siegen hält an Präsenzgottesdiensten fest

Klare Kante zeigt in dieser Zeit die Siegener Nikolaikirche. Reuls Aufruf ist für Pastor Stefan König keine Überlegung wert. „Selbst an Tagen mit Inzidenz 220 haben wir bewusst gesagt, ja doch, wir machen ein seelsorgerisches Grundangebot, und das ist nun mal der Gottesdienst.“

König ist ein der Welt zugewandter Mensch, aber eine digital übertragene Andacht ist für ihn und seine Gemeinde kein adäquater Ersatz. Ohne Gesang im Kirchenschiff, das versteht sich von selbst. Mit ausreichend großem Abstand zwischen den Sitzplätzen. „Wir werden es weiter tun“, sagt König aus Überzeugung. 800 Menschen könnten gleichzeitig in der großen Nikolaikirche Platz finden, in Corona-Zeiten liegt das Limit bei 90. Tatsächlich sitzen bei Gottesdiensten um die 40 Frauen und Männer in den Reihen verteilt.

Kirchengemeinde Klafeld als zweite Ausnahme

Unter den evangelischen Gemeinden im Siegener Raum gibt es noch eine zweite Ausnahme mit Präsenzgottesdiensten, die Kirchengemeinde Klafeld. „Ja, wir haben uns etwas von der Landeskirche abgesetzt und nur über Ostern mit den Gottesdiensten ausgesetzt“, sagt Pfarrer Dr. Martin Klein. Gottesdienste seien generell sehr wichtig für die Orientierung der Menschen, „alles andere ist nur notdürftiger Ersatz gewesen“.

Die Teilnehmerzahl sei gering, ja klar, maximal 40, das war schon ein Ausreißer nach oben.“ Trotzdem bleibt er bei seinem Standpunkt, gerade für ältere und schon geimpfte Menschen seien die Gottesdienste eine wichtige Sache. Auch in Ferndorf und Hilchenbach werden Präsenzgottesdienste angeboten.
Ein paar Kilometer weiter siegabwärts in Niederschelden, Eiserfeld, Eisern und Gosenbach, ist die Lage eine andere. Rolf Fersterra, Pfarrer im Seelsorgebezirk Niederschelderhütte, ist sehr angetan von Zoom-Andachten, die hat es testweise zweimal samstags um 18.30 Uhr gegeben: „Das ist gut angekommen, die Teilnehmer sehen das sehr positiv, weil die eigene Kommunikation eine Chance erhält. Weidenau macht das auch viel Erfolg.“

Argumente pro Zoom-Veranstaltungen gibt es in Hülle und Fülle: Man sieht sich gegenseitig auf dem Bildschirm, selbst ältere Gemeindeglieder schaffen es, sich einzuloggen. „Dass sie mit Zoom zurechtkommen und sich gegenseitig erleben, das erfüllt die ältere Generation mit Freude“, berichtet Fersterra. „Die Klickzahlen sind gut, das ist sehr erfreulich für uns.“

Freikirchen geben sich zurückhaltend

Wie steht um die Freikirchen? Pastor Heiko Schmidt (FeG Siegen-Mitte) ist vorsichtig. Die Gebetsstunde online per Zoom, das funktioniert in der Gemeinde ganz gut. Auch das anschließende Zoom-Café hat einen Unterhaltungswert in dieser kargen Zeit. Schmidt ist überzeugt: „Einiges von diesen neuen Angeboten wird bleiben, auch in der Zeit nach der Corona-Pandemie.“
Trotzdem werden die Karten vielleicht jetzt neu gemischt: Am Mittwochabend sollte ein Treffen zu genau dem Thema Gottesdienst mit präsentem Publikum stattfinden. Schmidt: „Seit Advent gab es solche Gottesdienst nicht mehr.“

Völlig tiefenentspannt in der Frage der Präsenzgottesdienste ist Dechant Karl-Hans Köhle: „Wir sind stolz darauf, seit einem Jahr ist in unseren katholischen Gottesdiensten Corona-bedingt nichts vorgefallen.“ Sicher, es hat einen Wandel gegeben, Corona-Beauftragte stehen an den Gottesdiensttüren und machen auf AHA-Regeln aufmerksam. Köhle sieht allerdings keinen Grund, sich irgendwie am Appell des Ministers Reul zu orientieren.

Auch sein Pendant auf evangelischer Seite, Superintendent Peter-Thomas Stuberg, hat einen festen Standpunkt: „Es gibt viele alleinstehende, einsame Menschen, für die sind Gottesdienste in Präsenz sehr wichtig.“ Das Beispiel Blankenheim ärgert Stuberg: „Das ist doch rücksichtslos, 300 Menschen in eine Kirche zu lassen und zu hoffen, der Heilige Geist wird es schon richten.“

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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