Vier Jahre und drei Monate Haft
Pflegevater (39) wegen Kindesmissbrauchs verurteilt

Im Kirchhundemer Missbrauchsfall fiel gestern das Urteil. Torsten H. kommt über vier Jahre hinter Gitter.
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  • Foto: pixabay
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

tile Siegen. Bis zuletzt beteuerte Torsten H. seine Unschuld. „Ich habe meiner Tochter nichts getan. Ich weiß nicht, wie die Vorwürfe zustande gekommen sind“, sagte der 39-Jährige, der gestern das Urteil wegen sexuellen Missbrauchs eines schutzbefohlenen Kindes in vier Fällen, zum Teil in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung und Freiheitsberaubung, entgegennahm (die SZ berichtete mehrfach ausführlich): Vier Jahre und drei Monate ohne Bewährung lautete der Spruch der 1. großen Strafkammer am Siegener Landgericht. Das Urteil lag somit deutlich unter den sechs Jahren, die Staatsanwältin Katharina Burchert gefordert hatte.
Eine Bewertung des Urteils wollte die Staatsanwältin nach der Verkündung nicht vornehmen. Auch der Vertreter der Nebenklage, Thomas Trapp, tat sich schwer. „Schwierig“, meinte er. „Die Kammer habe das Urteil gut und ausführlich begründet“, sagte der Rechtsanwalt. Insgesamt sei fair verhandelt worden.

Verteidiger hatte Freispruch gefordert

Dem wollte sich Verteidiger Klaus Söbke nicht anschließen, der einen Freispruch gefordert hatte und für seinen Mandanten Revision einlegen will. Die Vorsitzende Richterin Elfriede Dreisbach habe viel von Wahrscheinlichkeiten und Vermutungen gesprochen. Es sei ein „klassischer Fall von Aussage gegen Aussage“ gewesen. Dass der Verteidiger mit der Kammer nicht zufrieden war, hatte er durch verschiedene Befangenheitsanträge während des Verfahrens dokumentiert.
Der Angeklagte selbst nahm das Urteil angespannt, aber ruhig entgegen. Im Laufe der Begründung, in der Dreisbach die Aussagen des Kindes noch einmal zusammenfasste, schüttelte er jedoch fortwährend den Kopf.
Unter den Zuschauern, darunter Menschen aus dem engsten familiären Kreis des jungen, damals etwa sieben- oder achtjährigen Missbrauchsopfers, wurde das Urteil missbilligend aufgenommen. Zumal von sechs festgestellten Taten nur vier in die Urteilsfindung mit einfließen konnten, da die beiden anderen in ihrer Art nicht Bestandteil der Anklage gewesen waren.

"Glaubhafte und detailreiche Schilderung"

Dass der 39-Jährige die Taten an seiner Pflegetochter begangen hat, ist für das Gericht indes unstrittig. Grundlage dieser Feststellung ist die „glaubhafte, originelle und detailreiche Schilderung“ der heute neunjährigen Leila (Name von der Redaktion geändert), auch wenn sie ihrem Alter geschuldet nicht mehr alle zeitlichen Bezüge habe wiedergeben können, so Dreisbach. Dennoch: „Ihre Aussage hatte keine logischen Brüche.“ Eine Motivation, um eine Falschaussage zu machen, liege nicht vor. Für suggestive Einflüsse der Pflegemutter, um von ihrem Ehemann loszukommen, gebe es ebenfalls keine Anhaltspunkte. Darüber hinaus habe das Mädchen „den Taten keinen sexuellen Bezug beigemessen“. Und die vielleicht erschreckendste Erkenntnis: „Sie hat die Taten als normalen Alltag für sie mit ihrem Papa geschildert.“
Auf Nachfrage der SZ erklärte Rainer Hoppmann, stellv. Sprecher der Siegener Staatsanwaltschaft, dass eine Nachtragsanklage, um einen Tatbestand rückwirkend zum Gegenstand der Anklage zu machen, äußerst komplex sei. Nach der Urteilsverkündung sei dies gar nicht mehr möglich (Strafklageverbrauch). Ob eine Nachtragsanklage in diesem Fall überhaupt Aussicht auf Erfolg gehabt hätte, hielt Nebenklägervertreter Thomas Trapp ohnehin für fraglich.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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