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Pflegekinderdienste suchen passende Familien

Daniela Herling (l.) und Friedegund Läpple vom Pflegekinderdienst in der Weidenauer Villa Fuchs setzen bei der Arbeit mit den Familien unter anderem die „Landkarte der Befindlichkeiten“ ein: fantasievoll und naiv gemalte Landschaften mit sinnbildlichen Stationen – eine gute Methode, um Gefühlzustände zu benennen und zu reflektieren.
  • Daniela Herling (l.) und Friedegund Läpple vom Pflegekinderdienst in der Weidenauer Villa Fuchs setzen bei der Arbeit mit den Familien unter anderem die „Landkarte der Befindlichkeiten“ ein: fantasievoll und naiv gemalte Landschaften mit sinnbildlichen Stationen – eine gute Methode, um Gefühlzustände zu benennen und zu reflektieren.
  • Foto: Anja Bieler-Barth
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

nja Siegen/Olpe. „Mein Traum wäre es, wenn die beiden bis sie erwachsen sind, bei mir bleiben können!“ Seit sechs Jahren ist Sabine G. „Mutter auf Zeit“ für Leonie und Sascha (die Namen wurden von der Redaktion auf Wunsch geändert). Die Geschwister sind heute acht und elf Jahre alt – und schon lange auch emotional „angekommen“ in ihrem neuen Zuhause. Sabine G. leitet im Auftrag der Gemeinnützigen Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe mbH (GfO) eine sozialpädagogische Erziehungsstelle. Voraussetzung hierfür ist – anders als bei der Pflegefamilie – eine pädagogische Ausbildung.
Schon die Eltern nahmen Pflegekinder auf
Die Nordsiegerländerin ist Sozialarbeiterin und wird für die liebevolle Betreuung der beiden Kinder mit einer vollen Stelle entlohnt.

nja Siegen/Olpe. „Mein Traum wäre es, wenn die beiden bis sie erwachsen sind, bei mir bleiben können!“ Seit sechs Jahren ist Sabine G. „Mutter auf Zeit“ für Leonie und Sascha (die Namen wurden von der Redaktion auf Wunsch geändert). Die Geschwister sind heute acht und elf Jahre alt – und schon lange auch emotional „angekommen“ in ihrem neuen Zuhause. Sabine G. leitet im Auftrag der Gemeinnützigen Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe mbH (GfO) eine sozialpädagogische Erziehungsstelle. Voraussetzung hierfür ist – anders als bei der Pflegefamilie – eine pädagogische Ausbildung.

Schon die Eltern nahmen Pflegekinder auf

Die Nordsiegerländerin ist Sozialarbeiterin und wird für die liebevolle Betreuung der beiden Kinder mit einer vollen Stelle entlohnt. Sie hat im Alter von 52 Jahren ihren Traumjob angenommen: Die eigenen Kinder waren aus dem Haus, und da schon ihre Eltern Pflegekinder aufgenommen hatten, wusste sie, um was es geht. „Das war auch der Grund, warum ich erst so spät Pflegemutter geworden bin“, rückt sie einen eher selten im Fokus stehenden Aspekt in den Blick: „Ein Pflegekind kam damals nach der Geburt zu uns – und wurde vier Monate später inkognito adoptiert. Da war ich etwa zehn Jahre alt – und es fühlte sich für mich damals so an, als wäre das Baby gestorben. Andererseits war es auch nicht immer einfach, die Mutter mit einem Pflegegeschwisterchen zu teilen“, erinnert sie sich an Momente kindlicher Eifersucht.
Ihre Pflegekinder fühlen sich bei ihr daheim. Sie haben regelmäßig Kontakt zu ihrer Mutter, zu den weiteren Geschwistern und auch zu ihren Vätern. „Sie nennen mich beim Vornamen – nur in der Schule sprechen sie von mir schon mal als ihrer Mama – wahrscheinlich aus Eigenschutz, um keine Fragen beantworten zu müssen.“ Sabine G. weiß: Der Kontakt zur leiblichen Mutter ist enorm wichtig. In der Regel einmal im Monat. Andererseits wird ihr in diesen Begegnungen auch vor Augen geführt: Ihre Mutterrolle für Leonie und Sascha, die sie liebt, kann auch mal vorbei sein. Wenn sich die Lebensverhältnisse der leiblichen Mutter verbessert haben.

Pflegekinderdienst Villa Fuchs in Weidenau sucht Familien

Ortswechsel. Der Pflegekinderdienst Villa Fuchs in Weidenau ist einer von mehreren im Kreis Siegen-Wittgenstein, der regelmäßig auf der Suche nach Interessierten, die Heranwachsenden ein Zuhause bieten möchten – auf Zeit oder auf Dauer. Die Diakonie in Südwestfalen und der Sozialdienst kath. Frauen (SkF) kooperieren hier. Daniela Herling (Diakonie) und Friedegund Läpple (SkF): „Wir suchen stabile Familien – Paare oder Singles, die sich darauf freuen, Kindern oder Jugendlichen einen Platz in ihrem Herz und ihrem Zuhause zu schenken.“ Das Jugendamt fragt die Pflegedienste im Bedarfsfall an, es zahlt später auch das Pflegegeld. Herling und Läpple betonen: „Wir suchen die passende Familie für das Kind aus und schlagen sie dem Jugendamt vor.“ Das Kindeswohl hat oberste Priorität!

Manche Kinder müssen aus der Stammfamilie herausgenommen werden

Was müssen künftige Pflege-Mamas und -Papas mitbringen – neben einem Daheim, das die räumlichen Anforderungen erfüllt, und natürlich der Zuwendung? Einfühlsamkeit, Geduld, Belastbarkeit und Flexibilität sind wichtige Attribute. „Eine wertschätzende Haltung auch anderen Lebensumständen gegenüber ist wichtig“, sagen Herling und Läpple: „Verständnis dafür, dass Menschen in Notsituationen geraten können. Das Kind merkt, wenn die Pflegefamilie die leiblichen Eltern ablehnt.“
Es gibt viele Gründe, warum Kinder aus ihrer Stammfamilie herausgenommen werden müssen: Vernachlässigung zum Beispiel, das Unvermögen, den Nachwuchs zu erziehen, Krankheit oder Tod von Mama oder Papa, Sucht, Obdachlosigkeit, aber auch Misshandlung und Missbrauch. Manchmal sind Eltern auch nur vorübergehend in einer Krise.

Einzelschulungen finden Corona-konform statt

Die Pflegekinderdienste schulen die Eltern und stehen regelmäßig mit ihnen in Kontakt. „Derzeit finden Corona-konform Einzelschulungen statt“, so Herling und Läpple. Am Anfang der Pandemie habe es weniger Nachfragen gegeben – vermutlich aus der „viralen“ Verunsicherung heraus. Seit November aber scheint es sich wieder zu normalisieren. Im Idealfall ziehen alle gemeinsam an einem Strang zum Wohle der Kinder. Der Traum wohl aller Pflegekinderdienste: „Wenn die Pflegeeltern uns mitteilen: Unser Kind ist 18 Jahre alt geworden – und wir brauchen Ihre Hilfe nicht mehr!“

Der Kreis hat einen eigenen Pflegekinderdienst

  • 2019 erhielten im Kreis Siegen-Wittgenstein 262 Kinder/Jugendliche/junge Volljährige Hilfe in Pflegefamilien, im Jahr 2020 waren es 271. Der Anstieg ist laut Kreis geringer als von 2018 auf 2019.
  • 2019 lebten 20 Heranwachsende in 18 Erziehungsstellen. 2020 waren es 25 in 23 Erziehungsstellen. Im Bereich des Pflegekinderdienstes hat das Kreis-Jugendamt 2020 mit 15 Anbietern zusammengearbeitet. Fundierte Erkenntnisse, ob der Lockdown bei den Hilfen eine Rolle gespielt hat, liegen nicht vor.
  • Bei der Auswahl der Hilfeform orientiert sich das Jugendamt am Bedarf des Kindes. Wenn die Notwendigkeit einer Erziehungsstelle besteht, nimmt das Jugendamt Kontakt zu den Anbietern auf. Bei Pflegefamilien ist dies die Ausnahme, da der Kreis einen eigenen Pflegekinderdienst hat und Bewerber auch selbst schult. „Allerdings wird bei der Betreuung der Pflegefamilien vorrangig auf Anbieter zurückgegriffen“, heißt es.
  • Das Jugendamt der Stadt Siegen hat keinen eigenen Pflegekinderdienst. Die Aufgabe wird vollständig von freien Trägern erbracht: „Diese sind Mogli Siegen, das Familiennetzwerk Siegen und der Pflegekinderdienst im Trägerverbund des Diakonischen Werkes und des Sozialdienst katholischer Frauen“.
Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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